(Foto: © Rüdiger Gottschalk)

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Auf den Spuren von Rosamunde Pilcher

Panorama

Der Bann der ZDF-Reihe „Rosamunde Pilcher“ zieht seit jeher deutsche Touristenströme auf die englische Halbinsel Cornwall. Die Grafschaft überzeugt mit mediterranem Flair und feinster Braukunst.

Bitte machen Sie ein Foto von uns!" Fast sehnsüchtig rufen die beiden Damen, Mutter, so etwa Mitte 40, und Tochter, so um die 24 Jahre alt, den Fotografen herbei. Die Filmkulisse um das Prideaux House hat sie verzaubert, vielleicht noch mehr als dies im heimischen Wohnzimmer den Filmemachern von ­Rosamunde Pilcher je gelungen ist. In schöner Regelmäßigkeit zieht hier im elisabethanischen Landhaus in Padstow das ZDF ein und dreht nach einigen Umräumaktionen die Romane der britischen Erfolgsautorin ab. In der traumhaft schönen Landschaft von Cornwall. 

 

Deutsche dominieren

Busladungen mit deutschen Touristen strömen an Nichtdrehtagen über das Gelände oder lassen sich von deutschen Fremdenführerinnen durch die adeligen Hallen führen. 28.000 Besucher zählen die Verwalter des Hauses jährlich, davon kommen 80 Prozent aus Deutschland. 81 Zimmer bietet das Haus, die Eingangstür aus schwerer Eiche wurde 1592 eingehängt. Hier ist alles aus altem Holz und vor allem blaublütig: die königlichen Gemälde, das kostbare Porzellan, die alten Möbel, Sessel und Sekretäre aus allen möglichen Epochen – die Schrankwände der Bibliothek fassen 6.000 Bücher. "In England ist abgenutzt schick und edel, neue Möbel sind nur was für Neureiche." Vineeto Wansleben kennt die Familie Prideaux-Brune gut und führt die älteren Damen und Herren, ausnahmslos Pilcher-Fans, durch die geschichtsträchtigen Hallen. Der aktuelle Herrscher dieser Hallen, Peter Prideaux-Brune, kann dabei schon mal Zigarette rauchend in einem der riesigen Sessel verweilen.

Der betagte Hausherr hat die Tore seines Hauses aus rein monetären Gründen aufgemacht. Wer in England keine Erbschaftsteuer zahlen möchte, muss seine Gemächer dem Publikum zu Bildungszwecken öffnen. Alles andere wäre finanzieller Selbstmord. Und wer Geschichte hier vor Ort erleben will, kann sich geistig austoben. Kreuzritter lebten hier, die Gegner des verhassten Königs Charles I., Kriegshelden, erfolgreiche Rechtsanwälte. Die Creme der britischen Gesellschaft. Vineeto Wansleben, die seit 22 Jahren in England lebt, zeigt auf hölzerne Tiere, die bewegliche Gliedmaßen haben. Der Mechanismus funktioniert zwar heute nicht mehr, aber es gab Zeiten, da mussten die katholischen Hausherren nebst ihres Geistlichen hinter einer Geheimtür verschwinden. Gefährliche Zeiten für Katholiken auf der britischen Insel!

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Hausherr Peter spielt mit

Natürlich gibt es auch kleine romantische Geschichten zur Geschichte. Vineeto Wansleben verweilt vor einem Gemälde, das Rev. Charles I. Prideaux-Brune zeigt, der von 1760 bis 1833 lebte. Er ging, wie viele junge Adelige, auf Bildungstour durch Europa. Ließ sich in Italien von einer Bürgerlichen malen, die auftragsgemäß das Gemälde nach England schickte. 150 Jahre später fanden Restauratoren durch Zufall hinter den Abdeckungen einen Liebesbrief, der seinen Adressaten nie erreichte. Die Pilcherfans seufzen. Spätes Mitgefühl für eine verhinderte Liebe. 

Hausherr Peter ist übrigens immer wieder in Ptilcher-Filmen in Nebenrollen zu sehen. Selbstverständlich kennen alle Mitarbeiter die Erfolgsautorin persönlich, diese nette  Dame mit Stil, die in Cornwall geboren wurde und mittlerweile in Schottland lebt. Sie hat das Tourismuswunder in Cornwall ausgelöst. Amerikaner und Deutsche vor allem strömen in die äußerste Spitze Englands, die ehemals reichste Grafschaft des Landes. Die vielen einzigartigen Reiseziele auf dem Weg nach Land`s End, Mousehole, St. Ives und natürlich Padstow sind auf beinah eingerahmten kleinen Straßen zu erreichen. Links und rechts hohe Blumenhecken, dann wieder schroffe Klippen, wo sich das Meer austobt, Steinmauern, die die schier endlos weiten Weiden säumen. Auf einer solchen Weide grast auch die Damwildherde der Familie Prideaux-Brune. Die älteste Englands! Die Legende besagt, dass die Linie der Familie ein baldiges Ende findet, sobald die Herde sterben sollte. Den Eindruck machen die munter grasenden Tiere nun ganz und gar nicht. Entschuldigung! Aber das passt auch einfach nicht ins Drehbuch von ­Rosamunde Pilcher.

Anreise:
Vom Kontinent in die englischen Seehäfen, zum Beispiel nach Dover. Oder mit dem Shuttle, also im Kanaltunnel nach Folkestone. Direktflüge gibt es von Düsseldorf nach Newquay.

