Dank Teilzeitausbildung fand Janine Pfeifer, Mutter von Zoey, eine berufliche Perspektive, und Diplom-Ingenieur Volker Kunze eine Auszubildende für seinen SHK-Betrieb. (Foto: © Andreas Buck)

Berufseinstieg mit Kind – das klappt!

Die Teilzeitausbildung ist eine Möglichkeit, eine Ausbildung zu absolvieren, wenn man wegen der Lebensumstände nicht die Zeit hat, eine reguläre Ausbildung zu machen.

Volker Kunze hat einen ungewöhnlichen Weg gewählt, um möglichst vielen Betrieben von den Vorteilen der Teilzeitausbildung zu berichten: Er hat zu diesem Thema einen praktischen Beitrag zu einem Film des nordrhein-westfälischen Arbeitsministeriums geleistet, der im Internet zu sehen ist. Woher diese Begeisterung kam? "Ich habe selbst durch persönliche Kontakte von der hohen Motivation der zumeist jungen Mütter, die eine solche Lehre in Teilzeit anstreben, erfahren", lautet die einfache Antwort. Vor diesem Hintergrund hatte er seine Teilzeitausbildungsstelle im kaufmännischen Bereich über das Online-Portal der Agentur für Arbeit veröffentlichen lassen. "Als ich das las, habe ich unmittelbar hier angerufen, um zu erfragen, ob der Platz überhaupt noch frei ist", beschreibt die 23-jährige Janine Pfeifer, seine jetzige Teilzeitauszubildende, ihre damalige Begeisterung über das seltene Angebot. Heute ist die Mutter eines dreijährigen Kindes im Unternehmen Kunze im zweiten Ausbildungsjahr zur Kauffrau für Büromanagement. Volker Kunze ist außerordentlich zufrieden mit ihren Leistungen, denn ihre Aufgabe nehme sie selbstsicher und verantwortungsvoll wahr.

Ohne Unterstützung ist es schwer

Die Tochter von Janine Pfeifer wird seit einem Jahr für 35 Stunden in einer Kindertagesstätte betreut. "Da ich für meine Ausbildung ein Volumen von 30-Stunden vereinbart habe und täglich einen insgesamt einstündigen An- und Abfahrtsweg habe, reicht dieser Umfang genau dann aus, wenn alles nach Plan läuft", erklärt sie. Allerdings: Ohne die tatkräftige Unterstützung ihrer Mutter und die Kulanz der Kindertagesstätte bei unvorhersehbaren Ereignissen im Betrieb oder im Straßenverkehr würde sie ihre Familienaufgaben kaum mit den Anforderungen ihrer Ausbildung vereinbaren können, betont sie. "Für einen Handwerksbetrieb ist es natürlich schwierig, das Arbeitsende minutengenau zu organisieren", fügt Volker Kunze hinzu. Er beabsichtige deshalb, Kontakt mit der betreffenden Kindertageseinrichtung und der zuständigen Kommune aufzunehmen, um mehr Flexibilität zu erwirken. "Meine motivierten Fachkräfte sind mein Kapital. Da muss ich mich einfach für sie einsetzen, wenn ich sie behalten will", erläutert er sein Engagement für Janine Pfeifer, aber auch für sein gesamtes Team. "Sie alle müssen sich hier wohlfühlen, egal, ob es meine beiden alleinerziehenden Mütter aus dem Büro oder meine Auszubildenden und Fachkräfte aus dem gewerblichen Bereich sind."

Karriereperspektiven im Handwerk

Könnte sich der Geschäftsinhaber angesichts seiner guten Erfahrungen eine Teilzeitausbildung zukünftig auch im Bereich der Anlagenmechanik vorstellen? "Im Kundendienst und auf der Baustelle ließe sich eine Teilzeitausbildung am besten durch weniger, aber dafür ganze Arbeitstage organisieren." Die Arbeitszeit wie bei Janine Pfeifer täglich zu verkürzen, sei angesichts der Außeneinsätze in einem Team viel schwerer zu realisieren. Frauen könne er sich für die Ausbildung zur Anlagenmechanikerin gut vorstellen, da er in der Vergangenheit in diesem Beruf bereits mehrere weibliche Lehrlinge erfolgreich ausgebildet habe.           

Da Volker Kunze weiß, wie wichtig gerade gut qualifizierten Frauen ein Berufsaufstieg ist, hat er bereits überlegt, wie er Janine Pfeifer nach Abschluss ihrer Ausbildung eine attraktive Position in seinem Unternehmen bieten kann. Die junge Frau möchte nach der Ausbildung nebenberuflich gerne studieren. "Da passt es mit der kaufmännischen Ausbildung doch gut, den Abschluss zur Betriebswirtin des Handwerks anzustreben", weist der Chef seine Auszubildende bereits auf eine mögliche Karriereperspektive im Handwerk hin.

 

Film: Zum Film mit Volker Kunze geht es online hier.
Hintergrund: Die Teilzeitausbildung bietet Personen, denen aufgrund eines eingeschränkten Zeitbudgets keine Vollzeitausbildung möglich ist, eine Alternative. Dieses Ausbildungsmodell richtet sich besonders an junge Mütter und Väter sowie Auszubildende, bei denen schwerwiegende persönliche Gründe wie zum Beispiel die Pflege eines nahestehenden Verwandten vorliegen. So kann eine Ausbildung auch trotz Familienverantwortung begonnen beziehungsweise beendet werden.
Ansprechpartnerin: Bei der Handwerkskammer Münster berät Gisela Oster, Tel.: 0251/7051753, E-Mail: gisela.oster@hwk-muenster.de

Text: / handwerksblatt.de

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