Jedes von Haute Couture Margret Gasper angefertigte Kleidungsstück ist ein Unikat.

Jedes von Haute Couture Margret Gasper angefertigte Kleidungsstück ist ein Unikat. (Foto: © HP Gaspar)

Zufriedenere Mitarbeiter, bessere Kommunikation

Förderprogramm für moderne Personalpolitik: Über unternehmensWert:Mensch werden auch Handwerker beraten. Erfolgreiches Beispiel ist die Margret Gasper Haute Couture.

Demografischer Wandel, krankheitsbedingte Engpässe oder Nachwuchsmangel: Die Anforderungen in Sachen Personal sind vielfältig. Gerade kleinen und mittelständischen Unternehmen fehlen oft die Ressourcen, um langfristige Personalstrategien zu entwickeln. Hier hilft das Förderprogramm unternehmensWert:Mensch. Eine individuelle, geförderte Prozessberatung zielt darauf ab, ganzheitliche Personalstrategien zu entwickeln.

Die Handwerkskammer Trier zum Beispiel übernimmt die Erstberatung und konnte damit schon in mehreren Hundert regionalen Betrieben nachhaltige Lern- und Veränderungsprozesse anstoßen.

Ein eigener Online-Shop

Ein Unternehmen, das bereits zum Start des Programms Ende 2017 davon profitiert hat, ist Margret Gasper Haute Couture in Waxweiler (Eifelkreis Bitburg-Prüm). Das Unternehmen fertigt seit mehr als zwanzig Jahren exklusive, handgefertigte Designermode an. Die Kunden kommen aus ganz Deutschland und Luxemburg. Im Lauf der Jahre hat sich der Betrieb vergrößert: Siebzehn Mitarbeiter beschäftigt Margret Gasper derzeit. Neuerdings vertreibt das Unternehmen seine hochwertige Mode auch über einen eigenen Onlineshop.

Vor vier Jahren machte Margret Gasper es sich zur Aufgabe, die Abläufe im Betrieb noch zu verbessern. Denn die engangierte Inhaberin hat hohe Ansprüche an ihre Mitarbeiter und vor allem an sich selbst. Ob Modenschau, Shooting oder Soirée: Die Maßschneidermeisterin erledigt ihre Aufgaben mit viel Herzblut und gibt immer 100 Prozent. Neben den fachlichen sind auch die Herausforderungen in Sachen Personalführung groß: Mitarbeiter motivieren, Personal binden, Fachkräfte gewinnen, Arbeitsplätze sichern.

Ziel: Zufriedenheit von Kunden und Mitarbeitern verbessern

Mit dem Ziel, gute Mitarbeiter langfristig an ihr Unternehmen zu binden sowie die Zufriedenheit von Kunden und Mitarbeitern zu verbessern, wendete die Firmeninhaberin sich an die Handwerkskammer Trier. Dort erhielt sie Unterstützung über das Projekt unternehmensWert:Mensch.

Zunächst untersuchte  Christian Neuenfeldt von der Handwerkskammer Trier den Handlungsbedarf. In anschließenden Interviews mit der Chefin und ihren Angestellten standen Themen wie Motivation, Bindung und Zufriedenheit der Mitarbeiter, Eigenverantwortung, Zuständigkeiten und Spielräume, Aufgabenbereiche und Vertretung sowie Gesundheit am Arbeitsplatz an.

In einem zweiten Schritt hat das Unternehmen die Beratung eines autorisierten Prozessberaters aus der Region in Anspruch genommen. Gemeinsam erarbeiteten der Berater, die Unternehmensführung und die Beschäftigten passgenaue Lösungsstrategien.

Gerade in Sachen Fachkräftebindung hat die Beratung über unternehmenswert: Mensch hat viel bewirkt. So hat das Unternehmen mit Nachwuchskräften eine zweite Führungsebene aufgebaut. Verantwortlichkeiten und Aufgaben wurden umverteilt, Konzepte zur Personalgewinnung und Nachfolgeregelung erstellt und die Motivation der Belegschaft gesteigert.

