Familienunternehmen: Jürgen Sieger mit Sohn Matthias (v.l.) und Christoph Krause (kl. Bild) (Foto: © HWK Dortmund)

Vom Umbruch im Handwerk und der Hilfe zur Selbsthilfe

Digitalisierung: Geschäftsprozesse mit Erfahrung und Know-how erfolgreich anpassen. Unternehmer berichten.

Christoph Krause redet schnell. Das ist sein Markenzeichen. Für das Kompetenzzentrum Digitales Handwerk ist er ständig unterwegs. Deutschlandweit. Auf Veranstaltungen, Messen, Foren oder auch im kleinen Kreis. Immer im Auftrag von Handwerk 4.0. Der Designer und Digitalstratege hat viel zu sagen und die Leute hören ihm gerne zu.

"Digitalisierung passiert jetzt"

"Digitalisierung passiert jetzt, in diesem Moment", sagt er. "Die Herausforderungen, die sich dadurch für Handwerksunternehmen ergeben, sind groß. Aber die Chancen sind größer." Krause will aufklären und helfen. Geschäftsprozesse zu digitalisieren, ist sein Steckenpferd. Das sei auch der erste wichtige Schritt in der Praxis, sagt er. Und er kenne mittlerweile genug Vorreiter im Handwerk, die zeigen würden, was wirtschaftlich alles möglich sei, wenn "das mit der Digitalisierung" unternehmerisch richtig angegangen werde. Genügend Best Practice-Beispiele habe er deshalb immer im Gepäck. "Zu sehen, was die ,Kollegen‘ bereits erreicht haben, aber auch, mit welchen Tücken sie zu kämpfen hatten, soll als Inspiration und Motivation dienen, den digitalen Wandel anzunehmen. Vor allem seinen eigenen Weg im Umgang damit zu finden."

Virtuelle 3-D-Planung für Zahnimplantate

Zahntechnikermeister Jürgen Sieger hat seinen Weg bereits gefunden. Das Herdecker Zahntechniklabor, das er Anfang der Achtziger zusammen mit Meisterkollege Ulrich Krokowski gegründet hat, ist so ein Vorreiter. Durch die Spezialisierung auf virtuelle 3-D-Planung für Zahnimplantate hat sich der Kundenkreis über die Jahre stark ausgeweitet. "Kieferchirurgen und Krankenhäuser arbeiten regelmäßig mit uns zusammen", erklärt Sieger. Er und sein Team haben die Planungs- und Produktionsverfahren für ihre maßgefertigten Produkte im Laufe der Zeit so akribisch weiterentwickelt, dass sich Ärzte aus dem ganzen Land mittlerweile persönlich vom Handwerksunternehmer im Umgang mit den Implantaten schulen lassen.

Das Handwerk entwickelt sich weiter

Im Herdecker Zahntechniklabor hat man sich den digitalen Wandel zunutze gemacht und mit dem bereits vorhandenen handwerklichen Know-how zu einem lukrativen Geschäftsbereich ausgebaut. Dennoch betont Sieger, dass eine technisch hochentwickelte Hardware wie der 3-D-Drucker zwar die Arbeit in Präzision ermögliche, es ohne Handwerk aber trotzdem nicht gehe. "Zum einen müssen die Geräte eingerichtet und bedient werden, zum anderen kommt dann noch die handwerkliche Feinarbeit des Produkts bis zur endgültigen Fertigstellung hinzu." Hier gehe quasi ein Bereich in den anderen nahtlos über. Der Unternehmer sieht das Handwerk durch den technischen Fortschritt auch nicht schwinden. "Es entwickelt sich weiter." Damit haben er und sein Team sprichwörtlich den Zahn der Zeit getroffen.


Digitalexperte Christoph Krause weiß, dass immer nur ein Schritt nach dem anderen nötig ist, um im ,4.0‘ anzukommen. "Plattform" ist in diesem Kontext daher eines seiner Lieblingswörter. Gemeint ist damit der digitale Zugang zum Kunden, der seiner Meinung nach für Unternehmer immer wichtiger wird. Angefangen mit Serviceleistungen und Informationen, die online angeboten werden, bis hin zur kreativen Business-Kooperation über die Gewerksgrenzen hinaus. Anregungen und individuelle Hilfestellungen für die Umsetzung gebe es zu Hauf. Nicht nur bei Krause im Kompetenzzentrum, sondern auch bei der Unternehmensberatung der Handwerkskammer Dortmund. "Man muss nur auf die Anlaufstellen zugehen, wenn man nicht genau weiß, wie man es angehen soll", sagt er. "Die

Initiative muss jeder selbst ergreifen. Aber wir begleiten gerne." Auch wenn er ständig unterwegs ist, erreichbar sei er immer. Zumindest digital.

Kontakt:

HWK-Unternehmensberatung
Unternehmensberatung@hwk-do.de
hwk-do.de/de/betriebsfuehrung

Kompetenzzentrum Digitales Handwerk
handwerkdigital.de


Handwerk 4.0: Interview mit 

Tischlermeister Gabriel John aus Dortmund

DHB: Was verbinden Sie mit dem Begriff Handwerk 4.0?

Gabriel John: Handwerk 4.0 bedeutet in unserem Gewerk den Einsatz modernster Techniken. Bei der Vermessung von Treppenkonstruktionen kommt zum Beispiel das digitale Aufmaß vermehrt zum Einsatz. Das Gerät erfasst die Maße als Daten und stellt diese grafisch dar. Sie können dann sofort an das eigene Smartphone oder Tablet übertragen werden. Des Weiteren spielt der 3-D-Drucker, den wir in unserem Betrieb bereits einsetzen, eine große Rolle.

DHB: Wie gehen Sie mit dieser neuen Herausforderung um?Gabriel John 2

Gabriel John: Wir nutzen den 3-D-Drucker zur Modellerstellung im Treppenbau. Unsere Kunden können mit Hilfe dieser Methode sofort sehen, wie ihre spätere Treppe aussehen wird.

DHB: Haben Sie schon größere Investitionen in Richtung Handwerk 4.0 oder auch Umstrukturierungen im Betrieb vorgenommen? Planen Sie etwas?

Gabriel John: Bereits gekauft haben wir den "3-D-Drucker Ultimaker 2+ Extended". Im Gespräch ist die Anschaffung eines komplett digitalen Aufmaßsystems.

DHB: Nutzen Sie das Internet intensiv? Homepage? Social Media?

Gabriel John: Unsere Internetseite besteht seit 1995. Dort findet der Kunde eine Auswahl zahlreicher Beispiele zu unseren Treppenmodellen. Im Bereich Soziale Netzwerke betreiben wir seit 2013 eine Facebookseite.

DHB: Wie stellen Sie sicher, dass Ihre Mitarbeiter und Azubis mit den neuen Anforderungen Schritt halten?

Gabriel John: Da die Technik rasend schnell voranschreitet, halten wir es für enorm wichtig, unseren Mitarbeitern die neuesten Produkte und Möglichkeiten regelmäßig intern vorzustellen. 

Fotos: © HWK Dortmund

Text: / handwerksblatt.de

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