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Handwerk enttäuscht vom 365-Euro-Ticket für Jugendliche in BW

Bildung

Baden-Württemberg führt ein 365-Euro-Ticket für Jugendliche ein. Auszubildende und Meisterschüler würden allerdings je nach Wohnort und Alter benachteiligt, kritisiert das Handwerk und fordert Nachbesserungen am Jugendticket.

In Baden-Württemberg wird es ein 365-Euro-Nahverkehrsticket für Schüler und Auszubildende geben. Die grün-schwarze Landesregierung hat am 15. Dezember im Landtag die konkrete Ausgestaltung des ÖPNV-Jugendtickets präsentiert, das ab September 2022 an den Start gehen soll. Nicht nur die Opposition kritisiert die Ausgestaltung des Tickets. Aus Sicht des Baden-Württembergischen Handwerkstags (BWHT) entspricht das Konzept nicht dem, was angekündigt war. Auszubildende und Meisterschüler würden je nach Wohnort und Alter benachteiligt oder sogar ausgeschlossen, kritisiert das Handwerk.

"Die Landesregierung hat seit dem Frühjahr ein echtes 365-Euro-Ticket für alle jungen Leute und für das ganze Land angekündigt. Daran muss sie sich messen lassen. Jetzt sind wir verwundert und auch besorgt, dass sich die vielfachen öffentlichen Ankündigungen nun im Detail völlig anders darstellen", erklärt Landeshandwerkspräsident Rainer Reichhold.

Der Handwerkstag fordert ein flächendeckendes, landesweites Azubi-Ticket, um die Mobilität von Auszubildenden zu verbessern,  um Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt zu verringern und die berufliche Aus- und Fortbildung zu stärken.

Übersicht Eine Übersicht aller Bundesländer, die ein landesweit gültiges Azubi-Ticket anbieten, haben wir in dem Online-Artikel "Azubi-Ticket: Kostengünstig durchs ganze Bundesland" auf handwerksblatt.de zusammengefasst.

Handwerk befürchtet regionalen Flickenteppich

Weil das vorgestellte Ticket nur als teilfinanziertes Förderprogramm angelegt sei, auf das sich Verkehrsverbünde erst bewerben müssen, sei ein regionaler Flickenteppich zu erwarten. Die Verbünde müssen sich mit 30 Prozent an den Kosten beteiligen. "Hier besteht die Gefahr, dass einige Regionen außen vor bleiben oder versuchen, zum Beispiel die Wirtschaft an den Kosten zu beteiligen. Hier gibt es schon erste Ankündigungen", befürchtet das Handwerk.

Der Handwerkstag erwartet eine "willkürliche Ungleichbehandlung". Wer bei seinem Studien- oder Wohnort Pech habe, komme eben nicht in den Genuss eines Jugendtickets und könne nicht landesweit für 365 Euro fahren. Ebenfalls problematisch sei, dass für Studierende der Studienort für die Bezugsberechtigung relevant sei, bei Auszubildenden und Meisterschülern aber der Wohnort. Das könnte alle aus dem ländlichen Raum benachteiligen, kritisiert der BWHT.

Das Handwerk erwartet, dass sich die großen Verkehrsverbünde in Ballungsräumen, die meist Hochschul-Standorte sind, beteiligen. Verbünde in ländlichen Räumen könnten zurückhaltender sein – mit der Folge, dass junge Handwerker in diesen Regionen das Nachsehen hätten.

"Begrenzung auf 27 Jahre grenzt viele Meisterschüler aus"

Reichhold: "Wir fordern daher, dass es ein Wahlrecht gibt und Auszubildende und angehende Meister selbst definieren können, ob Wohnort, Sitz der Berufs- oder Meisterschule oder Betriebsort für das Ticket maßgeblich sein sollten."

Auch die Begrenzung des Alters auf 27 Jahre sieht das Handwerk kritisch, da gerade Meisterschüler dieses Alter häufig überschreiten würden. "Wir würden uns sehr wünschen, dass die Regierungsfraktionen noch einmal in sich gehen und diese Kritikpunkte berücksichtigen. Sonst wird die anfängliche Freude über das angekündigte Jugendticket für viele junge Menschen ohne Not zur Enttäuschung."  

Quelle: BWHT

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Text: / handwerksblatt.de

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