Weiches Brötchen, leicht süßlich, Brühwurst, Mayo, Ketchup, Gurkenscheiben und geröstete Zwiebeln. Schwuppdiwupp liegt der Hot Dog sanft umhüllt von einer Serviette in beiden Händen. Startklar zum Verzehr.

Weiches Brötchen, leicht süßlich, Brühwurst, Mayo, Ketchup, Gurkenscheiben und geröstete Zwiebeln. Schwuppdiwupp liegt der Hot Dog sanft umhüllt von einer Serviette in beiden Händen. Startklar zum Verzehr. (Foto: © LABAN Stories)

Hot Dog: Der "Heiße Hund“ wird 100

Panorama - Reise

Extrawurst. Wer den Hot Dog erfunden hat, ist nicht ganz klar. Sicher ist aber, dass die Dänen mit zu den größten Fans dieser Fast-Food-Spezialität gehören.

Weiches Brötchen, leicht süßlich, Brühwurst, Mayo, Ketchup, Gurkenscheiben und geröstete Zwiebeln. Schwuppdiwupp liegt der Hot Dog sanft umhüllt von einer Serviette in beiden Händen. Startklar zum Verzehr. Die Geschichte des Hot Dogs beginnt vermutlich im Jahr 1847. Über seine Entstehungsgeschichte gibt es verschiedene Varianten. Möglicherweise war es der Coburger Metzgermeister Johann Georg Hehner, der erstmals auf den Trichter kam, die Wurst mit einem Brötchen zu kombinieren.

Würstchen im Brötchen mit Sauerkraut

Den wahren Hype erfährt der Hot Dog jedoch in den USA. Vor allem an der Ostküste. 1867 bot der deutsche Migrant Charles Feltman auf Coney Island an einem kleinen Stand das Würstchen im Brötchen mit Sauerkraut an. Der gelernte Bäcker gründete später dort das "Feltman’s Restaurant and Beer Gardens". Damals kostete der Hot Dog 10 Cent.

Dann, 1916, kommt der Belgier Nathan Handwerker ins Spiel. Als singender Kellner nimmt er im "Feltman’s" einen Job an. Ermutigt von Kollegen, eröffnete er auch auf Coney Island einen eigenen kleinen Hot Dog-Stand. Sein Hot Dog kostete mit 5 Cent allerdings nur die Hälfte. Mit einem Startkapital von 300 Dollar und dem Geheimrezept einer Gewürzmischung von seiner Frau Ida wuchs "Nathan’s Famous" rasant an. Auch er gilt in Fachkreisen als Erfinder des "Heißen Hundes".

Jährlich 100 Millionen Portionen

Doch egal, wem wir den Hot Dog zu verdanken haben, bis heute locken die bunten Stände und mobilen Karren nicht nur in den USA die Liebhaber des Fast-Food-Klassikers scharenweise an. Auch in Brasilien kennt man den "Cachooro quente" mit einem cremigen Kartoffelpüree. Die Österreicher lassen nichts auf ihr "Bosna" kommen. Ein "Bosna", das sind zwei kleine Bratwürste in einem Weizenbrötchen und scharfer Soße. Die Niederländer bieten das Brötchen mit der Wurst als "Broodje Aap" an. Das "Affenbrötchen" wird mit Schmorzwiebeln verfeinert. Und am 18. Januar 1921 erhielten die ersten sechs "pølsewogne" (Hot Dog-Buden) die Erlaubnis, die "røde polser" (rote Würstchen) im Brötchen in Dänemark zu verkaufen.

"Es gibt nur wenige Szenen in Kopenhagen, die reizvoller sind als ein Hot Dog-Verkäufer, der ruhig eine belebte Straße entlang geht und seinen Van hinter sich herzieht", schreibt der dänische Feinschmecker und Buchautor Hazel Evans, dass nicht nur die Hot Dogs, sondern auch die Leute, die ihn verkaufen, in Dänemark verehrt werden. "Ohne übertreiben zu wollen, der Hot Dog gehört zur Seele des Landes."

Rotes Würstchen als Erkennungszeichen

In Dänemark gehören die Hot Dog-Buden zum Stadtbild. Zum traditionellen Fast-Food-Essen darf eine süße Schokoladenmilch einfach nicht fehlen. Foto: © LABAN StoriesIn Dänemark gehören die Hot Dog-Buden zum Stadtbild. Zum traditionellen Fast-Food-Essen darf eine süße Schokoladenmilch einfach nicht fehlen. Foto: © LABAN Stories

Schätzungen zufolge landen jährlich bis zu 100 Millionen Portionen "Heißer Hunde" in den Mägen Einheimischer und Touristen. Seit den 50ern wird traditionell dazu Cocio getrunken. Die süße Schokoladenmilch, so wird behauptet, soll den Hot Dog erst recht schmackhaft machen. Das einzige wahre Erkennungszeichen eines dänischen Hot Dogs ist und bleibt aber das leuchtend rote Würstchen. Der Legende nach wurde die Wurst in der 30er Jahren rot eingefärbt, um so schlechtere Qualität zu erkennen. In dem Fall wurde Fleisch vom Vortag verwendet. Heute wird natürlich nur frisches Fleisch verarbeitet. Allein die rote Farbe ist geblieben. 

