98 Prozent der Fläche auf La Réunion werden von monumentalen Bergen gesäumt.

98 Prozent der Fläche auf La Réunion werden von monumentalen Bergen gesäumt. (Foto: © Larissa Metke)

La Réunion: Reise zum Dach des Indischen Ozeans

Panorama - Reise

Glückseligkeit. La Réunion ist nicht nur ein grünes Paradies und gilt bei Wanderern und Trekkingfans als Geheimtipp. Auf der kleinen Insel ticken die Uhren im Rhythmus des kreolischen Lebens.

Guetali. Mal schauen. Das Leben auf La Réunion ist entspannt. Die Zeit auf dem Inselchen im Indischen Ozean eher ein abstrakter Begriff. Niemand nimmt Verspätungen übel. Ein vereinbarter Termin gilt mehr als Richtwert als ein Muss. Mit einer Fläche von gerade mal 2.500 Quadratkilometern ist La Réunion das kleinste der fünf französischen Übersee-Departments und gleichzeitig südlichster Punkt der Europäischen Union. Rund 860.000 Einwohner leben auf diesem bezaubernden grünen Fleck. Ein kreolisches Sprichwort besagt: "Auf La Réunion kann sich selbst die Ameise nicht verstecken."

Europa im Indischen Ozean

Naturschauspiel: an der Küste brechen hohe Wellen auf das aus Lava gebildet Ufer. Foto: © Larissa MetkeNaturschauspiel: an der Küste brechen hohe Wellen auf das aus Lava gebildet Ufer. Foto: © Larissa Metke

Und in der Tat. Wer La Réunion auf der Landkarte entdecken möchte, muss genau hinschauen. Gute 940 Kilometer von Madagaskar und 220 Kilometer von Mauritius entfernt, überrascht das Inselparadies mit einer üppigen Vegetation und einer herrlichen Küstenlandschaft.

Auch sonst hat das Eiland einige Vorzüge zu bieten. Für die Einreise reicht der Personalausweis und Urlauber können stundenlang mit ihren Liebsten zu Hause sprechen, ohne gleich horrende Handyrechnungen fürchten zu müssen.

Entwicklung hin zur kreolischen Lebensfreude

98 Prozent der Fläche werden von monumentalen Bergen gesäumt. Die Einwohner leben vom Zucker, dem Rum, etwas Handwerk und Tourismus. Bis ins 17. Jahrhundert wurden hier Meuterer ausgesetzt. Im Mutterland war man felsenfest davon überzeugt, dass sie den sicheren Tod finden. Die Franzosen staunten nicht schlecht, als sie Jahre später die Menschen gut gelaunt, bei bester Gesundheit und wohlgenährt vorfanden. Ab da beginnt die Besiedlung der Insel. Für den Anbau des Zuckerrohrs werden Menschen aus Madagaskar, Indien und Afrika verschleppt und versklavt. 1848 endet die Sklaverei. Jedes Jahr feiert die Bevölkerung am 20. Dezember die Befreiung der Sklaven. Es ist das größte Fest auf der Insel.

Vulkane prägen die Insel

Dank eines Mikroklimas zieht sich ein dichter Dschungel sanft über das von den Vulkanen geprägte Bergmassiv. Immer wieder tauchen Urzeitgewächse wie Palm- oder Baumfarne auf. Diese Pflanzen gab es schon in der Jurazeit und Dinosaurier noch auf Erden wandelten. Hoch hinausragend bestimmen die Vulkane "Piton de la Fournaise" und der "Piton des Neiges" als Dach des Indischen Ozeans das Bild der Insel. Die Vulkane gelten als friedlich.

Doch mit seinen zahlreichen Eruptionen zählt der "Piton de la Fournaise" zu den heißesten Sehenswürdigkeiten.  Mindestens einmal im Jahr heißt es, "volcan la pété", der Vulkan furzt. Der 2.631 Meter dunkle Riese spuckt dann sein rotglühendes Magma in den Himmel.  Ein Spektakel, das von zahlreichen Beobachtern verfolgt wird. Die Lava bahnt sich mitunter sogar ihren Weg bis zur Küste hinunter. Zuletzt 2007. In den dort gebildeten Lava Tubes können Touristen mit Führern das Naturerlebnis aus nächster Nähe betrachten.