An sich selbst und seiner Führungsrolle arbeiten

Als verantwortungsvolle Unternehmerin arbeitete Margret Gasper auch an ihrer Führungsrolle. Zum einen für sich selbst: "Arbeit und Leben ist bei mir eins. Dazwischen eine Grenze zu ziehen, war nicht einfach." Ein weiterer Grund ist die Verantwortlichkeit gegenüber ihren Beschäftigten. So bezeichnet sie ihren Führungsstil heute als stringenter: "Mehr Klarheit, mehr Transparenz, mehr Konsequenz". An ganz anderer Stelle hingegen trägt das neue Bewusstsein der lebhaften Betriebsinhaberin zu einer weiteren Entschleunigung bei: "Früher habe ich relativ schnell gesprochen. Inzwischen habe ich es mir angewöhnt, langsamer zu reden." 

"Heute läuft bei uns alles rund"

Auch unter den Beschäftigten läuft die Kommunikation besser. An den regelmäßigen Teambesprechungen nehmen nun sogar die Heimarbeiterinnen teil. So sind alle Beschäftigten über die Betriebsabläufe im Bilde. Gemeinschaftsveranstaltungen wie Sommerfest und Weihnachtsfeier tragen zum guten Betriebsklima bei. "Heute läuft es bei uns rund", freut sich die Chefin. "Manchmal ist man einfach betriebsblind. Dann ist es gut, wenn man von außen einen Spiegel vorgehalten bekommt."

Förderberechtigt sind Unternehmen, die folgende Kriterien erfüllen!

• Sitz und Arbeitsstätte in Deutschland
• Jahresumsatz geringer als 50 Mio. Euro oder Jahresbilanzsumme geringer als 43 Mio. Euro
• mindestens zweijähriges Bestehen des Unternehmens
• weniger als 250 Beschäftigte*
• mindestens eine/n sozialversicherungspflichtige/n Beschäftigte/n in Vollzeit (Die Berechnung erfolgt nach Jahresarbeitseinheiten. Teilzeitbeschäftigte können anteilig berücksichtigt werden.)

Zuschüsse vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales sowie dem Europäischen Sozialfonds:

• Unternehmen mit weniger als zehn  Beschäftigten erhalten bis zu 80 Prozent Zuschuss zu den Kosten der Prozessberatung.
• Unternehmen mit 10 bis 249 Beschäftigten erhalten bis zu 50 Prozent Zuschuss zu den Kosten der Prozessberatung. Die Restkosten tragen die Betriebe selbst.
• Die Beratung kann maximal zehn Tage dauern und maximal 1.000 Euro pro Beratungstag kosten.

Ausnahmen für Baden-Württemberg, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Nordrhein-Westfalen

* Achtung: In Baden-Württemberg, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Nordrhein-Westfalen sind nur Förderungen für Unternehmen mit weniger als zehn Mitarbeitern möglich. In diesen Bundesländern bieten aber folgende regionale Kooperationspartner vergleichbare Angebote.

Baden-Württemberg: Förderprogramm Coaching für kleine und mittlere Unternehmen, Schwerpunkt Fachkräftesicherung. Weitere Informationen finden Sie unter www.esf-bw.de/esf/foerderung-beantragen-und-umsetzen/foerderprogramme-des-foerderbereichs-wirtschaft/.
Brandenburg: Brandenburger Sozialpartnerrichtlinie
Nordrhein-Westfalen: Beratung von Unternehmen zur Fachkräftesicherung, Potentialberatung. Weitere Informationen zur Potentialberatung in NRW
Sachsen-Anhalt: Weiterbildung Betrieb 

Schneidermeisterin und Modedesignerin Margret Gasper studierte Modedesign in Trier und arbeitete anschließend freischaffend. Vor 21 Jahren gründete sie das Unternehmen "Margret Gasper Haute Couture" mit Sitz in Waxweiler. Das Unternehmen beschäftigt insgesamt 17 Mitarbeiter, davon sechs dauerhaft in Waxweiler, fünf Teilzeitkräfte – ausgebildete Schneiderinnen, fünf Lehrlinge und eine freie Mitarbeiterin, die ebenfalls ausgebildete Schneiderin ist. Von den genannten Mitarbeitern im Betrieb sind zwei Meister und eine angehende Meisterin.

Text: / handwerksblatt.de

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