Die Würste sind entweder "kogt" (gebrüht) oder "ristet" (gebraten). Der Klassiker ist nach wie vor der "Røde Polse", ein weiches Brötchen mit einer roten Brühwurst. Es sieht künstlicher aus als es schmeckt. Die Dänen färben lediglich den Naturdarm mit roter Lebensmittelfarbe. Innen schmeckt die Wurst wie eine ganz normale Brühwurst. Dazu Ketchup, Senf, Remoulade, gehackte Zwiebeln, Röstzwiebeln und eingelegte Gurkenscheiben. Ganz wichtig: keine Mayonnaise. Die gibt es nur zu Pommes. Doch auch andere Varianten sind im Angebot. "Es wird schwierig sein, einen Dänen zu finden, der nicht eine Meinung dazu hat, was einen echten Hotdog ausmacht", sagt Hazel Evans. 

Hot Dog-Celebration

Den Höhepunkt seiner Beliebtheit erreichte der røde polser nach dem Zweiten Weltkrieg. Zu diesem Zeitpunkt gab es alleine in Kopenhagen rund 500 Hot Dog-Buden. Die Erfolgsgeschichte hält bis heute an. So geht es beim jährlich stattfinden Food-Festival in Aarhaus einzig und allein um die Wurst. Das Festival mit vielen Ausstellern, Workshops und Events beinhaltet auch die dänische Hot Dog-Meisterschaft. Hier werden "Dänemarks bester Hotdog", der "Hot Dog-König des Jahres" und der "innovativste Hot Dog" gekürt. Und die besten Köche des Landes zeigen ihre ganze Kreativität rund um die 100-Jährige Kulturgeschichte des dänischen "Heissen Hundes". 

Auf den Geschmack gekommen? Weitere Tipps für außergewöhnliche Hotdog-Erlebnisse und Tipps der besten Hotdog-Buden des Landes finden Sie im Internet. Landesweit ­findet übrigens am 23. Juli der Tag des ­Hot Dogs statt.
Das Food-Festival in Aarhaus soll vom 2. bis 5. September stattfinden. Die Hot Dog-Meisterschaft am 5. September. Das hängt von der aktuellen Corona-Situation ab. 

Wie der Hotdog zu seinem Namen kam

Der Historiker Bruce Kraig glaubt: "Der Spitzname stammt von Witzen über die kleinen, länglichen Hunde mit ihren kurzen Beinen." Viele damalige Metzgereien hatten einen Dackel. Die längliche Form des Körpers erinnerte vielleicht an die Wurst.

Das sind die besten Hot Dog-Buden des Landes

  • Das Michelin-Sterne-Restaurant MeMu in Vejle gewann bereits zweimal den nationalen dänischen Hotdog-Wettbewerb. 2019 enthielt ihre Interpretation des Klassikers geräucherte Äpfel, Chorizo-Wurst, gepickelten Queller und Habanero Chili Mayo.
  • Dänisches Kulturgut am Rande des Flughafens Kopenhagen-Kastrup: Der FLYVERGRILLEN ist eine Hotdog-Bude mit viel Tradition und Aussichtsplattform.
  • Auch schon mal zur besten Hotdog-Bude Kopenhagens gewählt: Johns Hot Dog Deli am Hauptbahnhof.
  • 100 % ökologisch und auf Wunsch sogar vegan: Die Hotdogs bei DØP in Kopenhagen.
  • In absolut bester Lage in Aalborgs Zentrum: Hotdoggeriet.
  • Ganz viel Hygge seit über 50 Jahren: Rasses Skovpølser in Skanderborg
  • Klassische Hotdogs mit Aussicht auf die Nordsee und die Norwegen-Fähren: Hyttefadet Hirtshals liegt direkt am Kai.

Heute kann man den dänischen Hotdog im Urlaub auch in ökologischen Gourmetvarianten wie bei Den Økologiske Pølsemand oder Nordic Hotdog in Kopenhagen genießen. Am bekanntesten und vor allem richtig klassisch ist aber wohl eine andere Hotdog-Bude: Annies Kiosk in Sønderjylland - für viele Urlauber traditionell der erste Stopp nach Grenzüberquerung in Südjütland

Tipps von Hazel Evans

Harry’s Place gibt es seit 1965. Wer die echte Harry-Erfahrung erleben möchte, sollte das legendäre "Børge" bestellen. Es entstand als Harry beauftragt war, für die Insassen eines Gefängnisses zu entwicklen. Die Wurst sollte mindestens den einer 1,5 fachen Wurst entsprechen. War das nicht der Fall, gab es ordentlich Ärger unter den Insassen. Obwohl 1989 verstorben, lebt Harry’s Platz und die berühmte Wurst weiter.

Bjarnes Pølser "Eine Wurst sollte mit Gefühl serviert werden. So das Motto von Bjarnes Pølser. Bjarnes gibt es seit 1984. Seitdem hängt ihm der Ruf an, in Ballerrup den besten Hot Dog des Landes anzubieten. Und das, obwohl der 15 Kilometer nordwestlich von Kopenhagen seinen Van hat.

Text: / handwerksblatt.de