Die ehemalige Stahlregion Luxemburgs ist 2022 Kulturhauptstadt und zeigt, was sie zu bieten hat.

Die ehemalige Stahlregion Luxemburgs ist 2022 Kulturhauptstadt und zeigt, was sie zu bieten hat. (Foto: © claude piscitelli - www.pitsch.lu)

Das Land der Roten Erde

Im Minett, wie es die französischen Nachbarn liebevoll nennen, schufteten jahrhundertelang Bergarbeiter und bauten Erz ab. Heute stehen die Gebiete für Nachhaltigkeit, Re-Naturierung und kulturelle Kreativität.

Schwarz Weiß, der Besucher mag meinen, die kleine Ausführung von Juventus Turin spielt hier an der Rue Renaudin. Hier aber regiert Jeunes D‘Esch, der Traditionsverein aus Esch. Das Wappen des Fußballclubs erinnert in der Tat an Juventus, viel Schwarz, viel Weiß, die Trikots sind ebenfalls schwarz-weiß gestreift. Es könnte so viel stimmen an dem Vergleich mit der großen alten Tante Juve aus Turin.

Fußball verbindet

Die Region Minett bietet Bikern interessante Trails in einer renaturierten Landschaft. Foto: © LFT_ASchösserDie Region Minett bietet Bikern interessante Trails in einer renaturierten Landschaft. Foto: © LFT_ASchösser

Das Eingangstor des Stadions ist flankiert von kleinen Steinhäusern. Die Rue Renaudin erzählt Arbeitergeschichte, die Geschichte der Stahlarbeiter und Kumpel im Erztagebau. Vor allem Italiener kamen vor vielen Jahrzehnten nach Luxemburg und schufen hier eine neue Heimat für ihre Familien. Journalisten liebten die Geschichte vom Italo-Verein Jeunes D‘Esch, überlieferten dies Jahrzehnte lang. Bis einige Historiker und Historikerinnen die schöne Legende ins Reich des Märchens verdammten. Jeunes D‘ Esch ist in seinem Gründungsjahr 1907 ein bürgerlicher Verein, Mannschaften zusammengesetzt aus Ur-Luxemburgern. Das Schwarz und Weiß steht für Sterben oder Siegen. Vor allem Luxemburger Jungs prägten den Verein in seiner Anfangszeit. Erst nach und nach spielten die jungen Spieler der Zugereisten aus Italien in der Ersten Mannschaft, vor allem in den 30er Jahren mischten sich italienische Arbeiterjungs mit Luxemburger Händlersöhnen bei der Mannschaftaufstellung. Die Jeunes sind ein schönes Beispiel für gelungene Integration, ohne die Einwanderer aus Italien mit ihrem Bergbau-Know-how ging im Tagebau gar wenig und schließlich auch fußballerisch nichts.

Strukturwandel in der Kulturhauptstadt

Der Süden Luxemburgs, die Großregion Esch hat genau das erlebt, was das Ruhrgebiet in Deutschland oder Lothringen in Frankreich erleben mussten: einen knallharten Strukturwandel.

"Hier ist Erz abgebaut worden, um es zu Metall zu verarbeiten, all das bis in die 70er Jahre, bis die Betreiber feststellten, dass sie nicht mehr wettbewerbsfähig waren."

In diesem Februar feiert die Region, Esch und zehn umliegende Gemeinden, mit den in Frankreich angrenzenden Departments das Jahr der Europäischen Kulturhauptstadt.

Gäste aus allen Teilen Europas sind willkommen zu Festivals, zu spannenden Events in der Kulturfabrik in Esch-sur-Alzette, zu Museumsbesuchen, zu Wanderungen durch die renaturierten Industrieflächen des Minette.

