Die Gesundheit der Menschen steht immer im Vordergrund (Alwin Sperling, Geschäftsführer der Gebäudetechnik GmbH).

Die Gesundheit der Menschen steht immer im Vordergrund (Alwin Sperling, Geschäftsführer der Gebäudetechnik GmbH). (Foto: © Stefan Sämmer)

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Die Trinkwasserhygiene ist mein Steckenpferd

Betriebsführung

Ein Handwerker aus Rheinhessen bringt sein eigenes Mittel zur Bekämpfung von Legionellen auf den Markt. Davon, dass sein Produkt Vorteile gegenüber traditionellen Methoden der Trinkwasserdesinfektion bietet, ist Alwin Sperling überzeugt.

Vor 35 Jahren hat Alwin Sperling seinen Betrieb mit Sitz im idyllischen Dromersheim gegründet. "Die Trinkwasserhygiene ist seit Jahrzehnten mein Steckenpferd", sagt der Inhaber der Alwin Sperling Gebäudetechnik GmbH über sich selbst.

Eine der großen Herausforderungen in seiner Branche ist die nachhaltige Bekämpfung von Legionellen in älteren Häusern und großen Gebäudekomplexen. Unzufrieden mit den etablierten Methoden zur Desinfektion von Trinkwasserkreisläufen, hat er sich vor ein paar Jahren selbst auf die Suche nach einer Lösung für das Problem gemacht. Inzwischen hat er ein eigenes Mittel auf den Markt gebracht, das – davon ist Alwin Sperling überzeugt – erhebliche Vorteile gegenüber den traditionellen Methoden biete.

Thermische Desinfektion oft nicht umsetzbar

Im Verhältnis 1:1000 wird Alwin Sperlings Mittel dem Trink­wasserkreislauf zur Desinfektion beigemischt. Foto: © Stefan SämmerIm Verhältnis 1:1000 wird Alwin Sperlings Mittel dem Trink­wasserkreislauf zur Desinfektion beigemischt. Foto: © Stefan Sämmer

Die Trinkwasserverordnung sehe bei einem Legionellenbefall zum Beispiel die sogenannte thermische Desinfektion vor, erklärt Sperling, der auf über 20 Jahre als vereidigter Sachverständiger für den SHK-Bereich bei der Handwerkskammer Rheinhessen zurückblicken kann. Für die thermische Desinfektion werde der Warmwasserkreislauf auf 70 Grad Celsius erhitzt und an jeder Zapfstelle werde drei Minuten lang das heiße Wasser entnommen.

Aus Alwin Sperlings Sicht hat diese Methode allerdings einige gravierende Nachteile. Zum einen sollte sie nicht im normalen Betrieb eingesetzt werden, weil das Warmwasser wegen der Gefahr einer Verbrühung eine Maximaltemperatur von 60 Grad nicht übersteigen dürfe. Zum anderen sei oft nicht nur der Warmwasserkreislauf betroffen. Auch an wärmeren Stellen im Kaltwasserkreislauf könnten sich Legionellen einnisten. Werde der Kaltwasserkreislauf nicht mitdesinfiziert, verbreiteten sich dort ansässige Befälle über kurz oder lang wieder auf das gesamte System. Das größte Manko der thermischen Desinfektion sei aber, so Sperling, dass sie oft nicht wirklich umsetzbar sei. Man könne in einem großen Gebäude den gesamten Trinkwasserkreislauf nicht einfach auf 70 Grad erhitzen. "Das hat nie wirklich funktioniert", sagt Sperling.

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Alle Vorgaben werden erfüllt

Sperlings Lösung ist das Mittel Baxero AS, das er seit einiger Zeit selbst verwendet und exklusiv vertreibt. Das Biozid zur Desinfektion von Trink- und Nutzwasser sei von seinem Geschäftspartner Volker Scheu, Geschäftsführer der Wormser Hydrobiomed GmbH & Co. KG, entwickelt worden, berichtet Sperling. Hydrobiomed habe selbst ähnliche Produkte im Angebot, die zur Desinfektion großer Wassermassen in Schwimmbädern, in der Fischzucht und in der Landwirtschaft eingesetzt werden. Alwin Sperlings AS-Variante sei spezifisch für die Desinfektion von Trinkwasserkreisläufen entwickelt worden.

"Mein Mittel", wie Alwin Sperling es selbst liebevoll immer wieder nennt, wird im Verhältnis 1:1000 in den Trinkwasserkreislauf eingebracht und könne selbst in Wohnanlagen und Krankenhäusern bei normalem Betrieb solange verwendet werden, bis die Infektion vollständig beseitigt ist. Es bringe die Hülle der Legionellen zum Platzen und töte sie dadurch ab. Auch der Biofilm in den Rohren, in denen sich Nester der Bakterien bilden, werde dabei entfernt. "Alle Legionellen, Pseudomonaden und Kolibakterien bekomme ich damit weg!" Einzige Bedingung: Das Wasser muss wie bei herkömmlichen Methoden auch an jeder Stelle im System in Bewegung sein: "Wo mein Mittel nicht hinkommt, kann es auch nicht wirken."

Gesundheit des Menschen steht im Vordergrund

"Die Gesundheit der Menschen steht immer im Vordergrund", betont Alwin Sperling. Baxero AS erfülle daher alle Vorgaben der Trinkwasserverordnung. "Es wird nie ein Parameter überschritten", betont Sperling nicht ohne Stolz und fügt hinzu: "Mein Mittel kann man in den Mund nehmen, kann es in die Augen spritzen. Da passiert nichts." Er selbst habe das Mittel bereits bei cirka 30 Projekten eingesetzt. Zu seinen Kunden zählten Pflegeheime, Hotels, öffentliche Einrichtungen, große Unternehmen und Firmen der chemischen Industrie mit ihren ganz eigenen Anforderungen. Selbst an einer technischen Hochschule mit 30.000 Studenten habe er bereits gearbeitet, berichtet Sperling.

Stand der Technik

Eine Schlacht ist für Alwin Sperling aber noch nicht geschlagen. Die Hauptursache für wiederholten Legionellenbefall seien alte, verkrustete Rohrsysteme. Hier finden die Bakterien Ecken, in denen sie sich ansiedeln und Nester bilden, um dann bei einem plötzlichen Strömungswechsel wieder ins Dusch- und Trinkwasser zu gelangen. Eigentlich, weiß der langjährige Sachverständige Alwin Sperling, müsse man in solchen Fällen das gesamte Leitungssystem sanieren. Aber bei vielen Gebäuden gebe es dabei logistische, finanzielle und bürokratische Hürden, die dafür sorgten, dass bis zu einer Sanierung gerne einmal zehn Jahre und mehr ins Land ziehen.

Für Alwin Sperling ist die Lösung klar. Da sein Mittel nicht toxisch sei und keine Gefahrstoffe enthalte, könne man es in der Zeit bis zur Sanierung dauerhaft im Trinkwasserkreislauf eines Gebäudes einsetzen. Einen Dauereinsatz lasse die Trinkwasserverordnung im Moment noch nicht zu, erklärt er. Das liege aber daran, dass die Trinkwasserverordnung aus Sperlings Sicht nicht mehr auf dem Stand der Technik sei. Sie sei mit harten Chemikalien im Hinterkopf geschrieben worden. An ein nicht toxisches Mittel ohne Gefahrstoffe sei damals einfach nicht gedacht worden. Sperling hofft nun auf eine entsprechende Anpassung der Verordnung. Dafür, fürchtet er, müssten aber erst mehr SHK-Betriebe ein Interesse am Einsatz seines Mittels haben.

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Text: / handwerksblatt.de

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