In der Schmiede der Abtei Königsmünster arbeiten zurzeit vier Auszubildende. Sie profitieren von dem Wissen des Metallbaumeisters und Mönch Pater Abraham Fischer (r.).

In der Schmiede der Abtei Königsmünster arbeiten zurzeit vier Auszubildende. Sie profitieren von dem Wissen des Metallbaumeisters und Mönch Pater Abraham Fischer (r.). (Foto: © Inga Geiser)

Im Handwerk lernt jeder von jedem

Pater Abraham Fischer ist Mönch und Metallbaumeister. Im Gastbeitrag geht der Schmied der Frage nach der Wichtigkeit einer gemeinsamen Arbeit von Jung und Alt nach.

Seit 1988 gibt es die Schmiede der Abtei Königsmünster. Der Betrieb wuchs mit den Jahren immer mehr und expandierte auf derzeit acht Mitarbeitende. Waren zu Beginn als wir noch zu zweit waren, die Aufgaben wenig verteilt, und jeder machte im Grunde alles, so haben sich mit der Zeit Schwerpunkte, Qualifikationen und Begabungen herauskristallisiert. Sie trugen einerseits zur Effizienz des Betriebes bei, andererseits zeichneten sie aber auch das Bild einer sozialen Gemeinschaft im Handwerk nach.

Im historischen Handwerksbetrieb des Mittelalters war handwerkliches Miteinander nicht nur Arbeitsgemeinschaft, sondern auch Lebensgemeinschaft. Man lebte und arbeitete unter einem Dach. Oder die Handwerker waren in einem Handwerkerverband auf Wanderschaft. Der Handwerksmeister führte einen größeren Haushalt, in dem Auszubildende und Gesellen gemeinsam schafften, aßen und schliefen. Unter den Mitarbeitenden gab es eine klare Rangordnung. Wer zum Meister aufstieg und die entsprechenden Prüfungen bestanden hatte, der musste nicht nur Kapital für eine Betriebsausstattung aufbringen können, sondern auch ein Lebenshaus für die Arbeitsgemeinschaft zur Verfügung stellen

Vom Unwissenden zur Fachkraft

Auch wenn Pater Abraham nicht mehr in der Schmiede tätig ist, so ist er dennoch der Gestalter der Arbeiten. Foto: © Inga GeiserAuch wenn Pater Abraham nicht mehr in der Schmiede tätig ist, so ist er dennoch der Gestalter der Arbeiten. Foto: © Inga Geiser

Im Grunde genommen sind auch die Werkstätten heutzutage noch solche Mehrgenerationengemeinschaften. Es gibt die jüngsten – temporären – Mitglieder: junge Menschen, die meistens in der achten Schulklasse ein Praktikum absolvieren und so erste Erfahrungen mit dem Berufsleben sammeln und gleichzeitig eine Orientierung hin zur Berufswahl bekommen.

Junge Menschen sind eine Bereicherung für den Betrieb. Außerdem sind die Fragen dieser "Unwissenden" nach dem für die Fachleute "Selbstverständlichen" immer wieder auch eine Überprüfung. Es bereichert, begabte junge Menschen um sich zu haben. Tut es uns allen nicht gut, wenn jemand mit staunenden Augen dabeisteht und spürt, das will der Jugendliche auch mal können?

Deshalb sind die Auszubildenden so wichtig. Wissen und Können entfalten sich nur, wenn sie weitergegeben werden. Warum machst du das so und nicht anders? Wie funktioniert das? Man kommt ins Nachdenken, Überdenken und entwickelt sich selbst und auch den Auszubildenden weiter. Und wenn es nur die Bestätigung sei, dass alles so gut ist wie es ist. Fragen stören nie, sie bereichern und eröffnen manchmal neue Wege. Um unseren Ordensvater Benedikt zu zitieren: "Dass aber alle zur Beratung zu rufen seien, haben wir deshalb gesagt, weil der Herr oft einem Jüngeren offenbart, was das Bessere ist." (RB 3,3)

