Jährlich bekommen rund 27.000 selbstständig erwerbstätige Frauen in Deutschland ein Kind.

Jährlich bekommen rund 27.000 selbstständig erwerbstätige Frauen in Deutschland ein Kind. (Foto: © Dmytro/123RF.com)

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Selbstständig, schwanger, abgesichert

In Berlin diskutierten Vertreter aus Politik, Handwerk und Gesellschaft über Möglichkeiten, den Mutterschutz von selbstständigen Frauen zu verbessern.

Mutterschutz 2.0 – selbstständig, schwanger, abgesichert. Das war das Motto einer vom nordrhein-westfälischen Wirtschaftsministerium organisierten Veranstaltung in Berlin. Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft kamen dort zusammen, um über konkrete Umsetzungswege zu beraten.

In Deutschland gibt es für selbstständige Frauen bisher keinen verlässlichen gesetzlichen Mutterschutz. Das Land Nordrhein- Westfalen hatte bereits im 2024 eine Initiative zu diesem Thema in den Bundesrat eingebracht, die dort eine Mehrheit fand.

Machbarkeitsstudie des WHKT

Parallel dazu fördert das Wirtschaftsministerium eine Machbarkeitsstudie des Westdeutschen Handwerkskammertags (WHKT). Damit stellt der WHKT Vorschläge für eine bürokratiearme Unterstützung für schwangere Unternehmerinnen vor. Im Mittelpunkt steht dabei eine einmalige, pauschale Lohnersatzleistung während der Mutterschutzfrist. Die ausführlichen Ergebnisse der Untersuchung sollen im Juli vorgestellt werden.

"Mit dem Modell eines flexiblen Mutterschaftsausgleichs für Selbstständige bringen wir einen konkreten Lösungsvorschlag in die politische Diskussion zur Absicherung von selbstständigen Frauen während der Schwanger- und Mutterschaft ein, erklärte WHKT-Hauptgeschäftsführer Dr. Florian Hartmann.

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Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessern

Selbstständige Frauen könnten während der Mutterschutzfristen durch einen pauschalen finanziellen Ausgleich bei der Abdeckung laufender Kosten sowie bei Verdienstausfällen unterstützt werden. Die Leistungen könnten je nach Bedarf auch erweitert werden. "Frauen sollen sich nicht zwischen ihrer Selbstständigkeit und ihrer Familienplanung entscheiden und eine davon zugunsten der anderen zurückstellen müssen."

Nach Angaben des Ministeriums bekommen jährlich rund 27.000 selbstständig erwerbstätige Frauen in Deutschland ein Kind. Für sie gebe es nicht den Schutz, den angestellte Frauen bekommen. Bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf stünden sie deshalb vor besonderen Herausforderungen. NRW will mit der Veranstaltung auf die Situation von selbstständigen Frauen aufmerksam machen.

NRW fordert zeitgemäßen Mutterschutz

"Unnötiger Druck und finanzielle Nachteile rund um Schwangerschaft und Geburt müssen ausgeglichen werden und zeitgemäßer Mutterschutz für Selbstständige muss gesetzlich verankert werden", so die Forderung des Ministeriums.

"Frauen machen die Hälfte der Gesellschaft aus – aber beim Mutterschutz werden selbstständige Frauen bis heute behandelt, als wären sie eine Randgruppe. Das ist nicht nur ungerecht, es ist ökonomisch zu kurz gedacht", betonte NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne). Schwangerschaft dürfe kein Berufsrisiko sein. Sie forderte die Bundesregierung auf, dieses Thema aufzugreifen.

Verlässliche Strukturen schaffen

"Dass Nordrhein-Westfalen das Thema jetzt so deutlich aufgreift, ist ein wichtiges Signal", betonte Johanna Röh, Vorsitzende des Vereins "Mutterschutz für Alle!" Für viele selbstständige Frauen sei eine Schwangerschaft noch ein kaum kalkulierbares finanzielles Risiko. "Wer langfristig mehr Frauen für die Selbstständigkeit gewinnen und halten will – gerade mit Blick auf Unternehmensnachfolge und den Fachkräftemangel – muss verlässliche Strukturen bei der Vereinbarkeit schaffen."

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Text: / handwerksblatt.de

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