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Protest der Fotografen erfolgreich: Geschäft mit Passfotos bleibt

Betriebsführung

Nach Plänen des Bundesinnenministeriums sollten Fotografen keine Passbilder mehr machen dürfen. Das Handwerk und der Einzelhandel protestierten bundesweit gegen den Gesetzentwurf. Offenbar mit Erfolg.

Die Anfang Januar bekannt gewordenen Pläne des Bundesinnenministeriums zu Passfotos für Personalausweise und Reisepässe trieben das gesamte Fotografenhandwerk und den Fotohandel um. Das Ministerium plante ursprünglich, dass solche Lichtbilder künftig ausschließlich "vor Ort unter Aufsicht der Pass- beziehungsweise Ausweisbehörde" aufgenommen werden. Also zum Beispiel im Bürgerbüro.

Der bundesweite Protest des Fotografenhandwerks, des Einzelhandels und auch des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks scheint offenbar gefruchtet zu haben. Laut verschiedener Medienberichte rudert das Bundesinnenministerium inzwischen zurück. Das Ministerium von Horst Seehofer möchte wohl doch nicht vorschreiben, dass Passfotos nur auf dem Amt gemacht werden dürfen. 

Wie die zum Beipiel Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten berichten, prüft das Ministerium die "Zulassung vertrauenswürdiger Fotografen" und spezielle Regelungen für eine "digitale Übertragung" des Passbilds von Fotografen an die Behörden.

Entsetzen in der gesamten Foto-Branche

Für Fotografen und Fotostudios sind die biometrischen Passfotos eine wichtige Einnahmequelle. Bundesweit reagierte die Branche deshalb entsetzt auf die Pläne aus dem Ministerium von Innenminister Horst Seehofer. Einige Fotografen fürchten gar um ihre Existenz. Waldemar Hartmann von "Foto Weber" in Würzburg erklärte gegenüber der Main Post, dass das Anfertigen von biometrischen Fotos etwa ein Drittel der Rendite ausmache. Passfotos würden dem Laden durchschnittlich 60 Kundenaufträge pro Tag einbringen.

Die Kunden, die zunächst nur ein Passfoto brauchen, bleiben dem Fotografen dann vielleicht später für größere Aufträge treu.

Existenzielle Bedrohung für die Unternehmer 

"Da die Fotohändler mit der Erstellung der Passbilder nicht nur den höchsten Deckungsbeitrag erzielen, sondern dieser Service auch maßgeblich für Kundenfrequenz in den Geschäften sorgt, würde dieser Plan Millionenumsätze im Handel vernichten", schrieben der Präsident des Einzelhandelsverbandes HDE, Josef Sanktjohanser, und der Vorstandsvorsitzende des Handelsverbandes Technik (BVT), Frank Schipper, in einem Brief an Bundesinnenminister Horst Seehofer.

"Angesichts der ohnehin angespannten Lage im stationären Einzelhandel stellt dies eine existenzielle Bedrohung für viele mittelständische Unternehmen dar." 

Gegen Bildmanipulationen

Hintergrund für den Gesetzentwurf ist das Fälschen und Manipulieren von Passbildern, das man so verhindern will. Verbreitet sei das sogenannte "Morphing" – das Verschmelzen von mehreren Gesichtsbildern zu einem einzigen Gesamtbild, so das Bundesinnenministerium. Dem will man vorbeugen, indem das Foto nur noch direkt auf dem Amt und unter Aufsicht aufnommen werden darf.

"Es braucht kein Verbot"

Es sei richtig und wichtig, Manipulationen bei der Pass- oder Personalausweisbeantragung zu verhindern, so die Verbandsvertreter. Dafür brauche es aber kein faktisches Verbot. Über eine Zusammenarbeit von Privatwirtschaft und Behörden seien die gleichen Sicherheitsstandards realisierbar.

Namhafte Händlergruppen würden bereits gemeinsam mit Herstellern von Passbildstationen, dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik und Softwareherstellern an einem Konzept arbeiten, das sichere, bruchfreie und einfache Bildübertragung an die Passbildämter gewährleiste, so Sanktjohanser und Schipper in ihrem gemeinsamen Brief.

Noch  28. Januar können Fotografenvereinigungen und andere Verbände noch eine Stellungnahme abgeben.  

Das Ministerium versicherte bereits, die Bundesregierung werde bei der Neuregelung "die Interessen des Einzelhandels und Handwerks, insbesondere von Fotografinnen und Fotografen, berücksichtigen".

 

Achtung: Dies ist ein aktualisierter Beitrag des ursprünglichen Artikels vom 10. Januar 2020. 

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Text: / handwerksblatt.de

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