Die vier Preisträger des Preises für Handwerksgeschichte 2026 mit den Urkunden: Dachverband der Restauratoren im Handwerk e.V. aus Stuttgart, Meister der Einbandkunst e.V. aus Aachen, Theod. Mahr Söhne GmbH aus Aachen und die Essig Flaschnerei+Sanitär GmbH aus Calw

Die vier Preisträger des Preises für Handwerksgeschichte 2026 mit den Urkunden: Dachverband der Restauratoren im Handwerk e.V. aus Stuttgart, Meister der Einbandkunst e.V. aus Aachen, Theod. Mahr Söhne GmbH aus Aachen und die Essig Flaschnerei+Sanitär GmbH aus Calw (Foto: © ZDH/BILDSCHÖN/Boris Trenkel)

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Preis für Handwerksgeschichte: Vier herausragende Projekte prämiert

Alle zwei Jahre verleiht der ZDH den "Preis für Handwerksgeschichte". 2026 gab es gleich vier Preisträger, die für ihren besonderen Beitrag zur Handwerksgeschichte ausgezeichnet wurden.

Zweimal Aachen, einmal Berlin/Stuttgart sowie Calw – so verteilen sich im Jahr 2026 regional die vier Gewinner des „Preises für Handwerksgeschichte", den der Zentralverband des deutschen Handwerks (ZDH) zum zweiten Mal verliehen hat. "Das Handwerk ist nicht nur wirtschaftliche Kraft, sondern Teil der deutschen Sozial-, Technik- und Kulturgeschichte“, sagte ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke bei der Verleihung Ende Januar in Berlin. "Mit dem Preis für Handwerksgeschichte wollen wir zeigen, wie lebendig die historische Auseinandersetzung in Betrieben und Organisationen ist und zugleich die Forschung zum Handwerk weiter anregen." 

Besonderes Engagement gewürdigt

Mit der Auszeichnung will der ZDH das besondere Engagement von Handwerksbetrieben, aber auch der Handwerksorganisationen, würdigen und das Bewusstsein für die Geschichte, die kulturelle Bedeutung und den gesellschaftlichen Beitrag des Handwerks in Deutschland stärken. "Hinter jedem Betrieb steckt ein Stück deutscher Kulturgeschichte, die es wert ist, erforscht und erzählt zu werden", so der Generalsekretär. "Genau das machen wir mit dem Preis für Handwerksgeschichte deutlich."

Die Jury unter Vorsitz von Berthold Schröder, ZDH-Vizepräsident und zugleich Präsident der Handwerkskammer Dortmund, musste für den Preis 2026 gleich 55 Projekte bewerten. Folgende vier Geschichtsprojekte zeichnete die Jury aus:

Letztere erhielt eine besondere Erwähnung für das handwerksgeschichtliche Engagement.

Meister der Einbandkunst

Preisträger 2026: Meister der Einbandkunst aus Aachen. Foto: © ZDH/BILDSCHÖN/Boris TrenkelPreisträger 2026: Meister der Einbandkunst aus Aachen. Foto: © ZDH/BILDSCHÖN/Boris Trenkel

"Buchbinder haben im digitalen Zeitalter eine dreifache Bedeutung: als Kunsthandwerk, als Kulturgut und als real existierender Wissensträger“, so Stefan Buhren, Jurymitglied und Redakteur des Deutschen Handwerksblatts, in seiner Laudatio. Wie sich dieses Handwerk in den letzten 100 Jahren entwickelt hat, können wir der Ausstellung "Meisterhafte Unikate – 100 Jahre Einbandkunst" entnehmen. Unter Initiative von Claudia Dettlaff, Claudia Richter, Andreas Bormann sowie von Ingela Dierick und Xenia Leizinger hat der Verein "Meister der Einbandkunst", kurz MDE, seinen Jahrhundertgeburtstag 2023 zum Anlass gewählt, dieses meisterhafte Handwerk in einer Wanderausstellung anderen zu vermitteln und zu verdeutlichen, was ein immaterielles Kulturerbe ist.

In der Ausstellung erfahren die Besucher, welchen Weg die Handbindeabteilungen der Großbuchbindereien seit dem frühen 20. Jahrhundert genommen haben, können in exzellent geschriebenen und gut recherchierten Beiträgen die Entwicklung nachlesen. Für dieses kurzfristige "Einfrieren" mit kritischer und genauer Analyse, der Präsentation und dem umfassenden Inhalt erhielt der Meister der Einbandkunst e.V. (Aachen) für die Ausstellung "Meisterhafte Unikate – 100 Jahre Einbandkunst" zur Geschichte der Buchbindekunst den Preis für Handwerksgeschichte.
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Dachverband der Restauratoren im Handwerk

Preisträger für Handwerksgeschichte 2026: Dachverband der Restauratoren. Foto: © ZDH/BILDSCHÖN/Boris TrenkelPreisträger für Handwerksgeschichte 2026: Dachverband der Restauratoren. Foto: © ZDH/BILDSCHÖN/Boris Trenkel

Die Fachzeitschrift "Restaurator im Handwerk" erscheint seit 2009 viermal pro Jahr und ist jeweils einem Hauptthema gewidmet. Das Magazin widmet sich anschaulich Themen wie der Umnutzung historischer Gebäude, den Dombauhütten, der Restaurierung von Möbeln, zweitverwendeten Baumaterialien, Frauen im Handwerk, Farbe, Werkzeug, Glocken oder Unternehmensgeschichte. Dabei wird auch der gesamte Quellenkanon der Handwerksgeschichte einbezogen, also eben nicht nur die schriftlichen Quellen.

