Das Auto bietet sich als Werbefläche für Firmenwerbung an.  Dabei muss man sich aber an strenge Regeln halten.

Das Auto bietet sich als Werbefläche für Firmenwerbung an. Dabei muss man sich aber an strenge Regeln halten. (Foto: © imagestock/123RF.com)

Steuerfalle: Werbung auf dem privaten Pkw

Betriebsführung

Achtung: Wenn der Chef seinen Mitarbeitern Geld dafür zahlt, dass sie auf ihren Privatautos Firmenwerbung anbringen, wird dafür unter Umständen Lohnsteuer fällig. Die Rechtslage ist unsicher.

Kennzeichenhalterungen oder Werbeaufkleber auf dem Auto sind sehr beliebte, günstige und effektive Werbemittel. Zahlt ein Arbeitgeber seinen Mitarbeitern aber Geld dafür, dass sie an ihren Privatautos für die Firma werben, dann muss er sich an strenge Vorgaben halten, sonst unterliegt die Zahlung der Lohnsteuer. So hat auch das Finanzgericht Münster in einem aktuellen Fall entschieden (Az. 1 K 3320/18 L). Das letzte Wort bei dem Thema könnte der Bundesfinanzhof haben. Die Revision wurde zugelassen.

Ein mittelständisches Unternehmen aus dem Münsterland hatte mit einigen Mitarbeitern Mietverträge über Werbeflächen an deren privaten Fahrzeugen abgeschlossen. Die Mitarbeiter bekamen 255 Euro im Jahr, wenn sie auf ihren Kennzeichenhaltern für die Firma werben oder wenn sie einen Werbeaufkleber auf dem Kofferraumdeckel anbrachten. Dies entsprach dem Maximalbetrag, den das Einkommensteuerrecht dafür erlaubt (21 Euro im Monat beziehungsweise 255,99 Euro im Jahr). Das Problem: Finanzämter sind bei Firmenwerbung auf Privat-Pkw seit Jahren hellhörig und wollen wasserdichte Verträge sehen.

Viele Autohalter fahren das Werbe-Logo völlig kostenfrei durch die Gegend

Etliche Firmen zahlten ihren Mitarbeitern in der Vergangenheit den Maximalbetrag allein dafür, dass sie mit der Kennzeichenhalterung Werbung machten. 255 Euro würde dafür aber kein Fremder bezahlen, zumal viele Autofahrer das kleine Werbe-Logo völlig kostenfrei mit dem Kennzeichen durch die Gegend fahren.

"Das Thema steht schon seit Längerem im Fokus der Finanzgerichte", berichtet Steuer­berater Thomas Lückel, Geschäftsführer der Lückel & Partner Steuerberatung gegenüber dem Handwerksblatt. "Sofern solche Werbeflächen-Mietverträge für Fahrzeugwerbung nur mit den eigenen Arbeitnehmern abgeschlossen und fremden Dritten nicht ernsthaft angeboten werden, nimmt die Finanzverwaltung steuerpflichtigen Arbeitslohn an", so Lückel.

Das Finanzgericht Rheinland-Pfalz hat am 23. November 2016 entschieden, dass solche Werbekostenzuschüsse, die nur an eigene Arbeitnehmer gezahlt werden, lohnsteuerpflichtigen Arbeitslohn darstellen.

Werbeabsicht muss eindeutig sein

Auch bei dem Unternehmen aus dem Münsterland fiel dem Betriebsprüfer die bezahlte Werbung negativ auf. Das Finanzamt ist der Meinung, dass es sich dabei um Arbeitslohn nach Paragraf 19 EStG handelt. Für vier Jahre (2013 bis 2017) sollte das Unternehmen 2.214,80 Euro Lohnsteuer nachzahlen.

Die Firma klagte dagegen und machte geltend, dass die Anmietung der Werbefläche in Form der Kennzeichenhalter in "eigenbetrieblichem Interesse" erfolgt sei. Die Autowerbung sei Teil des Marketings. Bei dem hierfür an die Mitarbeiter gezahlten Entgelt handele es sich daher nicht um Arbeitslohn. Ohne einen finanziellen Anreiz würde kein Mitarbeiter die Werbung an seinem Privatauto anbringen.

Das Gericht hat die Klage abgewiesen. Die Zielsetzung, Werbung zu betreiben, habe hier nicht eindeutig im Vordergrund gestanden, so die Richter. Letztes hätte nur dann angenommen werden können, wenn durch eine konkrete Vertragsgestaltung die Förderung des Werbeeffekts sichergestellt worden wäre. Die Verträge hätten aber keinerlei Vorgaben enthalten, um einen werbewirksamen Einsatz des jeweiligen Fahrzeugs sicherzustellen.

Auch eine Regelung dazu, ob an dem Fahrzeug noch Werbung für andere Firmen angebracht werden durfte oder eine Exklusivität geschuldet war, sei nicht getroffen worden. "Die Finanzgerichte argumentieren aktuell auch in die Richtung, dass auch dann Arbeitslohn vorliegt, wenn solche Werbekostenzuschüsse nicht auch anderen Personen angeboten werden, die nicht Arbeitnehmer sind", erklärt Steuerberater Thomas Lückel, der diese Argumentation für falsch hält. "Es bleibt daher zu hoffen, dass der Bundesfinanzhof und im Anschluss auch der Gesetzgeber eine klare und einfache Regelung treffen. Aktuell ist die Rechtslage auf jeden Fall unsicher."

Checkliste

  • Damit die Fahrzeugwerbung anerkannt wird, müssen Verträge mit den Arbeitnehmern geschlossen werden aus den hervorgeht, dass der Pkw optimal zur ­Firmenwerbung eingesetzt wird. Zum Beispiel sollte eine bestimmte Kilometer­leistung vorgeschrieben werden.

  • Es sollte ein zeitlicher Umfang bestimmt werden, in dem der Mitarbeiter das Auto im öffentlichen Verkehr bewegt werden muss.

  • Die Werbefläche sollte möglichst groß und werbewirksam sein, damit auch ein ­Fremder den Mietpreis von 255 Euro im Jahr zahlen würde (Fremdvergleich!).

  • Es sollte geregelt werden, ob und wo das Auto im öffentlichen Parkraum sichtbar abgestellt wird.

  • Der Mitarbeiter muss sich verpflichten, das Auto in einem vernünftigen Zustand, also sauber und ordentlich, zu halten.

  • Es sollte geregelt sein, ob noch Werbung für andere Firmen ­angebracht werden darf oder es eine ­Exklusivität gibt.

  • Finanzgerichte verlangen zum Teil, dass die Werbekostenzuschüsse auch anderen Personen (keine Mitarbeiter) angeboten werden.

  • Für den Nachweis beim Finanzamt helfen Fotos von der Fahrzeugwerbung.

  • Wer eine solche Regelung mit seinen ­Mitarbeitern plant, sollte sich vorab an seinen Steuerberater wenden. Tipp für alle, die ihren Mitarbeitern zusätzlich zum Gehalt etwas Gutes tun möchten: Die Überlassung von Telekommunikationsgeräten an die Mitarbeiter ( Smartphone, Laptop oder iPad usw.) ist uneingeschränkt ­­steuer- und sozialversicherungsfrei.
Text: / handwerksblatt.de

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