Eine intelligente Planung und ressourcenschonende Umsetzung von Projekten kann zu Einsparung von Kosten der Betriebsabläufe führen.

Eine intelligente Planung und ressourcenschonende Umsetzung von Projekten kann zu Einsparung von Kosten der Betriebsabläufe führen. (Foto: © kzenon/123RF.com)

So sparen Sie beim Materialeinsatz!

Betriebsführung

Die Energiekosten werden derzeit viel diskutiert, schnell wird vergessen, das Handwerksbetriebe auch viel Geld sparen können, wenn sie ihr Material effizient nutzen. Das wird in Zeiten knapper Rohstoffe immer wichtiger, denn auch kleine Betriebe können so ihre Kosten deutlich senken.

Im produzierenden Gewerbe haben Energiekosten im Durchschnitt einen viel geringeren Anteil an den Gesamtkosten als der Materialeinsatz. So machen beispielsweise in einer Schreinerei die Energiekosten – gemessen am Umsatz – lediglich rund ein Prozent aus, die Materialkosten hingegen über 30 Prozent. Ein Fleischermeister verbraucht durchschnittlich fünf Prozent seines Umsatzes für Energie, aber rund 40 Prozent für den Materialeinsatz.

"Es lohnt sich für jeden Handwerksunternehmer zu prüfen, ob er die Materialkosten im Verhältnis zur produzierten Menge nicht verringern kann", meint Peter Schürmann, Umweltschutz- und Technologieberater der Handwerkskammer Konstanz. "Dazu fehlen im Tagesgeschäft aber oft Zeit und Personal – oder die befürchteten Risiken erscheinen zu hoch." Doch der effiziente Umgang mit Rohstoffen und Materialien kann die Wettbewerbsfähigkeit deutlich erhöhen. Das fängt bei vergleichsweise einfachen Maßnahmen an. Dazu gehört beispielsweise, nur so viel Material zu bestellen, wie tatsächlich gebraucht wird. Denn dadurch wird vermieden, dass Material langfristig Lagerplatz blockiert, schließlich nicht mehr verwendbar ist und dann in den Abfall wandert.

Materialkosten vergleichen

Wird die Vielfalt der angebotenen Produkte und des verwendeten Materials zudem verringert, erleichtert das den Überblick über den Lagerbestand. Gleichzeitig erhöht sich die Bestellmenge pro Material – dadurch kann der Betriebsinhaber von Rabatten profitieren. Außerdem sollten Unternehmer darauf achten, dass in ihrem Betrieb so wenig Restmaterial wie möglich produziert wird, Wiederverwendungsmöglichkeiten geprüft und Entsorgungskosten niedrig gehalten werden. Auch kann es sich lohnen, benötigte Materialmengen und Energiekosten mit Mitbewerbern aus der Branche zu vergleichen.

"Generell sollten Materialeingang und -ausgang sowie der Energieverbrauch systematisch geprüft und anhand von Kennzahlen festgehalten werden", so Schürmann. "Dadurch lassen sich oft schon Einsparmöglichkeiten ermitteln." Regelmäßige Überproduktion, unverhältnismäßig hohe Verschnittmengen, ein ungeeigneter Stromtarif, ein Leck in der Wasserleitung oder sogar das Fehlverhalten eines Mitarbeiters verursachen sonst unnötig hohe Kosten.

Fördermittel für die Beratung

Außerdem lohnt es sich, den gesamten Prozess vom Auftrag bis zur Auslieferung zu betrachten, um verborgene Zusammenhänge und Verlustmechanismen zu erkennen. So können etwa Arbeitsabläufe optimiert, innerbetriebliche Transportwege verringert und Maschinen effizienter genutzt werden. "Dadurch reduzieren sich auch weitere Kosten wie Arbeitsaufwand und Stromverbrauch – vom Beitrag zum Umweltschutz ganz zu schweigen", meint Ingo Menssen von der Effizienz-Agentur NRW (EFA).

