Seit zwei Jahren sinkenden Baugenehmigungszahlen. Der ZDB rechnet deswegen nicht mit einer kurzfristigen Verbesserung der Lagen in der Baubranche.

Seit zwei Jahren sinkenden Baugenehmigungszahlen. Der ZDB rechnet deswegen nicht mit einer kurzfristigen Verbesserung der Lagen in der Baubranche. (Foto: © Daniel Kaesler/123RF.com)

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ZDB: "Konjunkturflaute fĂĽr die Baubranche steht noch bevor"

Das Statistische Bundesamt meldet rund 300.000 fertigestellte Wohungen fĂĽr 2023. Laut ZDB kein Grund fĂĽr eine Entwarnung. Die Durststrecke fĂĽr die Branche werde erst noch kommen.

Trotz der knapp 300.000 gebauten Wohnungen im vergangenen Jahr rechnet der Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) mit Problemen für die Branche. "Rund 295.000 Wohnungen sind im vergangenen Jahr gebaut wurden. Das ist noch lange keine Entwarnung für den Markt", sagt ZDB-Hauptgeschäftsführer Felix Pakleppa. "Man darf nicht vergessen: Durchschnittlich zwei bis drei Jahre dauert es von der Genehmigung bis zur Schlüsselübergabe. Was 2023 fertig geworden ist, sind die rund 24 Monate zuvor beauftragten Wohnungen."

Angesichts der seit zwei Jahren sinkenden Baugenehmigungszahlen müsse man leider sagen: "Die Durststrecke kommt erst noch. Denn immer weniger Menschen bauen, die Aufträge bei unseren Unternehmen werden immer weniger. Für dieses Jahr rechnen wir nur noch mit maximal 250.000 fertiggestellten Wohnungen." Ohne den Start der neu angekündigten Förderprogramme im Neubau, ohne geringere energetische Anforderungen und Zinssätze in den KfW-Programmen werde es einen immensen Einbruch am Wohnungsbaumarkt geben, so Pakleppa.

Nachfrageeinbruch und Auftragsschwund

Felix Pakleppa Foto: © ZDBFelix Pakleppa Foto: © ZDB

"Der Wohnungsbau, der wichtigste Impulsgeber des Bauhauptgewerbes, leidet an einer eklatanten Nachfrageschwäche. Wir haben in den letzten beiden Jahren im Wohnungsbau vor allem die Auftragsbestände abgebaut. Neue Aufträge kommen aber zu wenige nach. Bereits im vergangenen Jahr mussten unsere Wohnungsbaufirmen real fast 20 Prozent weniger Aufträge verkraften als 2022. Im ersten Quartal 2024 verzeichnen wir nun einen weiteren Rückgang zum niedrigen Vorniveau um real sechs Prozent."

Eine aktuelle Konjunkturumfrage im Baugewerbe zeige die schlechte Stimmung in der Branche. Die derzeitige Geschäftslage werde nur noch von 51 Prozent der Unternehmen als gut oder befriedigend eingestuft. Fast die Hälfte der Unternehmen bewertet sie als schlecht. Im Vorjahr war es nur ein Drittel. Auf die Gesamtstimmung drücke besonders der Wohnungsbau. Im Frühjahr 2023 hatten 40 Prozent der Wohnungsbaubetriebe ein negatives Urteil abgegeben, im Herbst 2023 waren es 55 Prozent, jetzt sind es über 60 Prozent.

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Fehlende Aufträge bremsen Bauwirtschaft

Auch die Lagebeurteilung zum Wirtschaftshochbau habe nachgegeben. "Hier sehen nur noch knapp die Hälfte der Unternehmen eine gute oder zumindest befriedigende Lage. Vor einem Jahr waren es noch zwei Drittel der Unternehmen, die positiv votiert haben. Einzig im Tiefbau gibt es Lichtblicke. Der Saldo der Rückmeldungen zur Geschäftslage ist hier nahezu ausgeglichen. Mit gut stimmen bundesweit circa 26 Prozent, mit schlecht circa 28 Prozent der Unternehmen. Knapp die Hälfe der hier tätigen Unternehmen beurteilt die Lage immerhin mit befriedigend."

Fehlende Aufträge sind seit zwei Jahren der Hauptgrund für Baubehinderungen. 60 Prozent der Unternehmen melden das aktuell. Der Mangel an Fachkräften hat unter der schwachen Nachfrage nur geringfügig nachgegeben. Die Hälfte der Unternehmen meldet weiterhin einen Fachkräftemangel. Pakleppa: "Die Betriebe wollen offensichtlich gerüstet sein, wenn die Nachfrage wieder anzieht. Diese Frist zu überbrücken, wird zu einer immer größeren betriebswirtschaftlichen Herausforderung, gerade für die Wohnungsbauer."

"Wohnungsbauzahlen zeigen dringenden Handlungsbedarf"

An den Wohnungsbauzahlen sei deutlich zu erkennen, dass Bauherren und Investoren dringend auf den Start der neu angekündigten Förderprogramme warten. "Politische Ankündigungen reichen nicht, eine Umsetzung im zweiten Halbjahr kommt zu spät. Genauso wichtig ist es zum einen, die Zinssätze in den KfW-Programmen zu senken. Zum anderen müssen wir die energetischen und technischen Anforderungen runterschrauben. Sie sind der Hauptgrund, dass die Baukosten in den vergangenen vier Jahren um über 40 Prozent gestiegen sind. Hier liegt immenses Potential für einen Wohnungsbau-Boom."

Quelle: ZDB

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Text: / handwerksblatt.de

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