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Mitarbeiter (m/w/d): Hier gibt es keine Unterschiede

Zweiradunternehmer Thomas Gallien ist von den Vorzügen weiblicher Mitarbeiter in seinem männerdominierten Beruf überzeugt. Wichtig ist ihm die Begeisterung für den Beruf. 

Vivian Reuter hat den Beruf mit Seltenheitswert unter Frauen gefunden, in dem sie glücklich ist. Thomas Gallien ist froh, dass er die junge Frau in seinem Team hat. Foto: © Peter Leßmann
Vivian Reuter hat den Beruf mit Seltenheitswert unter Frauen gefunden, in dem sie glücklich ist. Thomas Gallien ist froh, dass er die junge Frau in seinem Team hat.

"Wir machen bei der Auswahl und dem Einsatz unserer Beschäftigten keine Unterschiede. Uns sind Geschlecht, Alter oder Herkunft egal – entscheidend ist, ob jemand fundiertes Interesse am Zweiradmechatroniker-Beruf mitbringt", unterstreicht Zweiradunternehmer Thomas Gallien auf die Frage, warum er sich vor zwei Jahren für die Ausbildung von Vivian Seuter entschieden hat.

Genau diese Begeisterung vermittelte ihm die damals 26-Jährige beim ersten Kontakt in seinem Ladenlokal, dem Radwerk Gallien. "Ich habe ihr mit verschiedenen Argumenten auszureden versucht, diese für sie zweite Berufsausbildung anzugehen, doch sie hatte zu jeder Widrigkeit eine Lösung", erinnert er sich und ließ sich deshalb auf das Ausbildungsverhältnis ein, obwohl er zu diesem Zeitpunkt konkret keinen Lehrling suchte.

Offenheit für Bewerbungen von Frauen

Foto: © Peter Leßmann Foto: © Peter Leßmann Inzwischen ist der Unternehmer wegen seiner guten Erfahrungen mit Vivian Seuter von den Vorzügen weiblicher Mitarbeiter im Zweiradhandwerk absolut überzeugt. Den Bewerbungen von Frauen steht er noch aufgeschlossener gegenüber als zuvor: "Wegen meiner Spezialisierung auf Lastenfahrräder habe ich häufig mit Frauen als Kundinnen zu tun", erklärt er.

Beim Einsatz seiner Auszubildenden im Lokal habe er beobachtet, wie schnell Frauen untereinander einen guten Kontakt finden. Für die Arbeit in der Werkstatt könne er solche Unterschiede zwischen den Geschlechtern allerdings nicht bestätigen: Die Aufgaben seien für alle gleich. Ein Rad sei nicht außergewöhnlich schwer, zum Heben gebe es technische Hilfsmittel oder man helfe sich gegenseitig.

Zweite Chance 

Vivian Seuter ist heute überaus glücklich, bei Thomas Gallien eine Chance für die Ausbildung zur Zweiradmechatronikerin erhalten zu haben. Am Ende ihrer Schulzeit hatte ein Berufsberater der damals 16-Jährigen davon abgeraten, sich in einem männerdominierten Handwerksberuf zu bewerben.

Sie arbeitete deshalb viele Jahre als Zierpflanzengärtnerin und war zuletzt ausgesprochen unzufrieden mit ihrer Situation. "Die Arbeit mit den Blumen hat mich irgendwann gelangweilt", blickt sie auf diese für sie persönlich schwierige Phase zurück. So erinnerte sie sich wieder daran, eigentlich in einem technischen Handwerk arbeiten zu wollen. Ein Besuch in der Fahrradstadt Münster gab den Ausschlag dafür, sich genau an diesem Ort für eine Ausbildung zur Zweiradmechatronikerin zu bewerben. Dafür suchte sie Münsteraner Zweiradbetriebe persönlich auf. Einige hätten ihrer Anfrage offenkundig wegen ihres Geschlechts und ihres Alters ablehnend gegenübergestanden.

"Im Unternehmen Radwerk Thomas Gallien war das komplett anders", betont Vivian Seuter. "Hier erlebte ich gleich zu Anfang eine Offenheit für mich als Frau und eine Zuversicht in mein Können." Diese gute Atmosphäre spiegele sich nun tagtäglich bei ihrer Arbeit wider.

Selbstbewusstsein durch Wertschätzung

Der beinahe familiäre Kontakt im Team und das Vertrauen in ihre Person habe für sie dazu beigetragen, sich in ihrem Selbstbild zu verändern: "Ich bin wesentlich selbstbewusster geworden, weil ich hier wertgeschätzt werde." Sie traue es sich sogar mittlerweile zu, sich nach einer Meisterqualifikation womöglich selbstständig zu machen. Gallien lacht: "Da habe ich als Ausbilder dann wohl alles richtig gemacht."

Girls‘Day am 28. März:

Betriebe, die Schülerinnen am Berufsorientierungstag Girls´Day ("Mädchenzukunftstag") das Handwerk näherbringen möchten, können sich bei ihrer Handwerkskammer melden. Die HWK Münster zum Beispiel koordiniert auf Wunsch die Platzvergabe und unterstützt die Öffentlichkeitsarbeit der Betriebe.

Über zwei speziell für die Handwerksbetriebe und die Girls´Day-Teilnehmerinnen entwickelten Leitfäden sowie eine Beratung erhalten die Unternehmen und die Mädchen Tipps für einen erfolgreichen Schnuppertag im Handwerk, Tel.: 0251/ 705-1780 (Gisela Goos).

girls-day.de

hwk-muenster.de/girlsday 

 

 

Text: / handwerksblatt.de
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