Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute rechnen mit einem geringerem Wachstum als noch im Frühjahr.

Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute rechnen mit einem geringerem Wachstum als noch im Frühjahr. (Foto: © inbj/123RF.com)

"Keine weiteren Belastungen für die Betriebe!"

Politik

In ihrer Herbstprognose haben Wirtschaftsforscher ihre Erwartungen für das Wachstum im laufenden Jahr nach unten korrigiert. Das Handwerk fordert von der Politik, seine Betriebe nicht zu überfordern.

Die Entwicklung der deutschen Wirtschaft steht weiterhin im Zeichen der Corona-Krise. Die Folgen der Pandemie sind nach Einschätzung der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute schwerwiegender als noch im Frühjahr angenommen. In ihrem Herbstgutachten korrigierten die Forscher ihre Erwartungen für das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) nach unten auf 2,4 Prozent. Bisher waren sie von einem Plus von 3,7 Prozent ausgegangen. Im vergangenen Jahr war das BIP um 4,9 Prozent gesunken.

Für das kommende Jahr rechnen sie mit einem Wachstum vom 4,8 Prozent. Eine normale Auslastung der Wirtschaft werde voraussichtlich im Laufe des nächsten Jahres erreicht. Konjunkturbremse seien derzeit die andauernden Lieferengpässe, die die Produktion behindern. Sie würden auch im Winterhalbjahr zu Schwierigkeiten führen. "Im kommenden Jahr werden die Beeinträchtigungen durch Pandemie und Lieferengpässe nach Einschätzung der Institute allmählich überwunden", so die Forscher. Das Infektionsgeschehen bleibe dabei ein Unsicherheitsfaktor.

Krisenmodus verlassen

Mit der Erholung von den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise könne die Wirtschaftspolitik den Krisenmodus wieder verlassen. Zu den wesentlichen Herausforderungen für die kommenden Jahre zählen die Forscher den demografischen Wandel und die daraus resultierende Fachkräfteknappheit, die Reduktion der CO2-Emissionen, die Stabilisierung des Rentensystems und die Beschleunigung der Digitalisierung. "Diese gesamtwirtschaftlichen Herausforderungen wurden bisher zu zögerlich angegangen", urteilen die Wirtschaftsexperten.

Sie gehen davon aus, dass die Emissionsziele mit der aktuellen Klimaschutzpolitik verfehlt werden. Die Leistungsversprechen in der gesetzlichen Rentenversicherung würden schon bald eine zu einer weiteren Erhöhung der Abgabenlast führen. In puncto Digitalisierung drohe Deutschland den Anschluss zu verlieren. Ungenutzte Potenziale zur Produktivitätssteigerung könnten dabei den Verlust der internationalen Wettbewerbsfähigkeit zur Folge haben.

"Erholung für das Handwerk ist kein Selbstläufer"

"Die neue Bundesregierung hat die Chance, die Wirtschaftspolitik neu auszurichten und dabei den Fokus von kurzfristigem Konsumdenken auf Investitionen in das Human-, Umwelt, Sach- und Sozialkapital zu verschieben. Bei alledem ist die Nachhaltigkeit der öffentlichen Haushalte zu beachten", lautet der Rat der Forscher an die Politik. "Die Wirtschaftsforschungsinstitute weisen zu Recht darauf hin, dass die konjunkturelle Erholung nach Corona für die Wirtschaft, aber auch für das Handwerk alles andere als ein Selbstläufer ist", erklärt Hans Peter Wollseifer.

Hans Peter Wollseifer Foto: © ZDH/Boris TrenkelHans Peter Wollseifer Foto: © ZDH/Boris Trenkel

Der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks betont, dass unterbrochene Lieferketten auch die Erholung im Handwerk abschwächen. Betroffen seien alle Bereiche. "Dadurch entgehen den Betrieben wichtige Umsätze, die sie gerade jetzt nach dem Ende der Corona-Lockdowns dringend bräuchten, um neue Liquidität und Substanz aufzubauen." Die Mittel für Zukunftsinvestitionen müssten die Betriebe zuerst erwirtschaften, bevor sie die Herausforderungen des Klimawandels oder der Digitalisierung angehen können.

Betriebe maximal gefordert

Die neue Bundesregierung müsse immer im Blick behalten, dass ihre Entscheidungen nicht zu weiteren Belastungen für die Betriebe führen. Wollseifer: "Die sind angesichts von Lieferproblemen, Preisexplosion und Fachkräftemangel ohnehin schon maximal gefordert, ihren Betrieb überhaupt wirtschaftlich erfolgreich durch diese unruhigen Zeiten zu führen." Er warnt, dass zu hohe Kosten durch Klimaschutz und Energiewende die Leistungsfähigkeit der Betriebe gefährden könnte. Sie würden aber gebraucht, um beides überhaupt umsetzen zu können.

Der Handwerkspräsident fordert außerdem die Modernisierung von Infrastruktur und Verwaltung besonders hinsichtlich der Digitalisierung. Große Anstrengungen brauche es auch bei der Sicherung der zwingend nötigen Fachkräfte: "Dafür muss die Attraktivität der beruflichen Bildung weiter gestärkt und berufliche Bildung auch finanziell gleichwertig zur akademischen Bildung gefördert werden." Schließlich müssten endlich steuerliche Entlastungen den Weg für zusätzliche Investitionen ebnen.

GemeinschaftsdiagnoseIm Forschungsprojekt Gemeinschaftsdiagnose (GD) wird die wirtschaftliche Lage in Deutschland analysiert und prognostiziert. Die Diagnosen werden zweimal jährlich, jeweils im Frühjahr und im Herbst, erstellt. Die GD ist ein gemeinsames Forschungsprojekt mehrerer Wirtschaftsforschungsinstitute. Es werden die bedeutenden wirtschaftlichen nationalen und internationalen Rahmenbedingungen und Entwicklungen untersucht und dargestellt. Auf dieser Basis erfolgt eine Analyse der wirtschaftlichen Lage in Deutschland, die Prognose der kurzen Frist und mittleren Frist einschließlich einer Potenzialschätzung. Das Gutachten enthält eine Analyse der Wirtschaftspolitik und wirtschaftspolitische Empfehlungen.
Quelle: gemeinschaftsdiagnose.de

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Text: / handwerksblatt.de

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