Andreas Meyer hat einen Schuh entwickelt, mit dem man Solardächer sicher betreten kann, ohne sie zu beschädigen. Dafür wurde der Pfälzer mit dem "Bundespreis für hervorragende innovatorische Leistungen im Handwerk" ausgezeichnet.
Andreas Meyer aus Rockenhausen in der Pfalz hat im Laufe seiner Karriere zahlreiche Speziallösungen hervorgebracht – von der weltweit schnellsten Kameraschiene für die Filmbranche bis hin zu einer Einstiegshilfe für Hunde in Fahrzeuge. Das jüngste Projekt des Werkzeugmachers und Maschinenbautechnikers: ein System, das das sichere Begehen von Photovoltaikmodulen ermöglicht – der Solarschuh Solarco.shoe.
Wer seine Werkstatt betritt, versteht schnell, wie seine Ideen Form annehmen: Metallbearbeitungsmaschinen, CNC-Technologie, Laserschneidanlagen und additive Fertigung stehen dort in enger Nachbarschaft bereit. In dieser Umgebung investierte der heute 67‑Jährige fünf Jahre Entwicklungsarbeit in den Solarschuh.
Der Solarschuh wurde im Handwerk und für das Handwerk entwickelt. "Er bietet Monteuren sicheren Stand, selbst auf steilen Dachflächen, und er ermöglicht Montage, Wartung und Reinigung von PV-Anlagen, ohne deren empfindliche Module zu beschädigen. Die integrierte, individuell einstellbare Neigungskompensation bis 18 Grad reduziert zudem die Belastung von Gelenken und Bändern spürbar", beschreibt Andreas Meyer seine Innovation. Optisch erinnert das System an ein Snowboard. Der Nutzer klinkt seinen eigenen Sicherheitsschuh in eine modulare Bindung ein, "was eine flexible Mehrfachnutzung innerhalb von Montageteams erlaubt". Eine speziell entwickelte Noppenstruktur auf der Unterseite sorge für Rutschhemmung, während die vergrößerte Auflagefläche die Last gleichmäßig verteile. "Das ist ein entscheidender Faktor, um Mikrorisse in PV-Modulen zuverlässig zu vermeiden."
Seinen Weg in die Photovoltaik fand Andreas Meyer 2019 durch eine Anfrage aus dem Familienkreis: Ein Angehöriger aus der Solarreinigung suchte eine schonende Möglichkeit, Module zu betreten. Aus einem frühen Prototyp entstand durch mehrjährige Entwicklungsarbeit schließlich ein ausgereiftes Produkt. Prüfprozesse beim Fraunhofer-Institut und Validierungen des TÜV Rheinland in den Jahren 2022 und 2023 bestätigten Rutschfestigkeit und Materialschonung. Heute ist der Schuh international patentrechtlich geschützt.
Da Meyer seine Ressourcen zunächst auf die technische Entwicklung konzentrierte, spielte Marketing eine untergeordnete Rolle. "Sichtbarkeit erhielt das Projekt vor allem durch Fachmessen, persönliche Austauschformate und Netzwerke", berichtet der Unternehmer. Den größten Schub brachte schließlich die Auszeichnung auf der IHM. "Die Anfragen aus dem Markt sind sprunghaft angestiegen", betont Meyer.
Unterstützt wird der Unternehmer vom Berater für Innovation und Technologie (BIT) der Handwerkskammer der Pfalz, Benjamin Hilmer, der ihn auch bei weiteren Projekten begleitet. Dazu zählt die geplante Markteinführung des "LoungeTable". Dabei handelt es sich um ein schwebendes Möbelkonzept mit seilbasierten Sitzelementen. Parallel arbeitet Andreas Meyer gemeinsam mit Dachdeckermeister Udo Heyl, Inhaber der C. Voegeli GmbH aus Kaiserslautern, an der Weiterentwicklung der Leiterkopfsicherung "LeiKoSi", die durch das TV-Format "Die Höhle der Löwen" bekannt wurde.
"Wir als Handwerkskammer begleiten Erfinder umfassend – von der ersten Idee über die Prototypenentwicklung und die Patentanmeldung bis hin zur strategischen Ausrichtung und Vermarktung", sagt Hilmer. Die technische Unternehmensberatung ist ein flächendeckendes Angebot der Handwerkskammern.
Vor rund vier Jahrzehnten begann Meyer seine Laufbahn in der Filmbranche. Seine Kamerasysteme wurden zum internationalen Standard. Eingesetzt wurden sie bei Filmproduktionen, Modenschauen und sportlichen Großereignissen wie den Olympischen Spielen. Über ein Jahrzehnt war er weltweit im Einsatz, unter anderem in Paris, Amsterdam, Los Angeles, Las Vegas und Tokio. "Ich führte zeitweise ein Unternehmen mit bis zu 100 Mitarbeitenden."
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Nach der Aufgabe seiner Firma 2004 und einer Zwischenstation bei der Dekra-Akademie kehrte er zurück zu seiner Kernkompetenz: praxistaugliche technische Lösungen zu entwickeln, die Arbeitsprozesse sicherer und effizienter machen. Zu seinen Auftraggebern zählt unter anderem die Berufsfeuerwehr. "Ausdauer, analytisches Denken und tiefes technisches Verständnis – diese Kombination hat meine berufliche Entwicklung geprägt", sagt der Pfälzer über sich selbst. Und sein Ideenreichtum sei ungebremst, betont Meyer: "Weitere Konzepte liegen in der Werkstatt bereit und warten nur darauf, Gestalt anzunehmen."
Bundes- und Staatspreise Die Bundesinnovationspreise für hervorragende innovatorische Leistungen für das Handwerk werden seit 1989 vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie verliehen.
Der Bayerische Staatspreis wird seit 1952 für exzellente gestalterische und technische Leistungen verliehen. 2026 gingen die Staatspreise und je 5.000 Euro an insgesamt 21 Aussteller: 14 im Bereich Gestaltung und sieben im Bereich Technik. Beim Bundesinnovationspreis gab es zehn Gewinner.
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