Wer bei der PSA spart, spart an der falschen Stelle. Denn durch Flasche oder schlechte Schutzausrüstung können schnell hohe Kosten entstehen.

Wer bei der PSA spart, spart an der falschen Stelle. Denn durch Flasche oder schlechte Schutzausrüstung können schnell hohe Kosten entstehen. (Foto: © ndoeljindoel/123RF.com)

Beim Arbeitsschutz sparen kann ins Auge gehen

Wann zahlt der Arbeitgeber eine Arbeitsplatz-Brille? Wo Funken, Späne oder Splitter fliegen, sollten fehlsichtige Chefs und Arbeitnehmer auch im Handwerk über den Kauf einer Korrektionsschutzbrille nachdenken.

Das Brillenglas sieht aus wie nach einem Tag am Meer. Kleine Tropfen sind auf der ganzen Oberfläche verteilt. Nur wegreiben lassen sie sich einfach nicht, denn hier haben Metallspäne ihre Spuren hinterlassen. Die Einkerbungen im Glas sind winzig. Viel größer hätte der Schaden aber sein können, wenn das Auge von den herumfliegenden Spänen getroffen worden wäre. "Wir sind eine Nation von Heim- und Handwerkern, die viel Geld im Baumarkt ausgibt", stellt Augenoptikermeister Wolf-Dietrich Hentschel fest. Nur beim Wichtigsten – dem Arbeitsschutz – werde häufig gespart.

Dabei kann Arbeiten ohne Schutzbrille wortwörtlich ins Auge gehen. Das zeigt die Statistik der gewerblichen Berufsgenossenschaften. Im Jahr 2007 wurden ihnen zirka 36.000 Unfälle mit Augenverletzungen gemeldet. Seitdem gehen die Zahlen zwar kontinuierlich zurück. Doch selbst von den rund 24.000 Schäden, die den gesetzlichen Unfallversicherern im Jahr 2010 mitgeteilt worden sind, hätten wohl etliche durch das Tragen einer Schutzbrille vermieden werden können. "Das Bewusstsein für Arbeitsschutz müsste noch zunehmen", sagt Wolf-Dietrich Hentschel.

"Höherwertiger als eine Schutzbrille aus dem Baumarkt"

In Bünde – rund 20 Kilometer nördlich von Bielefeld gelegen – ist er damit auf einem guten Weg. Der Optikermeister geht auf die Betriebe der Region zu. Er ruft an, vereinbart mit den Sicherheitsbeauftragten einen persönlichen Termin, verschafft sich vor Ort einen Eindruck von den Gefahren am Arbeitsplatz, macht Sehtests mit den Beschäftigten, klärt über die Vorteile einer individuell angefertigten Arbeitsschutzbrille mit Sehstärke, eine sogenannte Korrektionsschutzbrille, auf. "Sie ist höherwertiger als eine Schutzbrille aus dem Baumarkt, nutzt nicht so schnell ab und ermöglicht optimales Sehen."

Die persönliche Schutzausrüstung (PSA) soll dabei helfen, das Unfallrisiko am Arbeitsplatz zu minimieren. "Im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung legen die Sicherheitsbeauftragten die Anforderungen an die PSA fest", erklärt Augenoptikermeister Marc Dittmar vom Brillenglasproduzenten Polycore Optical Europe. Metallspäne, Hitze, Dämpfe, Elektrizität, Flüssigkeitsspritzer oder UV-Strahlung – dies alles kann das Augenlicht schädigen und wird beim Anfertigen einer Korrektionsschutzbrille berücksichtigt. So wird etwa bei den Gläsern und Fassungen zwischen zwei unterschiedlichen mechanischen Festigkeiten der Materialien unterschieden. "Außerdem graviert der Hersteller in jedes Brillenglas eine Zertifizierungsnummer, an der man erkennen kann, was man mit der Brille machen kann und darf", erläutert Wolf-Dietrich Hentschel, der seine Aufträge aus dem Arbeitsschutz überwiegend von Polycore Optical anfertigen lässt.

Korrektionsschutzbrille als Werbungskosten steuerlich absetzen

Korrektionsschutzbrillen müssen nicht teuer sein. Je nach Ausführung bewegt sich der Preis zwischen 100 Euro für Einstärkenbrillen bis zu etwa 280 Euro für Arbeitsschutzbrillen mit Gleitsichtgläsern, so Augenoptikermeister Marc Dittmar. Wenn Arbeitnehmer eine persönliche Schutzausrüstung brauchen, muss sich der Chef finanziell daran beteiligen, betont die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV). Im Falle einer Korrektionsschutzbrille brauche er aber nur die Kosten für den Schutzanteil zu tragen. "Selbst getragene Kosten einer Korrektionsschutzbrille kann der Arbeitnehmer allerdings über den Posten Werbungskosten steuerlich geltend machen", empfiehlt DGUV-Sprecher Stefan Boltz.Unter Umständen rechnet es sich aber doch, wenn der Arbeitgeber die Korrektionsschutzbrille komplett bezahlt. Denn laut einer finnischen Studie, auf die sich die DGUV beruft, werden sie sechsmal länger getragen als normale Schutzbrillen.

Baumarktbrille über Brille versus Korrektions- und Schutzbrille in einem: Wolf-Dietrich Hentschel hat bei seinen Kunden, die einem auf ihre Bedürfnisse angefertigten Modell vertrauen, einen "deutlichen Aha-Effekt" ausgemacht. Seit anderthalb Jahren ist der Arbeitsschutz im Portfolio des Optikermeisters ein "ernst zu nehmendes Geschäftsfeld", dem er "großes Marktpotenzial" bescheinigt. Hentschel freut sich besonders, wenn Kunden, die er in einem Unternehmen ausführlich beraten hat, anschließend auch privat ihre Brille bei ihm kaufen. "Der Arbeitsschutz gehört in qualifizierte Hände und darf nicht den Baumärkten überlassen werden", ist er überzeugt. Schließlich sei der Augenoptiker ein Beruf, in dem die Meisterpräsenz ihre Berechtigung habe.

Text: / handwerksblatt.de