Die Mehrheit aller befragten Zulieferbetriebe wünscht sich einen besseren Zugang zu Finanzmitteln für Re- und Neuinvestitionen.

Die Mehrheit aller befragten Zulieferbetriebe wünscht sich einen besseren Zugang zu Finanzmitteln für Investitionen. (Foto: © mariok/123RF.com)

Zulieferhandwerk ist trotz Krise vorsichtig optimistisch

Betriebsführung

Die Auswertung einer ZDH-Umfrage zeigt, dass ein Großteil der Zulieferbetriebe trotz großer Veränderungen positiv in die Zukunft blickt. Aber die Branchen Automobil, Bau, Einzelhandel sowie Luft- und Raumfahrt stehen unter Druck.

Die Corona-Pandemie, die globalen Lieferkettenprobleme und strukturelle Wandlungsprozesse stellen auch die handwerklichen Zulieferbetriebe auf die Probe. Eine Studie des Instituts für Mittelstand und Handwerk (ifh) an der Universität Göttingen analysiert eine aktuelle Umfrage des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH).

Optimismus trotz schlechterer Eigenkapitalquote

Die Wissenschaftler kommen in der Studie unter anderem zu den folgenden Ergebnissen:

  • Die Eigenkapitalquote der handwerklichen Zulieferer hat sich in den letzten beiden Jahren bei fast einem Drittel der Betriebe verschlechtert, was auf ein schwieriges wirtschaftliches Umfeld und Liquiditätsengpässe schließen lässt.

  • Das Zulieferhandwerk ist wegen seiner engen Einbindung in industrielle Zuliefersysteme besonders stark von allgemeinen Strukturwandlungsprozessen betroffen, wie etwa in den Bereichen Mobilität, Energie, Umwelt oder Digitalisierung.

  • Zwei Drittel der befragten Zulieferer bewerten die mittel- bis langfristigen Erfolgsaussichten ihres aktuellen Geschäftsmodells dennoch positiv. Nur wenige blicken pessimistisch in die Zukunft.

  • Die Anpassungsfähigkeit der handwerklichen Zulieferer angesichts vieler konjunktureller und struktureller Herausforderungen ist auf Basis der Datenlage dementsprechend positiv zu bewerten.

Digitalisieriung als treibender Faktor für Veränderungen

  • Die Digitalisierung wird von den Zulieferbetrieben als entscheidender Wandlungsprozess genannt, aber kaum ein Zulieferer geht davon aus, durch die Digitalisierung in seiner Existenz gefährdet zu sein.

  • Geringer Geschäftserfolg ist naturgemäß der wichtigste Grund für eine betriebliche Neuorientierung. Allerdings ist ein intensiver digitaler Kundenkontakt über neue digitalisierte Prozesse (Plattformen oder Online-Absatz) ebenfalls ein häufiger Grund für die Neuausrichtung von Geschäftsmodellen.

  • Größere Zulieferer sind erfolgreicher als kleinere Zulieferbetriebe. Gerade erfolgreiche Betriebe mit funktionierendem Geschäftsmodell werden jedoch durch die aktuellen Probleme in den Lieferketten wegen Materialengpässen ausgebremst.

  • Luft- und Raumfahrt ist der Zulieferbereich des Handwerks, der derzeit die stärkste Neuausrichtung von Geschäftsmodellen aufweist. Außerdem stehen Zulieferbetriebe aus den Bereichen Automobil (28 %), Bau (25 %) und Einzelhandel (22 %) aktuell verstärkt unter Druck.

  • Die Modell- und Formenbauer weisen derzeit mit Abstand die stärkste Transformation auf; zentrale Treiber sind digitalisierungsbasierte Innovationen in den Bereichen Vernetzung, Datenaustausch und programmgesteuerte Produktion.

Mehr Finanzierungsangebote und Weiterbildung gewünscht

  • Die Mehrheit aller befragten Zulieferbetriebe (50 %) wünscht sich einen besseren Zugang zu Finanzmitteln für Re- und Neuinvestitionen. Jeweils ein Drittel der Zulieferer fordern zudem Verbesserungen ihrer Standortbedingungen und bessere Unterstützungsangebote bei der Weiterbildung ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

  • Ein nennenswerter Teil der Betriebe (16,3 %) wünscht sich zudem eine stärkere Unterstützung bei der Neuausrichtung ihrer Geschäftsmodelle und der erfolgreichen Umsetzung von Change-Prozessen.

Im Ergebnis ist das Bild des Strukturwandels im Zulieferhandwerk uneinheitlich. Der Autor fordert daher eine entsprechende Unterstützung der unterschiedlich betroffenen Gruppen.

Quelle: ifh

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Text: / handwerksblatt.de

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