Die EFA wurde auf Initiative des nordrhein-westfälischen Umweltministeriums gegründet und berät kleine und mittelständische Unternehmen zum Thema Ressourceneffizienz. "Wenn es um gesamte Prozesse geht, ist ein neutraler Berater von außen oft hilfreich, denn gerade bei guter Auftragslage fehlt oft die Zeit, sich intensiv mit zusätzlichen Aufgaben zu beschäftigen", so Menssen. Die Angst vor unverhältnismäßig hohen Beratungskosten ist dabei unnötig, denn es gibt eine ganze Reihe von Beratungsmöglichkeiten, die mit öffentlichen Mitteln gefördert werden.

Professionelle Beratung für mittelständische Betriebe

Mit dem "Ökoeffizienz-Check Handwerk" hat die Effizienz-Agentur Nordrhein-Westfalen ein Instrument geschaffen, das speziell auf die Bedürfnisse von Handwerksbetrieben mit weniger als 250 Mitarbeitern zugeschnitten ist. Nach einem kostenfreien Erstgespräch steht ein fachlich versierter Berater aus dem Netzwerk der EFA für bis zu fünf Beratungstage zur Verfügung.

Auch das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) fördert Beratungsleistungen mit den sogenannten BMWi-Innovationsgutscheinen. Das Modul "go-effizient" zur Förderung der Rohstoff- und Materialeffizienz richtet sich dabei an produzierende Unternehmen mit weniger als 250 Beschäftigten und maximal 50 Millionen Euro Jahresumsatz. Gefördert werden 50 Prozent der Ausgaben für Beratungsleistungen. Diese müssen von durch das Ministerium autorisierten Beratungsunternehmen durchgeführt werden. Ausführlichere Informationen gibt es dazu bei der Deutschen Materialeffizienzagentur.

Checkliste zur Steigerung der Materialeffizienz

Einer Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung ISI (2011) zufolge können Unternehmen ihre Materialeffizienz steigern, die folgende Tipps beachten:

  1. Machen Sie Material- und Energieverbräuche im Betrieb durch Kennzahlen transparent.
  2. Formulieren Sie Materialeffizienzziele.
  3. Nutzen Sie unterschiedliche Informationsquellen innerhalb und außerhalb Ihres Betriebes. Nicht nur technische, auch organisatorische Neuerungen können den Materialverbrauch verringern.
  4. Treffen Sie Investitionsentscheidungen nicht nur anhand der Anschaffungskosten, sondern berücksichtigen Sie die gesamten Lebenszykluskosten. Verschaffen Sie sich dazu verlässliche Infos über Kosteneinsparungen sowie Folgekosten.
  5. Arbeiten Sie mit anderen zusammen an der Verbesserung Ihrer Materialeffizienz. Das könnten zum Beispiel Lieferanten, Kunden, Wettbewerber, Forschungseinrichtungen oder Hochschulen sein.
  6. Nicht zuletzt gilt: Informieren Sie sich vor Abschluss eines Beratervertrages über entsprechende Fördermöglichkeiten!

Fakten zur Materialeffizienz

  • Mit einem Anteil von knapp 43 Prozent sind die Materialkosten laut Statistischem Bundesamt (2011) der größte Kostenblock im produzierenden Gewerbe. Die Personalkosten sind der zweitgrößte Kostenfaktor mit rund 21 Prozent der Gesamtkosten; Energiekosten machen rund zwei Prozent aus.
  • Eine Studie (2011) des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung ISI im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums hat ermittelt, dass Betriebe des verarbeitenden Gewerbes ihr Materialeinsparpotenzial im Durchschnitt auf sieben Prozent schätzen. 36 Prozent der kleinen und 39 Prozent der mittleren Betriebe gehen von einem Einsparpotenzial von mehr als fünf Prozent aus, 26 Prozent der kleinen Betriebe sehen kein Einsparpotenzial. Das insgesamt geschätzte Potenzial zur Materialkostensenkung beträgt ca. 48 Milliarden Euro pro Jahr.
  • Laut Deutscher Materialeffizienzagentur wurde in den bisher vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten Materialeffizienzberatungen ein durchschnittliches Einsparpotenzial von 200.000 Euro pro Betrieb und Jahr bzw. von zwei Prozent des Jahresumsatzes ermittelt.

Information und Beratung

Hier bekommen Handwerksbetriebe Beratung und Hilfe, wenn sie ihre Materialkosten senken wollen:

Text: / handwerksblatt.de

Das könnte Sie auch interessieren: