Auszubildende können über die gesamte Dauer der Ausbildung von den Mitarbeitern der Hambl GmbH begleitet werden.

Auszubildende können über die gesamte Dauer der Ausbildung von den Mitarbeitern der Hambl GmbH begleitet werden. (Foto: © bjoerngrueber.de)

Begleiter auf dem Weg zum Ausbildungserfolg

Bildung

Dass junge Menschen ihre Ausbildung erfolgreich abschließen, ist längst nicht mehr selbstverständlich. Ein langfristig ausgelegtes Persönlichkeitstraining kann ihnen und ihren Ausbildern dabei helfen.

"Arbeitgeber stehen heutzutage vor der Herausforderung, dass junge Menschen mit vielen Baustellen aus ihrem privaten Leben zu ihnen kommen, die auf die Unternehmen abgewälzt werden", sagt Björn Müsse. Als Beispiel führt der Mitbegründer der Hambl GmbH in Olpe die Abhängigkeit von sozialen Medien an. "Jeder Like und jedes Herzchen sorgt dafür, dass im Gehirn Neurotransmitter ausgeschüttet werden, die glücklich, aber auch hochgradig süchtig machen." Diese ständige und schnelle Selbstbestätigung brauche die Generation Z dann auch im Beruf, und wehe dem Arbeitgeber, der ihnen dieses Glücksgefühl versage!

Damit die Ausbildung nicht zu einer Reihe kräftezehrender Sprints, sondern zum erfolgreichen Marathon wird, bieten Björn Müsse und seine drei Mitstreiter ein langfristig ausgelegtes Persönlichkeitstraining an. Dabei werden Lehrlinge in den Betrieben simultan zur Ausbildung über zwei bis drei Jahre begleitet. Es umfasst 16 Veranstaltungen – jeweils acht aufeinander aufbauende und regelmäßig anberaumte Workshops und Einzel-Coachings.

Selbst entwickeltes Konzept

Erlebnispädagogik, Workshops und Einzel-Coachings ergänzen sich beim Persönlichkeitstraining. Foto: © Sinan MusluErlebnispädagogik, Workshops und Einzel-Coachings ergänzen sich beim Persönlichkeitstraining. Foto: © Sinan MusluGrundlage ist das von den vier Südwestfalen entwickelte G.E.D.A.N.K.E.-Konzept. Hinter jedem Buchstaben verbirgt sich ein Baustein (siehe Info-Kasten unten). Das G steht etwa für Gewohnheiten. Die Teilnehmer gehen dabei den Fragen nach, welche Gewohnheiten zu ihrem eigenen Leitbild passen und welche Gewohnheiten sie aufbauen oder ablegen möchten. "Darunter fallen Aspekte wie Ernährung, Bewegung, Entspannung, aber auch Gedankenmuster und der Umgang mit digitalen Medien", erklärt Björn Müsse, der Fitnessökonomie studiert hat. Zunächst machen sich die Teilnehmer bei einem erlebnispädagogischen Auftakt miteinander und dem Konzept vertraut. "Danach gehen wir in den folgenden 24 bis 36 Monaten die sieben Bausteine mit ihnen durch."

Gearbeitet wird in einer Gruppe, die idealerweise aus 10 bis 15 Azubis besteht. Je nach Wunsch des Auftraggebers sind auch Personalverantwortliche oder Ausbildungsleiter mit dabei. "In den Workshops formen wir das Wir-Gefühl. Die Einzel-Coachings kann man sich wie ein längeres Personalgespräch vorstellen, bei dem wir uns eine Stunde lang intensiv mit dem Auszubildenden unterhalten." Alle Eindrücke und Erkenntnisse aus den Einzel-Coachings fließen in den anschließenden Workshop ein. Umgekehrt beeinflusst das Gesagte in den Workshops wiederum die Inhalte der Einzel-Coachings. Die Unternehmen erhalten jedes Quartal ein Feedback darüber, wie die Arbeit voranschreitet.

Zwei Modelle fürs Handwerk

Björn Müsse ist einer von vier Firmengründern und Geschäftsführern der Hambl GmbH Foto: © bjoerngrueber.deBjörn Müsse ist einer von vier Firmengründern und Geschäftsführern der Hambl GmbH Foto: © bjoerngrueber.de

Vor allem Banken und Industrieunternehmen nutzen das Mentaltraining der Hambl GmbH. Sehr häufig stellen sie ihre Auszubildenden dafür während der Arbeitszeit frei. Kleine und mittlere Handwerksbetriebe können sich dies meistens nicht erlauben. Zudem haben sie in der Regel nur einen oder zwei Lehrlinge. "Die Organisation und die Gruppengröße sind im Handwerk eine Herausforderung. Da einer aus unserem Team gelernter Elektroniker ist, wollen wir das Handwerk natürlich nicht vernachlässigen", versichert Björn Müsse.

Deshalb suche man mit Innungen, Handwerkskammern und Kreishandwerkerschaften nach praktikablen Lösungen. Zurzeit gibt es zwei Modelle: Größere Betriebe lassen alle ihre Gesamtbelegschaft schulen oder einzelne kleine, nah beieinanderliegende Firmen – etwa aus einem Industriegebiet – werden zu einem Kontingent zusammengefasst. Auch Subventionierungen durch die Kammern seien geplant.

Björn Müsse, Sascha Burghaus, Antonio Alfano und ­Steffen Heimel haben während ihrer eigenen Ausbildung und in der Arbeit mit Auszubildenden alle dieselben negativen Erfahrungen gemacht. Vor diesem Hintergrund ist das von ihnen entwickelte G.E.D.A.N.K.E.-Konzept entstanden. Jeder der sieben Buchstaben steht für einen Baustein: Gewohnheiten, Einstellung, Durchhaltevermögen, Achtsamkeit, Natur, ­Kommunikation und Erfahrung. Um Auszubildende mit ­ihrem Persönlichkeitstraining zu begleiten, haben sie vor zwei Jahren die Hambl GmbH gegründet.

Die Rückmeldungen der Betriebe und der Auszubildenden sind "sehr positiv". Offenbar zahlt sich die langfristige Begleitung aus. Für Björn Müsse ist sie ein "unfassbar starkes Instrument". So konnten etwa Ausbildungsabbrüche durch die kontinuierliche Kommunikation mit den Coaches, aber auch mit den anderen Azubis untereinander vermieden werden. "Die Mitglieder der Gruppe tauschen sich sehr intensiv untereinander aus und unterstützen sich gegenseitig, wenn es privat, beruflich oder schulisch nicht funktioniert."

Darüber hinaus fühlen sich die künftigen Fachkräfte enger an ihren Arbeitgeber gebunden und sie empfehlen ihn anderen weiter. Doch Björn Müsse weiß auch die kleinen Erfolge zu schätzen. "Mal schreibt uns ein Azubi eine Mail, dass er sich besser mit seinem Vater versteht, dann ruft uns einer an, weil er während der Ausbildung 20 Kilogramm abgenommen hat."

Text: / handwerksblatt.de

Das könnte Sie auch interessieren: