Der Creditreform Geschäftsklimaindex (CGK) basiert auf den Antworten von rund 1.100 kleinen und mittleren Unternehmen und ist im Herbst 2020 auf den niedrigsten Stand seit der weltweiten Finanzkrise 2009 gefallen.

Der Creditreform Geschäftsklimaindex basiert auf den Antworten von rund 1.100 kleinen und mittleren Unternehmen und ist im Herbst 2020 auf den niedrigsten Stand seit der weltweiten Finanzkrise 2009 gefallen. (Foto: © Creditreform)

Mittelstand: Konjunktur bricht massiv ein

Betriebsführung

Der Mittelstand hat infolge der Corona-Pandemie einen beispiellosen Konjunktureinbruch erlitten. Der Creditreform Geschäftsklimaindex sank auf den niedrigsten Stand seit der Finanzkrise 2009. Doch es gibt auch Lichtblicke.

Die deutsche Wirtschaft hat infolge der Corona-Pandemie einen beispiellosen Konjunktureinbruch erlitten. Das meldet die Wirtschaftsauskunftei Creditreform. Der Creditreform Geschäftsklimaindex ist im Herbst 2020 auf den niedrigsten Stand seit der weltweiten Finanzkrise 2009 gefallen.

Gegenüber dem Vorjahr fiel der Indikator von plus 17,1 auf minus 5,7 Punkte. Besonders negativ wurde die Geschäftslage bewertet (minus 10,3 Punkte). Die Geschäftserwartungen im Mittelstand sind laut Creditreform erstmals seit Herbst 2009 überwiegend pessimistisch (minus 1,1 Punkte).

"Eine unübersichtliche Zeit"

"Unsere Erhebung aus dem September fällt in eine unübersichtliche Zeit", sagt Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung. "Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen ist mitten in der größten Krise stark rückläufig, der Arbeitsmarkt weitgehend stabil und die Finanzierungssituation der Betriebe noch immer positiv", so Hantzsch weiter.

Die angesichts der Rezession scheinbar entspannte Situation sei die Folge fiskalpolitischer, geldpolitischer und regulatorischer Maßnahmen, die massiv auf die Wirtschaft einwirken würden. 

Beispiele:

  • Die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht,
  • das Kurzarbeitergeld,
  • die staatlichen Hilfskredite und
  • Überbrückungshilfen sowie
  • umfangreiche Garantien für Unternehmen.

Große Unterschiede gebe es innerhalb von Branchen. Immer abhängig vom Geschäftsmodell und Kundensegment.  

Auftrags- und Umsatzeinbußen

Umsatzentwicklung Foto: © CreditreformUmsatzentwicklung Foto: © Creditreform

Trotz allmählich anziehender Konjunkturwerte würden die Mittelständler Auftrags- und Umsatzeinbußen erleiden. 37,1 Prozent der Befragten meldeten ein Minus bei den Auftragseingängen und 35,8 Prozent der Unternehmen haben weniger Umsatz als im Frühjahr (Vorjahr: 14,3 Prozent).

25,6 Prozent der Betriebe steigerten allerdings bereits wieder ihren Umsatz (Vorjahr: 35,2 Prozent).

Erheblich betroffen von den Corona-Folgen ist das Verarbeitende Gewerbe, wo 48,6 Prozent der Befragten Umsatzeinbußen erlitten hat.

Kein Beschäftigungszuwachs

Erstmals seit dem Jahr 2009 dürfte es im Mittelstand keinen Beschäftigungszuwachs gegeben haben, berichtet Creditreform. Bei 17,8 Prozent der Unternehmen sei die Zahl der Beschäftigten gesunken und niedriger als im Frühjahr. Überwiegend haben die Unternehmen (65,1 Prozent) die Belegschaft aber konstant halten können. Auch eine Folge des Kurzarbeitergeldes.

Wie geht es weiter?

