Harald Moll, Werner ­Haypeter und Norbert Moll in der Werkstatt

Harald Moll, Werner ­Haypeter und Norbert Moll
in der Werkstatt. (Foto: © DHB)

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Einzigartige Symbiose: Metallbau trifft Kunst bei Moll

Betriebsführung

Der Metallbau-Betrieb Moll arbeitet eng mit dem Künstler Werner Haypeter zusammen. Was sie bei ihrer Arbeit verbindet, ist die Liebe zur Präzision.

Wer das idyllisch gelegene Werksgelände des Metallbaubetriebs Moll besucht, dem fallen schon bald großformatige Kunstwerke auf, die sich in die Werkstatttatmosphäre wie selbstverständlich einfügen. Zu verdanken ist dieser Umstand einer Begegnung zwischen dem Bonner Künstler Werner Haypeter und den Brüdern Norbert und Harald Moll, die 25 Jahre zurückliegt.

Künstlerische Zusammenarbeit im Metallbau begann zufällig

"Die Begegnung war ein glücklicher Zufall für mich", sagt Werner Haypeter, den eine erforderliche Reparatur an einem Gartentor in den Metallbaubetrieb führte. Zwei Wochen nach der Reparatur suchte Haypeter den Betrieb erneut auf – diesmal in seiner Eigenschaft als Künstler, um nachzufragen, ob Norbert Moll für ihn etwas schweißen könne. Dieser tat es, und mit der Zeit stimmten sich die beiden aufeinander ein und freundeten sich an.

 "Ich habe mich auch privat schon immer für Kunst interessiert", sagt Norbert Moll. "So stehen beispielsweise in Bilbao im Guggenheim-Museum Werke aus Stahl, die mich fasziniert haben. Danach habe ich erstmal im Internet recherchiert, wie das Ganze gemacht wurde".

Präzision und Handwerk: Haypeters Kunst in Aktion

Werner Haypeter DIALOG 2025 11 Hohlzylinder_7 Zylinder Stahl, Kunststoff 100,3 x 80,3 x 11,4 cm / variable Größe. Foto: Foto: Werner Haypeter © VG Bild-Kunst, Bonn 2025Werner Haypeter DIALOG 2025 11 Hohlzylinder_7 Zylinder Stahl, Kunststoff 100,3 x 80,3 x 11,4 cm / variable Größe. Foto: Foto: Werner Haypeter © VG Bild-Kunst, Bonn 2025

Zusammen fuchsen sie aus, wie eine Idee Haypeters technisch am besten umzusetzen ist. Gemeinsames Fundament ist die Liebe zur Präzision, zu mathematischen Gedankenspielen und einem Gespür für das Material, die die Kunst von Werner Haypeter auszeichnet.

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"Auch wenn es bei Norberts Arbeit häufig um Zweckgebundenes und bei mir um die Kunst geht, haben wir großen Respekt voreinander", sagt Haypeter, der sich inzwischen wie selbstverständlich auf dem Betriebsgelände bewegt und das Schweißen erlernt hat.

Erkundung des Materials

Werner Haypeter liebt die tiefgehende Beschäftigung mit den Materialien, die er für seine Kunstwerke nutzt, er taucht in Produktionsprozesse ein, sucht den Austausch mit den Handwerkern und Mitarbeitern. Ob Papier als Material seiner früheren Arbeiten, die er im direkten Umfeld eines Verlagshauses und Druckereibetriebs erstellte, Kunststoff als Basis seiner großformatigen Objekte, an denen er bei MC-Bauchemie arbeitete, oder Metall bei seinen jüngsten Werken: Haypeter erkundet die Dinge gründlich, denen er sich in seinen Arbeiten widmet. Und er fragt nach bei denen, die täglich mit dem Werkstoff arbeiten. Neben dem fachlichen Austausch ist ihm vor allem das soziale Miteinander wichtig.

Charakteristisch für sein Werk ist neben der Auseinandersetzung mit dem Material auch das Spiel mit der Mathematik und dem Verhältnis der Dinge zueinander. Die Arbeiten wirken streng, geordnet und akribisch und vermitteln eine spürbare Harmonie, die keineswegs dem Zufall entspringt. Wie etwa bei dem luzid anmutenden großen Kreis in der Mitte eines Quadrats, das auf der Fläche eine Vielzahl sauber angeordneter kleiner Kreise beherbergt. "Die Summe der kleinen Kreise ergibt zusammen den großen", führt Werner Haypeter aus.

Ähnlich verhält es sich bei seiner Arbeit mit drei übereinander angeordneten Kunststoffelementen, die sich aus insgesamt 18 Zylindern zusammensetzen und im Querverlauf jeweils unterschiedliche Anordnungen optischer Unterbrechungen zeigen. Auch diese sind nicht zufällig gewählt, sondern folgen einem mathematischen Prinzip, ebenso wie die gebogenen Metallaufhängungen, an denen sie befestigt sind. Diese sind genau so lang, wie es dem Außendurchmesser der Rohre entspricht.

Die Schönheit der Werke ­jenseits des Berechenbaren

Alle Arbeiten haben ein Rätsel, das den Reiz zum Hinschauen ausmacht, Korrespondenzen, die nicht aufgelöst, aber irgendwo hinten im Auge oder im Hirn schlummernd gesehen werden.

"Norbert entwickelt sehr schnell ein Verständnis dafür, wohin ich mit meiner Arbeit will", sagt Werner Haypeter. Das sei nicht immer einfach, da die Schönheit, das Wesen der Werke jenseits des Berechenbaren liege. "Während Werner in unserem Betrieb seine Kunst entwickelt, ist das ein besonderes gemeinsames Erleben, wir beobachten unser Tun völlig anders. Es ist das sehende Denken, und dieser Prozess macht ungemein Freude", so Moll.

Werner HaypeterWerner Haypeter, geboren 1955 in Helmstedt, war Meisterschüler bei Prof. Erwin Heerich an der Kunstakademie Düsseldorf. Seine Werke umfassen Papierarbeiten, Wandobjekte und raumbezogene Installationen, in denen er bevorzugt mit industriellen Materialien wie PVC, Harz und Plexiglas arbeitet.

Seit 1985 stellt Werner Haypeter regelmäßig in Kunstvereinen, Museen und Galerien aus. Seine Werke sind in renommierten Sammlungen vertreten, darunter das MoMA New York, die Pinakothek der Moderne München und das ZKM Karlsruhe. 2020 wurde er mit der August-Macke-Medaille der Stadt Bonn ausgezeichnet. Werner Haypeter lebt und arbeitet in Düsseldorf und Bonn.
haypeter.de
instagram.com/werner.haypeter
Metallbau Moll Familienbetrieb seit 57 Jahren
Inhaber: Norbert und Harald Moll

Fertigt klassische Metallbauarbeiten für Einfamilienhäuser sowie Auftragsarbeiten zur Stadtgestaltung an und arbeitet mit verschiedenen Architekturbüros ­zusammen.
metallbau-moll.de

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Text: / handwerksblatt.de

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