"Hier wird ein mehrfacher Beitrag zur Geschichte des Handwerks geleistet: zum einen durch die Beschäftigung mit historischen Artefakten, Handwerkstechniken, Werkzeugen und Materialien, wodurch wir einen wichtigen Einblick in die historische materielle Kultur bekommen, zum anderen durch die Entwicklung von Perspektiven, diese Quellen der Handwerksgeschichte zu sichern und zu erhalten", führte Laudator Prof. Dr. Reinhold Reith bei der Preisverleihung aus. Die Zeitschrift ist das Verbandsorgan des 2019 gebildeten "Dachverbands der Restauratoren im Handwerk" und ein unverzichtbares Forum für den Dialog zwischen Handwerk, Wissenschaft und Gesellschaft und geht auf die Initiative von Rainer W. Leonhardt aus Berlin zurück, der mit Annemarie Rothe und Wolfgang Dambacher ein schlagkräftiges Redaktionsteam aufgebaut hat.
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Theod. Mahr Söhne GmbH (Aachen)

Auch die Theo. Mahr Söhne GmbH aus Aachen erhielt den Preis für Handwerksgeschichte 2026. Foto: © ZDH/BILDSCHÖN/Boris TrenkelAuch die Theo. Mahr Söhne GmbH aus Aachen erhielt den Preis für Handwerksgeschichte 2026. Foto: © ZDH/BILDSCHÖN/Boris Trenkel

Es ist Deutschlands ältestes Sanitär-Heizungs-Klima-Unternehmen, das seit 185 Jahren in Kirchen und Kathedralen für angenehme Temperaturen sorgt. Mehr noch: Die Theodor Mark Söhne GmbH übernimmt Verantwortung für die Erhaltung und Vermittlung dieses über 180 Jahre erworbenen Wissens. Denn die Aachener unterhalten ein Hausarchiv, in dem Grundrisse, Querschnitte und andere architektonische Zeichnungen sowie Unterlagen über jedes Projekt aufbewahrt werden. Über 20.000 Aktenzeichen dokumentieren Projekte in Deutschland und dem benachbarten Ausland.

"Dieses Archiv bildet das Wissen um die Bauten, die Erhaltung ihrer Substanz und die technische Ausstattung ab", erklärt Dr. Ulrich Soénius, Direktor des Rheinisch-Westfälischen Wirtschaftsarchivs, in seiner Laudatio. "Es sichert somit Kulturerbe und ist als solches selbst Kulturerbe." Das gilt nicht nur für die Unterlagen von Kirchen, sondern auch von Gewebe- und Wohnbauten. Das inzwischen in sechster Generation geführte Unternehmen unterhält zudem ein eigenes Museum, in dem neben historischen Unterlagen historische Kohleöfen nebst Zubehör zur Dokumentation der eigenen Unternehmensgeschichte präsentiert werden. 
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Essig Flaschnerei+Sanitär GmbH

Eine besondere Erwähnung ging an die Essig Flaschnerei+Sanitär GmbH aus Calw. Foto: © ZDH/BILDSCHÖN/Boris TrenkelEine besondere Erwähnung ging an die Essig Flaschnerei+Sanitär GmbH aus Calw. Foto: © ZDH/BILDSCHÖN/Boris Trenkel

Seit 1887 besteht der Familienbetrieb, den heute Jana Brenner in fünfter Generation leitet. Der Firmengründer Heinrich Essig, der zwischen 1862 und 1934 lebte, hat mehr als 50 Jahre ein Tagebuch geführt. Dieses Tagebuch weist weit über die Geschichte einer Handwerksfamilie hinaus, indem es einen faszinierenden Einblick in die Orts- und Zeitgeschichte jener Jahrzehnte – zwischen Krieg, gesellschaftlichem Wandel und politischen Umbrüchen – bietet. Es zeigt einen weltoffenen, belesenen Firmengründer, der die Zeitumstände mit wachem Blick reflektiert und beschreibt.

Die Preisträger mit Jury, Moderator des Abends und ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke (2. v.r.). Foto: © ZDH/BILDSCHÖN/Boris TrenkelDie Preisträger mit Jury, Moderator des Abends und ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke (2. v.r.). Foto: © ZDH/BILDSCHÖN/Boris Trenkel

In Zusammenarbeit mit dem Kreisarchiv und dem Kreisgeschichtsverein Calw hat der Betrieb dafür gesorgt, dass der Familienschatz transkribiert und veröffentlicht wird. Das Tagebuch ist damit in Kooperation mit der historischen Fachwissenschaft für eine interessierte Öffentlichkeit, aber auch für die Wissenschaft nutzbar gemacht worden.

Eine besondere Erwähnung verdient das Tagebuch aber auch, weil es die Initialzündung für den Preis für Handwerksgeschichte war. Die Historikerin und Jury-Mitglied Dr. Senta Herkle, zur Begründung der besonderen Erwähnung: "Durch Zufall entdeckt, bildet es ab, welch großen Beitrag Handwerksbetriebe zur Bewahrung und Vermittlung von Geschichte leisten können.
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Preis für HandwerksgeschichteDer Preis für Handwerksgeschichte wurde vom ZDH gemeinsam mit dem Interdisziplinären Arbeitskreis für Handwerksgeschichte (InAH) entwickelt und wird alle zwei Jahre verliehen, abwechselnd als Handwerks- oder Wissenschaftspreis. Er soll sowohl die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Handwerksgeschichte als auch die öffentliche Wahrnehmung des Handwerks stärken. Ab dem Jahr 2028 soll der Preis erstmals auch als dotierter Wissenschaftspreis vergeben werden.

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Text: / handwerksblatt.de

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