Ausschnitt eines Porträts von Konrad Adenauer / Helga Tiemann: Öl auf Leinwand, 1967. (Foto: © Jürgen Ulbrich)

Ausschnitt eines Porträts von Konrad Adenauer / Helga Tiemann: Öl auf Leinwand, 1967. (Foto: © Jürgen Ulbrich)

Adenauer: Der Politiker als Erfinder

Rhöndorf: Konrad Adenauer war einer der großen Staatsmänner des 20. Jahrhunderts. Und er war ein detailverliebter Tüftler.

"Schwer zu beantworten, ob er handwerklich begabt war", sagt Museumspädagogin Claudia Waibel von der "Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus" in Rhöndorf/Bad Honnef. "Handwerkliche Aufträge hat er immer nach außen vergeben, was aber nicht heißt, dass er es nicht selbst konnte", ergänzt sie. Eine Begabung Konrad Adenauers (1876-1967), Spross einer Kölner Bäckerfamilie, langjähriger Oberbürgermeister der Stadt Köln und erster Kanzler der Bundesrepublik Deutschland, ist allerdings gesichert: er war Tüftler und Erfinder.

Gartenliebhaber Adenauer und die Schädlinge

1937 bezogen die Adenauers ihr Haus mit Drachenfels-Blick. Vater Konrad – des Amtes als Kölner OB enthoben und von den Nationalsozialisten aus seiner Heimatstadt vertrieben – beschäftigte sich am Zennigsweg 8a als Zwangsruheständler mit viel Zeit detailverliebt mit der Korrespondenz zu seinen Erfindungen. So etwa über die "Elektrobürste zur Schädlingsbekämpfung". Gartenliebhaber Adenauer wollte den ungeliebten Mitbewohnern gleich doppelt an den Kragen, mittels Gift und Strom. Die dicke Akte zu dem Vorgang verdeutlicht, dass sein Geistesblitz vom Patentamt vehement abgelehnt wurde. Zu groß war die Gefahr, dass nicht die Schädlinge starben, sondern derjenige, der die feuchte Elektrobürste in der Hand hielt. Adenauers zweite Frau Gussie und die jüngste Tochter Libet berichten, dass bei den Versuchen sogar einige Rosensträucher in Flammen aufgingen.

Erfinder des Maisbrotes

"Adenauers Erfindertum ist schon als Kind belegt", erzählt Waibel, "er versuchte, Geranien und Stiefmütterchen zu kreuzen. Es klappte nicht, zeigt aber, dass er sich früh Gedanken machte, was man erfinden oder optimieren kann." Im Kriegsjahr 1915 entstand Adenauers erste vollständig umgesetzte Erfindung, seinerzeit war er als Erster Beigeordneter für die Kölner Lebensmittelversorgung zuständig. Das "Verfahren zur Herstellung eines dem rheinischen Schwarzbrot ähnelnden Schrotbrotes" entwickelte er mit den Bäcker-Brüdern Jean und Josef Oebel. Mit zunächst mäßigem Erfolg. Das Maisbrot, auch Kriegsbrot genannt, war nass, matschig-pappig und wegen der Feuchtigkeit des Mais nach einem Tag verschimmelt. Adenauer ließ den Mais deshalb zu Mehl mahlen und dieses vor der Verarbeitung dörren.

Resultat: ein nahrhaftes wie lang haltbares Brot, das der Bevölkerung in den Hungerzeiten des Ersten Weltkriegs sicher geschmeckt hat. Das Maisbrot blieb Adenauers einzige Erfindung, die in Deutschland ein Patent erhielt. Sein "Verfahren zur Geschmacksverbesserung von eiweißreicher und fetthaltiger Pflanzenmehle und zur Herstellung von Wurst", die "Soja-Wurst", erhielt zwar ein britisches und ein österreichisches Patent, scheiterte aber am deutschen Lebensmittelrecht.

Affinität zu Gebrauchsgegenständen

Adenauers spätere Erfindungen zeigen seine generelle Affinität zum Garten und zu Gebrauchsgegenständen. So eine Gartenharke mit Hammerkopf, um Erdklumpen mittels eines angeschweißten Fleischklopfers zu zertrümmern. Oder seine Gießkanne mit aufklappbarem Brausekopf. Die "Brausekopf"-Korrespondenz erstreckte sich über zwei Jahre, Adenauer zog sämtliche Register – doch das Patentamt lehnte auch diesen Antrag ab. Das Ende des Zweiten Weltkrieges markierte auch das Ende der mitunter skurrilen Erfindungen Adenauers, der sich wieder seiner Berufung, der hohen Politik, zuwandte. Sein "Adenauer-Brot" hat ihn überlebt, es wird in modifizierter Form in zwei Bäckereien in Köln-Mitte und Bad Honnef bis heute gebacken.
 
Bis zu 37000 Besucher besichtigen jedes Jahr die Politikergedenkstätte des Bundes am Fuße des Drachenfels mit Wohnhaus und Garten. Das Ausstellungsgebäude wurde nach der Modernisierung am 19. April 2017 zum 50. Todestag von Konrad Adenauer wiedereröffnet.

Adresse der Gedenkstätte und des Ausstellungsgebäudes: Konrad-Adenauer-Straße 8c, D–53604 Bad Honnef
Öffnungszeiten:
7. Oktober bis 30. April: Dienstag-Sonntag: 10.00-16.30 Uhr. Führungen durch Wohnhaus und Garten von 10 bis 16 Uhr zu jeder vollen Stunde.
1. Mai bis 5. Oktober: Dienstag-Sonntag: 10.00-18.00 Uhr, letzte Führung zum Wohnhaus 17.15 Uhr. Führungen nach Bedarf. Montag geschlossen!
Ausnahme: Pfingstmontag. Die Gedenkstätte bleibt an folgenden Tagen geschlossen: 24., 25., 26., 31. Dezember und 1. Januar sowie an den Karnevalstagen (Weiberfastnacht, Karnevalssamstag, -sonntag und Rosenmontag).

Der Eintritt ist frei! Der Besuch des Wohnhauses ist nur im Rahmen einer Führung möglich! Gruppen ab 10 Personen werden um Anmeldung gebeten:
Tel. 02224-921-234, Fax 02224-921-111, E-Mail: besucherdienst@adenauerhaus.de

Alle Infos zur "Stiftung-Bundeskanzler-Adenauer-Haus"

Text: / handwerksblatt.de

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