Wandern durch die Schlackewüste

Beeindruckend: Die Plaine des Sables erinnert an eine friedliche Mondlandschaft. Eine Wanderung durch die Schlackewüste ist eine bleibende Erinnerung. Foto: © DHBBeeindruckend: Die Plaine des Sables erinnert an eine friedliche Mondlandschaft. Eine Wanderung durch die Schlackewüste ist eine bleibende Erinnerung. Foto: © DHB

Wer nun endgültig vom Vulkan-Fieber gepackt ist, sollte den Besuch der Plaine des Sables nicht versäumen. Die auf 2.000 Metern gelegene Fläche aus rotbrauner Schlacke und Vulkangesteinen erinnert an eine  friedliche Mondlandschaft. Entlang der "Route du Volcan" führt ein Wanderweg durch die 40.000 Jahre alte Schlackenwüste bis hin zum Aussichtspunkt "Le Pas de Bellecombe" mit seinem sagenhaften Ausblick auf den Krater.

Schneller, aber nicht unbedingt bequemer ist eine Fahrt mit dem Auto. Der Weg dorthin führt über Schlaglöcher, die ihren Namen verdient haben. Die Schaukelpartie endet auf dem Parkplatz direkt vor dem Kiosk Pas de Bellecombe.

Vulkan erinnert an Francoise Mitterand

Weiter geht die Entdeckungstour über den Col de Bellevue. Auf 1.630 Metern Höhe geht es kurvenreich entlang einer Heidelandschaft mit Ginster und Aronstab. Auf der anderen Seite der Straße zieht eine Gebirgskette mit dem "Piton des Neiges" als Mittelpunkt den Blick auf sich. Mit einem Augenzwinkern sagen die Inselbewohner, sei aus dieser Perspektive doch eindeutig das kantige Profil von Francoise Mitterand zu erkennen. Die Nasenspitze des früheren französischen Staatspräsidenten bildet der 3.071 Meter hohe Vulkan.

Gute Kondition empfohlen

Gipfelstürmer: Der Aufstieg auf das Dach des Indischen Ozeans erfordert Kondition. Belohnt werden Wanderer mit einem grandiosen Blick auf die Insel. Foto: © Larissa MetkeGipfelstürmer: Der Aufstieg auf das Dach des Indischen Ozeans erfordert Kondition. Belohnt werden Wanderer mit einem grandiosen Blick auf die Insel. Foto: © Larissa Metke

Bis zum Dach des Indischen Ozeans sind es übrigens 24 Kilometer oder 35.000 Schritte. Beim Aufstieg ist neben einer Wasserflasche und Wanderstöcken eine gute Kondition empfehlenswert. Wer mag, und keinen Luxus erwartet, kann die Nacht in der Berghütte "Refuge de la Caverne Dufour" verbringen. Am nächsten Morgen wird die Wanderung zum Gipfel fortgesetzt. Belohnt werden Sie mit einem fantastischen Sonnenaufgang und einem Blick auf die drei als Unesco-Weltnaturerbe anerkannten Talkessel Cilaos, Salazie und Mafate.

Immer nah am Abhang

Der Weg zu den besiedelten Orten führt über schmale Serpentinen.  Nicht jeder Autofahrer bekommt die Kurve. Zum Glück sind schnell helfende Hände da. Millimeter für Millimeter ruckeln anhaltende Autofahrer das vom Weg abgekommene Auto dann zurück auf die Straße. Vielleicht hilft ja auch ein Stoßgebet zum Heiligen Expedit? Die auffallenden rot bemalten Gebetshäuschen des Schutzheiligen sind zu Hunderten auf der ganzen Insel zu finden. Darin eine kleine Figur, gekleidet wie ein römischer Legionär.

