Foto: © Jürgen Brech
HWK Trier | September 2026
Gemeinsam besser aufgestellt
Das Junghandwerk Trier feiert Gemeinschaft, Wachstum und das 20-jährige Engagement seines Geschäftsführers Christian Neuenfeldt.
Das Thema Arbeitgeberattraktivität und Fachkräftesicherung beschäftigt alle Gewerke im Handwerk, das wurde beim Seminar in der HwK Koblenz deutlich. (Foto: © Jörg Diester / HwK Koblenz)
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September 2026
Was müssen Handwerksbetriebe heute wirklich tun, damit gute Leute nicht nur kommen – sondern bleiben? Das Projekt "Handwerk attraktiv RLP" zeigt Strategien für loyale Mitarbeiter und einen zukunftsfesten Betrieb.
Fachkräfte müssen heute nicht mehr aktiv suchen, um neue Jobangebote zu erhalten. Über Social Media erreichen Recruiting-Portale gezielt Beschäftigte, die zwar nicht offen wechseln wollen, aber mit ihrem Arbeitgeber latent unzufrieden sind. Für Handwerksbetriebe wird deshalb eine Frage immer wichtiger: Warum sollten gute Leute bleiben, wie bleibe ich als Arbeitgeber attraktiv? Denn Gehalt alleine reicht heute nicht mehr.
Anspruchsvolle Kunden, Auftragsdruck, eine wachsende Bürokratie und die permanente Sorge, genug Gesellen und Meister zu haben, belasten die Inhaber und Geschäftsführer. Oft überträgt sich das auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die wiederum ganz andere Sorgen haben. Zum Beispiel die Vereinbarkeit von Job und Familie oder Job und Sport, Hobby etc..
Es gibt aber erprobte Strategien, Fachkräfte zu engagierten und loyalen Mitarbeitern zu machen. Diesen Strategien widmet sich aktuell das Projekt "Handwerk attraktiv" in Rheinland-Pfalz, gefördert durch das rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerium.
In Live-Events, Tages-Workshops in Präsenz und die digitalen Halbtages-Workshops dreht sich diesen Herbst alles um das Thema "Arbeitgeberattraktivität". Koordiniert wird das Projekt von Claudia Maisner von der Handwerkskammer Koblenz.
In den Räumlichkeiten der HwK Koblenz stellte kürzlich Kommunikationstrainer Stefan Grassmann von Simonis ServiceKultur© die wichtigsten acht Potenzialfelder für Unternehmen vor, die darüber entscheiden, ob ein Handwerksunternehmen zukunftsfähig ist. Umberta Andrea Simonis ist vielen bekannt als Knigge-Frau des Handwerks und bietet seit 30 Jahren mit ihren Partnern Trainings und Webseminare für Handwerker an.
👉🏻 Mehr Termine vom Projekt "Handwerk attraktiv" finden Sie hier
Wie wichtig das Thema ist, zeigt der "Gallup Engagement Index 2025". Demnach bleibt die emotionale Mitarbeiterbindung in Deutschland auf historisch niedrigem Niveau – nur jeder zehnte Beschäftigte ist emotional hoch gebunden. 77 Prozent sind emotional nicht eng gebunden, machen also Dienst nach Vorschrift. 13 Prozent haben innerlich gekündigt. Nur jeder Zehnte ist emotional eng gebunden und würden alles für die Firma tun.
"Ziel ist es also, mehr Mitarbeiter eng an den Betrieb zu binden", sagt Stefan Grassmann, der als gelernter Zimmerer und früherer Inhaber einer Bodenlegerfirma das Handwerk auch von innen kennt. Ein jährlicher Betriebsausflug nach Mallorca oder ein Auto von der Firma seien nett, aber für die Mitarbeiterbindung und ein gutes Betriebsklima nicht ausreichend, betont der Experte.
Als klare Orientierungshilfe für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bietet sich laut Stefan Grassmann an, die Werte und Ziele des Unternehmens gemeinsam zu erarbeiten und festzuschreiben. Auch Arbeitsplatzbeschreibungen seien wichtig, damit es nicht zu Missverständnissen kommt.