Buchtipp:
Ralf Nestmeyer, Cornwall & Devon 
288 Seiten mit 138 Farbfotos inkl. herausnehmbarer Karte. 4. Auflage, 16,90 Euro, ­Michael Müller Verlag 
ISBN: 978-3-89953-833-5 
E-Mail: nass@verlagsanstalt-handwerk.de


Dolvean House
Liebevoll geführtes Bed & Breakfast der gehobenen Klasse in Falmouth. Sehr gut ausgestattete Bäder, prima Frühstück, alles zubereitet von einer Besitzerin, die mit viel Charme und Wissen über Cornwall auf­warten kann. Sie stammt übrigens aus Bonn und ist verheiratet mit dem ­erfahrenen ­Hotelmanager Shaun.

Budock Vean
Ein Resort mit Hotelzimmern der 4-Sterne-Kategorie, Cottages und Ferienhäuser für Selbstversorger. Natural-Health-Spa und einladende Küche. Liegt am Helford River.

The Old Coastguard Hotel
Ein schmuckes Premium-Hotel in dem ­Gemäuer der ehemaligen Küstenwache. Sehr gute Küche, lebhaftes Pub, geniale Lage am Ortseingang von Mousehole, ­südlich von Penzance. Der Clou ist das höchste Zimmer mit Meerblick von der ­Badewanne aus.

Treglos Hotel
Haus aus den dreißiger Jahren mit feiner Küche, gutem Restaurantpersonal und einem Service, der sich stets bemüht. Liegt wenige Kilometer entfernt von Padstow. Zimmer zur Seeseite sind bestimmt schöner als der Blick auf die Garagen.

The Metropole Hotel
Altes Traditionshaus etwas oberhalb von Padstow. Die Website ist einladender als der Anblick der Fassade. Dennoch sehr beliebt.

Strand House Padstow Harbour
Padstow ist schon wegen seines kleinen Hafens eine Reise wert. Das Bed & Breakfast Strandhouse liegt ideal fuß­läufig im Ortskern. Nette, typisch britische ­Einrichtung.

Cornwalls schöne Gärten

Blick vom Hotel Old Coastguard auf die Bucht von Mousehole. Blick vom Hotel Old Coastguard auf die Bucht von Mousehole.

Die Gärten von Cornwall sind berühmt und haben die Kontinaleuropäer nach Cornwall gelockt. Renate Davie (renate.davie@dolvean.co.uk) oder Vineeto Wansleben ­(cornwall@wansleben?.de) – beide Fremdenführerinnen – führen unter anderem auch durch diese Gärten. Trebah Garden ist so ein verwunschener Platz mit Pflanzen, die der Besucher beim ersten Bestaunen gar nicht in dieser Ecke Europas vermutet: exotische Palmen, rhabarberähnliche Riesengewächse aus Brasilien, fast 20 Meter hohe Rhododendren, deren Samen meist von Pflanzenexpeditionen stammen. Diese Wissenschaftsreisen führten die Engländer Ende des 19. Jahrhunderts nach Übersee. Die Pflanzenpracht in den kornischen Gärten ist atemberaubend. Trebah Garden liegt unweit von Falmouth, einem ehemals kleinen Fischerörtchen, das die Expeditionsschiffe wegen seines tiefen Seehafens nicht nur mit Pflanzen anliefen. Für Renate Davie ist Cornwall der Kindergarten der Gärten von Kent. Hier zogen Züchter diese Pflanzen, akklimatisierten sie dank des milden Klimas. In den Gärten von Kent fanden sie dann ihren neuen Pflanzort.

Allgemeine Information
Glendurgan 
Lost Gardens of Heligan
Potager
Trelissick
Trebah Garden

Brauerei statt Büro

Caron und Des Archer sind coole Jungbrauer. Ihre Padstow Brewing Company läuft. Caron und Des Archer sind coole Jungbrauer. Ihre Padstow Brewing Company läuft.

Die heutigen Brauer Caron und Des Archer hatten irgendwann genug von ihren Bürojobs und sattelten um: Heute sind die beiden zugereisten Mittfünfziger Besitzer der Padstow Brewing Company. Beide brauen seit 2013 feine Biere, die immer größeren Absatz finden. Caron ist die einzige Chef-Brauerin in Cornwall. Sie liebt es mit verschiedenen Hopfen und Malzen zu experimentieren, bis das wirklich köstlich schmeckende Padstow IP, ein Indian Pale Ale, oder das Padstow Pride ins Glas geschüttet werden kann. 9.000 Pints produzieren sie pro Woche. Dabei haben sie zunächst ganz klein mit Experimentier­gerätschaften begonnen. "Wir haben Lehrgeld bezahlt, aber jetzt läuft es", berichtet Caron. Im Herbst 2013 investierten sie eine erkleckliche Summe in eine 10-Barrel-Brauerei. Gelernt haben sie bei Dave Lang aus Devon, dem wohl bekanntesten Brauer im Südwesten. "Er weiß, was er tut", sagt Caron. Gewinner zahlreicher Auszeichnungen und über 20 Jahre Brauerfahrung. Wer Zeit und Lust hat, eine Tour durch die Minibrauerei zu machen, kann sich den Brauprozess anschauen und beteiligen.

Padstow Brauerei
Fotos: Rüdiger Gottschalk

Text: / handwerksblatt.de

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