Doch Vorsicht. Expedit ist der Bad Boy unter den Heiligen und vom Vatikan nicht anerkannt. Spätestens nach zehn Tagen erfüllt Expedit die guten wie die schlechten Wünsche seiner Gläubigen. Doch wehe dem, der es dem Heiligen nicht dankt. Dann kann Expedit ziemlich sauer reagieren und sich fürchterlich rächen. 

Eine Insel mit drei Talkesseln

Angst haben die Bewohner in Cilaos allerdings nur vor einer Sache: Das ihnen der Berg auf dem Kopf fällt. Der Weg in den Kurort mit seiner faszinierenden Natur führt über 400 Kurven. Bei starken Regen werden die Straßen oft verschüttet. Dann können die Bewohner nur noch mit dem Helikopter versorgt werden. Früher brachten Träger die Waren in die Talkessel. Inzwischen gibt es nur noch wenige von ihnen. Mitunter sind es die VIP’s von La Réunion, die sich den zweifelhaften Spaß gönnen, für viel Geld einen Kasten Bier in eine Berghütte tragen zu lassen.

Kreolische Kulinarik

Mickael Gonthier und seiner Frau Raymonda laden ein in die Pension und das Restaurant Le Tapacala Foto: © DHBMickael Gonthier und seiner Frau Raymonda laden ein in die Pension und das Restaurant Le Tapacala Foto: © DHB

Mit einer malerischen Pflanzenwelt, hohen Felswänden und herabstürzenden Wasserfällen wartet ebenso Salazie auf. Vor allem Familien finden in dem Talkessel herrliche Wanderwege vor. Viel Natur und Ruhe bietet der dritte Talkessel. Urlauber erreichen Mafate ausschließlich zu Fuß oder per Helikopter. Der kleine Talkessel bietet erstaunliche viele Unterkünfte und sogar eine Bäckerei und einen Lebensmittelladen sind hier zu finden.

Apropos essen. Wer La Réunion besucht, kommt an Cari nicht vorbei. Cari ist das Nationalgericht der Kreolen. Machen Sie sich darauf gefasst, die Speise aus Reis, Bohnen, Fleisch oder Fisch häufig bis oft serviert zu bekommen. Eine köstliche Variante gibt es zum Beispiel bei Mickael Gonthier und seiner Frau Raymonda. 20 Kilometer von Cilaos gelegen, schlängelt sich der Weg zu ihrer Pension und Restaurant "Le Tapacala" auf 1.087 Meter Höhe.

Im Repertoire sind herrlich duftende Aufläufe oder süße Desserts, verfeinert mit Honig oder einem Hauch der auf La Réunion wachsenden Bourbon-Vanille. Ein Sklave entdeckte die aromatische dunkle Schote. Als Dank wurde er zum Vanille-Held gekürt. Die Bourbon-Vanille auf La Réunion zählt zu den Besten ihrer Art. Eine Besonderheit ist die "Blaue Vanille". Der Betrieb L‘Escale Bleue  in Saint-Philippe hat diese bei Sterneköchen beliebte Schote entwickelt.

Am Ende einer bemerkenswerten Reise geht es mit einem Helikopter ein letztes Mal über das kleine, grüne Juwel im indischen Ozean. Mit einem unbeschreiblichen Gefühl fällt der Blick noch einmal auf zerklüfte Felsmassive, grüne Täler und einer Pflanzendecke, die einem Jurrassic Park alle Ehre macht.

Informationen:
Insel La Reunion

Anreise:
Flug mit Air France bis Charles de Gaulle und Weiteflug mit Air Austral circa 900 Euro  Air Austral

Hotels:
Le Cilaos**** leschenets-lecilaos

Diana Déa Lodge**** diana-dea-lodge

Palm hôtel & Spa***** palm.re/en/

Pension und Restaurant: Le Tapacala

Sehenswert:
Les Thermes de Cilaos thermescilaos

Escale Bleue escale-bleue

Helikopter-Flughafen helilagon

Markt Saint-Paul
Quai Gilbert Saint-Paul
La  Réunion

Text: / handwerksblatt.de

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