Die Vizepräsidenten Edgar Gröber und Bernd Elsen, Hauptgeschäftsführer Axel Bettendorf und Kammerpräsident Rudi Müller (v. l.) kamen mit dem Handwerkerparlament virtuell zusammen.

Die Vizepräsidenten Edgar Gröber und Bernd Elsen, Hauptgeschäftsführer Axel Bettendorf und Kammerpräsident Rudi Müller (v. l.) kamen mit dem Handwerkerparlament virtuell zusammen. (Foto: © Constanze Knaack-Schweigstill)

2020: Krisenjahr und Jahr der Solidarität

Erstmals fand die Herbst-Vollversammlung der Handwerkskammer Trier per Videokonferenz statt.

Mit einer Schweigeminute zu Ehren des am 28. September verstorbenen Ehrenamtsträgers Herbert Tschickardt begann die Herbst-Vollversammlung. Jahrzehntelang hatte sich der selbstständige Zimmerermeister in der Handwerksorganisation engagiert, unter anderem als langjähriges Vollversammlungs- und HWK-Vorstandsmitglied.

Zum ersten Mal per Videokonferenz

Zum ersten Mal tagte das Gremium in einer Videokonferenz. "2020 wird als das Jahr der Corona-Pandemie in die Geschichte eingehen", sagte Kammerpräsident Rudi Müller. "Im Handwerk sind wir viel stärker zusammengerückt! 2020 war ein Jahr der Solidarität für uns." Verbessert habe sich auch der Kontakt zu den Betrieben, betonte Müller. Das zeigen etwa die Zahlen aus der Betriebsberatung mit rund 4.000 Kontakten seit dem Lockdown im Frühjahr – konkrete Hilfe für ratsuchende Mitgliedsbetriebe, etwa zu Hygienevorschriften oder staatlichen Hilfen.

Lob für Solidarität in der Krise

Müller lobte die Solidarität auf allen Ebenen: "Durch die schwere Zeit kommen wir nur gemeinsam! Zusammen haben wir viel erreicht, etwa mit Landesinnungsmeister Guido Witz. Die Friseure konnten weiterarbeiten. Die staatlichen Förderhilfen wurden verbessert. All das konnten wir nur erreichen, weil wir im Handwerk regional sowie auch landes- und bundesweit zusammengehalten und mit einer Stimme gesprochen haben!", sagte er und dankte der Landesregierung für deren vielfältige Bemühungen und Unterstützungen. Insgesamt sei das regionale Handwerk bislang mit einem blauen Auge davongekommen, erklärte Müller und verwies dabei auf die Ergebnisse der Herbst-Konjunkturumfrage. "Das regionale Handwerk ist besser durch die Krise gekommen als andere Branchen. Bau- und Ausbau waren so gut wie nicht betroffen, und auch in Luxemburg konnte nach dem Lockdown zwischen März und Mai eitergearbeitet werden."

Weitere Unterstützung notwendig

Mit ein Grund dafür: Die letzten Jahre waren für das Handwerk sehr gut. So konnten viele Betriebe Rücklagen bilden oder aufstocken. Das zahlt sich jetzt aus, solche Unternehmen sind weniger krisenanfällig. Dennoch sind einige Gewerke – völlig unverschuldet – in eine Schieflage geraten, etwa Friseure, Fotografen, Kosmetiker, Messebauer und Reinigungsfirmen. "Diese Betriebe müssen wir weiter unterstützen – durch Beratung, aber auch handwerkspolitisch, damit viele von ihnen nicht schon wieder durch das Unterstützungsraster fallen", sagte Hauptgeschäftsführer Axel Bettendorf.

Problem: Sinkende Lehrlingszahlen

Eine weitere Herausforderung, an der die Kammer mit Hochdruck arbeitet, sind die sinkenden Lehrlingszahlen. Nach dem harten Rückgang neu abgeschlossener Lehrverhältnisse im Mai von fast 24 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspannt sich die Situation auf dem Ausbildungsmarkt zunehmend. Zum 30. November war das Minus auf rund 6 Prozent gesunken. Derzeit sind gut 500 Lehrstellen offen. "Verglichen mit den IHK-Berufen oder dem Bundesdurchschnitt liegen wir damit gar nicht mal so schlecht", sagte Bettendorf. "Die Lage stellt sich in den Gewerken jedoch recht unterschiedlich dar." Während die Bauberufe sogar zulegen konnten, ist die Nachfrage nach Lehrstellen in Gewerken wie etwa Elektro, SHK, Metallbau oder Tischler stark rückläufig. Am alarmierendsten ist der Verlust von 40 Prozent im Friseurhandwerk, bedingt durch die Hygienevorschriften und das damit verbundene Kontaktverbot.

Blick geht auch nach vorne

Im Lockdown waren auch die Schulabgänger verunsichert und hatten das Nachsehen: Ausbildungsmessen und Berufsorientierungsmaßnahmen mussten pandemiebedingt abgesagt werden. Schnupperpraktika waren in Art und Menge nicht überall wie gewohnt durchführbar. In den Schulen mussten entsprechende Informations- und Orientierungsangebote zurückgestellt werden. Unterdessen war der Betrieb im hochmodern ausgestatteten Berufsbildungs- und Technologiezentrum in Trier-Nord aufgrund der Pandemie zunächst ebenfalls schwer beeinträchtigt. Viele Lehrlingsunterweisungen, Prüfungen und Weiterbildungen konnten inzwischen aber nachgearbeitet werden. Kurse, die in diesem Jahr nicht stattfinden konnten, werden 2021 nachgeholt. Der Beginn des neuen Meisterzyklus musste um zwei Monate verschoben werden. Aber auch hier gibt es ein positives Signal: Die Anmeldezahlen für die Meisterkurse sind wieder gestiegen.

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Text: / handwerksblatt.de

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