Hier weht einen die Geschichte, der harte Arbeitsalltag der Kumpel an, wenn man durch die Räume der Industriebauten des Industrieparks Fond-de-Gras geht. Hier ist Erz abgebaut worden, um es zu Metall zu verarbeiten, all das bis in die 70er Jahre, bis die Betreiber feststellten, dass sie nicht mehr wettbewerbsfähig waren. Mit Loks und kleinen Trolleys haben sie ihr abgebautes Gut zuvor transportiert. Was früher harte Arbeit für Kumpel und Eisenbahner war, ist heute Touristenmagnet und Reiseabenteuer: Besucher und Besucherinnen können mit den Dampfloks und historischen Personenwagons durch das Minett fahren. Das Fond-de-Gras ist einer von fünf Orten der 35 Kilometer langen Minett-Tour.

Eine neue Region

Schwieriger Wettbewerb, das kennen die Luxemburger beim Erz, aber auch beim Fußball: Eine kleine Parallele gibt es zu der Jeunes, als sie gegen Liverpool, Bayern oder auch gegen Juventus in internationalen Wettbewerben antreten musste. Aber die Luxemburger lassen sich von Niederlagen nicht kleinkriegen. Es muss auch die Zähigkeit der Europastämmigen sein, die dieses Land so prägt. Die der vielen Italiener, aber auch Portugiesen und Spanier, die ihr Wissen als Bauhandwerker ins Großherzogtum brachten. Dass nach den blühenden Industriejahren die Banker das Sagen hatten, erklärt, wieso Luxemburg nun an vielen Standorten so unendlich erfolgreich wirkt. Mit seinen schicken Bauten und toller Architektur. Ein Insider aus dem Bankgewerbe verrät, dass die Branche sehr kreativ mit Geld aus den Nachbarstaaten umgehen konnte, aber das ist alles Geschichte. Und den ein oder anderen Bankskandal sparen wir uns. Der Bürgermeister von Esch hat schon einige Male klargemacht, dass Luxemburg nicht nur aus Banken besteht, sondern viel viel mehr zu bieten hat.

Wenn man ins Belval fährt, betrachtet man sprachlos, das, was nun gefeiert werden soll. Die Architektur des Strukturwandels. Neben dem perfekt restaurierten Stahlwerk sind Shoppingmals entstanden, aus den Hotelzimmern des IBIS schaut der Gast an dem Stahlwerk rauf und runter. Zum Greifen nah blinkt das alte Metall. Die Universität hat sich hier schon länger in einem architektonisch beeindruckenden Gebäude eingerichtet. Der Bahnhof von Belval ist modernste Architektur, all das kann man mit Fahrrädern umkurven, das Radwegenetz muss noch ein wenig professionalisiert werden.

Aber eine traditionelle Autonation kann man nicht in so kurzer Zeit in das Jetzt der Radfahrer der Niederländer oder Flamen katapultieren. Doch die Schritte werden immer größer und schneller.

Die Mischung macht‘s

In Belval sollen 7.000 Menschen studieren, dieselbe Zahl lebt hier, 20.000 pendeln ins Belval, um zu arbeiten. "Früher sind die Luxemburger aus dem Norden kaum nach Süden gekommen", erzählt ein Escher. Das wird sich mit Esch 22 ändern. 130 Projekte haben die Luxemburger und französischen Partner von Esch 22 auf die Beine gestellt, die von den Machern der großen Feiern ausgesucht worden sind. Wohl gemerkt, im Osten des Belval wird immer noch Stahl produziert. Die Mixtur zwischen Industrie und kultureller Kreativität macht es!

Willkommen in Esch

Foto: © LFT_RenataLussoFoto: © LFT_RenataLusso

Gemeinsam mit Novi Sad in Serbien und Kaunas in Litauen feiert Esch-sur-Alzette in Luxemburg 2022 ein Fest der Kultur, der Musik und der Lebensfreude. Das neue DHB-Spezial Esch bietet umfangreiche Informationen über Luxemburg, die Region Esch mit vielen Infos und Tipps. 

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Text: / handwerksblatt.de

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