Einen kräftigen Aufschwung sehen die Unternehmen nicht. 23,1 Prozent der Befragten erwarten sogar sinkende Auftragseingänge (Vorjahr: 12,8 Prozent) und jeder vierte Befragte (25,1 Prozent) rechnet mit weiteren Umsatzeinbußen (Vorjahr: 12,4 Prozent).

Das gilt besonders für das Verarbeitende Gewerbe und den Handel. Nur 22,6 Prozent aller Befragten rechnen für das kommende Halbjahr mit steigenden Umsätzen.

Die Investitionsbereitschaft ist angesichts der derzeit schlechten Konjunktur und der unsicheren Corona-Infektionslage eingebrochen. Erstmals seit 2014 rutschte der Anteil der Investitionswilligen unter die 50-Prozent-Marke. Nur noch 45,5 Prozent der Befragten wollen im nächsten halben Jahr investieren (Vorjahr: 51,4 Prozent).

Personalplanung: Licht und Schatten

17,4 Prozent der Befragten wollen wieder mehr Mitarbeiter einstellen (Vorjahr: 22,5 Prozent), aber jeder zehnte Befragte (10,2 Prozent) plant einen Personalabbau.

In erster Linie ging es auch den Mittelständlern in den vergangenen Monaten darum, die Unternehmensfinanzierung sicherzustellen und nicht zahlungsunfähig zu werden. Die Unternehmen hatten aufgrund der Corona-Krise erhebliche Ertragsrückgänge zu verzeichnen. 37,4 Prozent der Befragten berichteten von Gewinneinbußen (Vorjahr: 16,7 Prozent).

Eigene Kapitalrücklagen federn (noch) Einbußen ab

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Etwa ein Drittel der Unternehmen (33,0 Prozent) verfügt über eine Eigenkapitalquote von mehr als 30 Prozent. Das ist laut Creditreform ein ähnlicher Wert wie vor einem Jahr (33,6 Prozent). "Das hält den Mittelstand bisher vergleichsweise stabil", sagt Patrik-Ludwig Hantzsch.

Der Anteil der eigenkapitalschwachen Unternehmen war mit 27,3 Prozent sogar etwas niedriger als im Vorjahr (29,3 Prozent).

"Doch bei einer längeren Durststrecke und einer dauerhaften Inanspruchnahme staatlicher Hilfen dürften die Eigenkapitalquoten sinken", so der Volkswirt.

Bislang zeige nur das Dienstleistungsgewerbe eine erkennbare Verschlechterung. Bedenklich sei zudem, dass die Unternehmen von ersten Negativtendenzen beim Zahlungsverhalten der Kunden berichten. So ist eine Zunahme der Zahlungseingänge jenseits der 30-Tage-Marke festzustellen.

Überbrückungsgeld zu bürokratisch

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Der Mittelstand hat vorrangig die Soforthilfe für kleine und mittlere Firmen zur Überbrückung von akuten Liquiditätsengpässen (27,1 Prozent) und das Instrument der Kurzarbeit (33,7 Prozent der Befragten) genutzt.

Im Verarbeitenden Gewerbe habe fast die Hälfte der befragten Unternehmen Kurzarbeit beantragt (47,2 Prozent).

Beim Überbrückungsgeld wurde  vor allem der Antragsprozess als zu bürokratisch bewertet. Insgesamt hat gut die Hälfte der Befragten Unterstützungsmaßnahmen in Anspruch genommen. Im Baugewerbe war der Anteil am geringsten.

Trotz der milliardenschweren staatlichen Hilfspakete zur Stabilisierung der Wirtschaft sehen sich viele Unternehmen derzeit in der Krise (11,9 Prozent der Befragten). Gegenüber dem Frühjahr 2020 (7,4 Prozent) sei dieser Prozentanteil nochmals deutlich gestiegen, so die Creditreform-Umfrage. Besonders krisengeschüttelt ist das Verarbeitende Gewerbe.

Quelle: Creditreform

Text: / handwerksblatt.de

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