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Der Meister, die Gurke und die Curly Whirlies

Jenseits unserer Grenzen wird das Können deutscher Handwerker oft überaus geschätzt. Wer den Sprung ins Ausland wagt, hat deshalb gar nicht so selten wirtschaftlichen Erfolg. Ein Beispiel ist der deutsche Konditor Gerhard Jenne in London.

Das Straßenschild an der Roupell Street ist verblasst, daneben prangt ein schickes neues. Die Straßenzeichen sind Sinnbild für den Wandel der Londoner Southbank. Früher sei hier totes Gelände gewesen, eine Riesenbaustelle um die Waterloo-Station. "Die Leute haben mich für wahnsinnig erklärt, hier zu investieren", erzählt Gerhard Jenne, deutscher Erfolgs-Konditor in der britischen Metropole. 20 Jahre ist es jetzt her, dass der heute 53-Jährige aus dem badischen Bahlingen den Schritt in die Selbstständigkeit wagte.

Geh zu weiblichen Bankberatern, die haben mehr Ahnung von deinem Metier, rieten Freunde. Und sie behielten Recht und Jenne bekam das Geld geliehen. 110.000 Pfund Umsatz machte die Vorgängerbäckerei, dabei aber 50.000 Miese, das Terrain war keineswegs bestellt. Doch Jenne zeigte Mut und hat den Umsatz bis heute verzehnfacht. Mit Magic Cakes, Curly Whirly, Brownies startet der Konditormeister durch. Immer kreativ, immer neue Dinge entwickelnd. Heute besitzt er sechs Läden, erwirtschaftet mit Kuchen und Torten, Mittagstisch und Abverkauf von Getränken einen Umsatz von 4,5 Millionen Euro. Etwa 90 Mitarbeiter zählen zu seinem Konditor & Cook. Jeder Laden hat eine eigene Backstube.

Als Geselle in der Nachtbackstube und beim Delikatessenhändler Justin de Blank

Im Gherkin, dem gurkenähnlichen Bürohaus in der Londoner City, kann der Besucher in Konditor & Cook auch Platz nehmen und den Bankern bei einer Tasse Kaffee zuschauen, wie sie durch die Straßen hetzen. Läuft hier das große Geschäft? Der Konditor schüttelt den Kopf. Nein, sein Laden Waterloo an der Roupell Street ist der umsatzstärkste. Und so ganz sein Ding sind die Leute der City nicht. Ein bisschen langweilig sind die, möchte man seinen Worten entnehmen. Kein Wunder, Jenne zählte seinerzeit zu den jungen aufbegehrenden Typen der 80er. Er lief mit Punkmähne rum, hatte die Haare gefärbt, und ein Teil des Geldes, das er als junger Geselle in der Nachtbackstube des Swiss-Center verdiente, landete in den Clubs und coolen Restaurants der Stadt. Seine Ausbildung hatte er noch in Deutschland gemacht, bei der Konditorei Kreuzkamm und bei Café Macher.

"Dann habe ich mich gefragt, wo ich was machen kann. Ich wollte schon immer raus von zu Hause." Die Frage, ob er den elterlichen Weinbaubetrieb übernehmen wolle, stellte sich erst gar nicht. Nach einem kurzen Zwischenspiel in der Bäckerei seines Schwagers, der Konditorenlehre und der Arbeit im Londoner Swiss-Center landete er schließlich beim Delikatessenhändler Justin de Blank. "Es war schon unglaublich, bei Café Macher habe ich mit hochtechnologischen Geräten gearbeitet und bei Justin einfach mit der Küchenrolle und einem Miniofen." Dort gab es keine Firmenstrategie für die Backstube, Jenne konnte ausprobieren, im wahrsten Sinne des Wortes.

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Kuchen für Lady Di, Charlie Watts und Al Pacino

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Justin de Blank war angesagt. Diana und Fergie kauften Kuchen, die Stones schickten ihre Einkäufer und Ringo Starr arbeitete gleich nebenan. Klar, dass Ringo mal eben durch die Backküche spazierte und hin und wieder mit dem Konditorenteam plauschte. Eines Tages kommt der Beatles-Musiker vorbei, während Gerhard Jenne mal wieder eine Torte verfeinert, genauer die Geburtstagstorte für die Tochter des Stones-Schlagzeugers Charlie Watts. "Ich habe Ringo gefragt, ob er nicht mit der Zuckergussspritze einen Gruß schreiben wolle.... Und er hat es gemacht."

Jenne ist kein Promibäcker und will es auch nicht sein. Aber es ist schon ein dickes Lob, wenn Al Pacino sich für seinen Schoko-Kuchen anstellt. Der deutsche Handwerker hat es geschafft, auch dank seiner Fortbildung zum Konditormeister in München. Dafür ist er eigens nach Deutschland zurückgekehrt. "In London habe ich dann wieder bei Justin gearbeitet und bin richtig durchgestartet. Der Meister war gut und wichtig!" Er habe es geschafft, das deutsche Know-how und den englischen Geschmack zu vereinen. "Die Briten stehen eben nicht auf Sahnetorten."

Gute Leute haben riesige Chancen in Großbritannien

Heute ist das Geschäft nicht immer "easy", aber er ist fest überzeugt, dass gute Leute auch heute noch riesige Chancen in Großbritannien haben – egal ob Konditor oder Sanitärhandwerker. Jennes Konzept stimmt. Er beliefert nicht nur Museen und Firmen, sondern denkt sich immer neue Dinge aus. Die Backschule etwa, die rege Nachfrage findet, oder das Onlineangebot, das immerhin schon einen Umsatz von 8.000 Pfund die Woche bringt. Seine weitere Perspektive: Erst mal keinen neuen Laden mehr aufmachen. "Nein, vor zehn Jahren haben wir gesagt, bald setzen wir uns als Chefs zu Ruhe, aber das Gegenteil passiert. Abends sitzen wir am Rechner und kalkulieren." Der Ruhestand muss noch warten, sagt Jenne und grinst. Traurig sieht er dabei nicht aus.

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Text: / handwerksblatt.de

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