Viele Unternehmen würden auch ihre Service-Standards im Team erarbeiten und festhalten - von der Inspiration und Planung bis zur Abnahme. "Teilweise bin hin zu der Frage, wie man Visitenkarten an Kunden übergibt." So habe es zum Beispiel Thomas Schmidt mit seinem Betrieb "malerschmidt" gemacht. "Einen Königsweg gibt es da aber nicht."
"Führungskräfte sind Vorbilder", betont Stefan Grassmann. "Sie müssen stolz auf ihren eigenen Betrieb sein." Sind sie permanent gestresst, dann überträgt sich das auf das Team.
"Werte funktionieren nur, wenn sie auch unter Druck gelebt werden, sonst kann man sie sich in die Haare schmieren", sagt der Kommunikationsberater. Auch eine Vertrauenskultur sei wichtig.
Ein wichtiges Thema für Unternehmen ist eine offene Feedbackkultur. Also eine Arbeitsumgebung, in der Lob und konstruktive Kritik ausgetauscht werden. Eingeschlossen sind auch Lob und Kritik gegenüber dem Meister oder der Firmeninhaberin.
Dazu gehören auch lebenslanges Lernen und die Möglichkeit, eigenverantwortlich zu arbeiten.
Wenn Beschäftigte ihren Betrieb als verlässlich, fair und kollegial erleben, kann daraus ein starker Zusammenhalt entstehen – manchmal wird dann vom Betrieb als "zweiter Familie" gesprochen.
Gibt es aber vereinzelt Mobbing oder Ghosting, dann müssen die Führungskräfte vorsichtig sein und gegensteuern, damit das sich nicht ausbreitet und zur Firmenkultur wird. "Gemeinsam füreinander da sein, Rückendeckung von Kollegen – das schafft Firmenzusammenhalt", so Trainer Stefan Grassmann.
Flexible Arbeitszeitmodelle beschäftigen Arbeitgeber und Arbeitnehmer gleichermaßen. Hier ist es wichtig, das Gespräch zu suchen und auf die individuellen Bedürfnisse der Arbeitnehmer je nach Alter, Leistungsintensität und Familiensituation einzugehen – und natürlich zu schauen, was der Betrieb überhaupt möglich machen kann. Hier ist es hilfreich, klare Regeln und Grenzen festzulegen, damit sich alle fair und gerecht behandelt fühlen.
Während sich der eine Kollege die Vier-Tage-Woche wünscht, fühlt sich der andere nur mit der 40-Stunden-Woche wohl. Auch Arbeitszeitkonten könnten helfen, um spontane Arztbesuche oder andere private Termine während der Arbeitszeit zu ermöglichen.
Um die Mitarbeiter zu fördern, gibt es viele Wege. Zum Beispiel ein Gehalt mit Bonus-Möglichkeiten, extra Belohnungen, eine gute Ausstattung der Arbeitsplätze und Autos, hochwertiges Werkzeug bis hin zu Weiterbildungsangeboten.
Gibt es Erfolgserlebnisse bei Kunden oder ein positives Feedback von Führungskräften und Kollegen? "Zu loben ist nicht einfach, Lob anzunehmen auch nicht", sagt Stefan Grassmann. "Manche Mitarbeiter saugen Lob auf, andere wehren es ab", so der Experte. Aber diejenigen, die kein Lob annehmen können, würden sich insgeheim auch darüber freuen und ihrer Familie zuhause davon erzählen.
Zu einer guten Kommunikationskultur gehört, dass man seine eigene Leistung und sein Produkt auch mal lobt, Fehler offen anspricht und nach Lösungen sucht.
Arbeitgeber sind (nicht nur), aber zu einem großen Teil für die Atmosphäre am Arbeitsplatz verantwortlich. Haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Büro, in der Werkstatt oder auf der Baustelle zusammen Spaß und gute Laune?
Tipp vom Experten: "Gute Laune und Humor baut Stresshormone ab, schafft Nähe und ein Gemeinschaftsgefühl."
Nach dem Workshop wurden auf einem "Markt der Möglichkeiten" im Foyer Zentrum für Ernährung und Gesundheit der Handwerkskammer Koblenz das Beratungsangebot der Handwerkskammer(n) im Bereich Social Media, digitale Sichtbarkeit, Fachkräftegewinnung im Ausland und die anderen Angebot des Projekts vorgestellt.
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