Zitat "Tatsächlicher Ausbilder ist oftmals der Geselle. Er ist – betrachten wir die Auszubildenden als Jüngere – ein Älterer. Der Geselle zeichnet sich durch Arbeitserfahrung aus." (Pater Abraham Fischer)

Tatsächlicher Ausbilder ist oftmals der Geselle. Er ist – betrachten wir die Auszubildenden als Jüngere, ein Älterer. Der Geselle zeichnet sich durch Arbeitserfahrung aus. Er weiß, wie die Arbeitsschritte funktionieren und er kann einschätzen, wann eine Rückfrage ansteht. Im Handwerk lernt man durch Erfahrung und Ausprobieren und mehr durch Abschauen, denn durch Zuhören. Handwerker sind optische Menschen, die sehen und nachmachen. Gesellen sind das produktive und auch das menschliche Fundament jeder Werkstatt. Sie führen und prägen die jüngeren und sind im Idealfall in der Lage, mit gleichbleibender Gelassenheit die Aufträge zu erledigen. Hier entstehen die Produkte des Betriebs.

Meistersein ist eine Herausforderung

Pater Abraham Fischer Foto: © Inga GeiserPater Abraham Fischer Foto: © Inga Geiser

Der Meister aber hat den Überblick, leitet Gesellen wie Auszubildende an und trägt die Verantwortung für den Betrieb. Der Kontakt zu Kunden und Zulieferern ist ebenso sein Arbeitsfeld wie die wirtschaftliche Kalkulation. Wenn der Betrieb die Kosten erwirtschaften will und vielleicht einen Gewinn abwirft, dann ist das die Leistung des Meisters. Schillers Glocke beschreibt den Unterschied vom Gesellen zum Meister treffend: "Winkt der Sterne Licht, Ledig aller Pflicht, Hört der Bursch die Vesper schlagen, Meister muss sich immer plagen." Ist der Geselle noch bei der Mühe des anstehenden Projektes, so denkt der Meister weiter und bereitet vor und organisiert das Werkstattgeschehen. Dazu kommen Qualitätssicherung und Nachkalkulation. Wer heutzutage als Meister einen Handwerksbetrieb leitet, der ist in jeder Hinsicht herausgefordert und das Gefühl, dass der Tag 48 Stunden haben müsste, ist nicht fremd.

Daher kann sich auch jeder jüngere Meister glücklich schätzen, wenn er auf einen Mentor zurückgreifen kann. Einen Meister, der nicht mehr in der Hitze des Alltagsbetriebes steht, sondern seine aktive Zeit hinter sich hat. Heutzutage werden ältere Mitarbeitende mitunter als "unproduktiv" diffamiert. In gewisser Hinsicht stimmt das. Handwerk erschöpft den Menschen körperlich, und die Tage großer Leistungsfähigkeit sind durchaus begrenzt, aber es wächst parallel zu diesem Abnehmen ein Wert an, der sehr effizient sein kann: Erfahrung, manchmal sogar Weisheit. Der Mentor nun kann den Meister stützen, ermutigen und ihm so Rückhalt für das Tagesgeschäft geben.

Noch kein Meister vom Himmel gefallen

Sie merken, liebe Leserin, lieber Leser, es ist ein Prozess: Keiner kommt als Meister auf die Welt, sondern Handwerk ist ein Weg kontinuierlicher Entwicklung. Man durchschreitet die Generationen einer Werkstatt und findet seinen Ort. Das ist das wichtigste. Gerade junge Menschen lassen sich nicht mehr beruflich biegen. Sie wollen sich entwickeln und das arbeiten, was innerlich erfüllt und befriedigt. Im Handwerksbetrieb lernt jeder von jedem. Keine Frage ist überflüssig. Sie hilft weiter! Wie im echten Leben.

"Macher im Handwerk" Bei "Macher im Handwerk", dem Podcast von "Germanys Power People", erzählt Pater Abraham Fischer im Gespräch mit Jessica Reyes, wie Unternehmen junge Menschen für eine Ausbildung im Handwerk begeistern können und wie er die Zukunft des Handwerks sieht. germanyspowerpeople.de/podcast

Text: / handwerksblatt.de

Das könnte Sie auch interessieren: