Das Ziel der Unternehmensinitiative "Transform to Triple Zero" ist es, Wertschöpfung in einem geschlossenen Kreislauf zu schaffen.

Das Ziel der Unternehmensinitiative "Transform to Triple Zero" ist es, Wertschöpfung in einem geschlossenen Kreislauf zu schaffen. (Foto: © Katarzyna Białasiewicz/123RF.com)

Kreislaufwirtschaft: Pioniere für die Transformation

Politik

Die Emscher-Lippe-Region will im Bereich Zirkulärwirtschaft große Schritte nach vorne machen und hat dazu eine Unternehmensinitiative gestartet. Zu den Partnern gehört auch die Handwerkskammer Münster.

Nachhaltigkeit ist schon längere Zeit ein großes Thema im Handwerk. Für die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit, Wertschöpfung und Arbeitsplätze der Wirtschaft und des Handwerks komme es auch auf unternehmerische Innovationskultur für mehr Nachhaltigkeit an. Im Bereich zirkuläre Wirtschaft geht die Emscher-Lippe-Region voran und versucht, mit der Unternehmensinitiative "Transform To Zero" (TTZ) unter dem Dach des Prosperkollegs die Umsetzung der zirkulären Transformation voranzutreiben. Dahinter steckt ein Bündnis aus der Handwerkskammer Münster, Industrie- und Handelskammer Nord Westfalen und zweier Hochschulen und dreier Kommunen. Ziel ist es, Wirtschaftswachstum ohne Abfall, Umweltbelastungen und Klimakiller zu schaffen. Die Europäische Kommission nennt das im Green Deal "Race to Triple Zero" – null Abfall, null Umweltverschmutzung und null CO2-Emissionen.

Grundgedanke des zirkulären Wirtschaftens ist, schon bei der Entwicklung und Fertigstellung neuer Produkte mitzudenken, wie sie effektiver und länger genutzt werden können und was passiert, wenn sie nicht mehr gebraucht werden. Die Wertschöpfung soll so in einem geschlossenen Kreislauf stattfinden. Sie soll also nicht mehr nach einer kurzen Kette aus Rohstoffgewinnung, Verarbeitung und Verbrauch mit einer oft unzureichenden Entsorgung enden. Im Vordergrund stehen dabei die Steigerung von Effizienz und Effektivität von Gütern, Dienstleistungen, Verfahren und Geschäftsmodellen. Der Ressourcenverbrauch soll bei längerer Nutzung deutlich sinken. Die Partner der Initiative sehen sich laut eigener Charta als "Pioniere eines Transformationsprozesses in der Verantwortung zu grundlegendem, ganzheitlichen Wandel auf dem Weg zu einer zirkulären Wirtschaftsweise" und bilden ein Netzwerk von Unternehmen, Wissenschaft, Politik und Institutionen zur Nutzung von Synergien und Wissensaustausch.

Bewusstsein für das Handwerk schärfen

Zirkuläres Wirtschaften verbinden viele zunächst mit weltweiten Stoffkreisläufen, die in erster Linie im industriellen Kontext stehen. Innerhalb des Projekts Prosperkolleg solle es aber auch um Kreislaufwirtschaft und Handwerk gehen, sagt Thomas Harten, Geschäftsführer der Handwerkskammer Münster. Denn hier seien die Unternehmen verschiedener Branchen für die Kreislaufwirtschaft wichtig, sei es bei der Entwicklung und Erstellung von Produkten, der Kundenberatung oder der Reparatur und Wartung der Produkte. "Wir versuchen hier das Bewusstsein für das Handwerk zu schärfen und den Blick auch auf die lokalen Stoffkreisläufe zu lenken, um deutlich zu machen, wie wichtig unser Wirtschaftszweig in diesem Zusammenhang ist."

In dem gesamten Thema stecke großes Potenzial für Wertschöpfungszuwächse für Handwerksbetriebe und regionale Wertschöpfungsketten, erklärt Harten. Als Beispiel nennt er wiederverwendbare Steine oder Betonfertigteile aus recyceltem Material im Bausektor, die sich derzeit in der Entwicklung befinden. Er sieht das Handwerk hier in einer guten Marktposition, "weil die industrielle Vorproduktion nicht mehr ganz so dominant ist, sondern eher das Individuelle und damit das Handwerkliche". Die Kammer Münster erhofft sich vom Projekt TTZ auch eine Standortbestimmung, wie das Handwerk ganz aktuell im Bereich Zirkulärwirtschaft positioniert ist, um dann auch bei größeren industriellen Kreislaufprojekten eine stärkere Rolle spielen zu können. "Denn das Handwerk ist auch da ein ganz wichtiger Faktor."

"Abwarten wäre falsch"

Die Anforderungen für zirkuläre Geschäftsmodelle würden zwar noch nicht verbindlich feststehen, fänden derzeit aber Eingang in ISO-Normen, EU-Richtlinien und die geplanten Produktpässe für nachhaltige Produkte, sagt Lars Baumgürtel. "Unsere gemeinsame Überzeugung ist, abwarten wäre falsch. Je früher, pro-aktiver und effizienter wir uns auf den Weg zu einer zirkulären Wirtschaftsweise machen, desto besser sind unsere Unternehmen für die Zukunft aufgestellt", so der Sprecher der Initiative TTZ. Teil des Projekts sind viele Betriebe aus verschiedenen Branchen, und es ist offen für weitere Partner, die sich als "Pioniere für die zirkuläre Transformation in der Emscher-Lippe-Region sehen, sich vernetzen und Projekte realisieren wollen".

Wichtige Grundlagen wie einen Potenzialcheck oder ein Qualifizierungskonzept haben die Teilnehmer des Prosperkollegs bereits erarbeitet. Mit Hilfe von weiteren wissenschaftlich begleiteten Pilotprojekten sollen mit den Unternehmen nun Konzepte und Werkzeuge für betriebliche Transformationsprozesse entwickelt werden. Neue Aus-, Fort- und Weiterbildungsangebote, Kommunikations- und Vernetzungsmaßnahmen sollen schlussendlich auch über die Emscher-Lippe-Region hinaus für die zirkuläre Transformation sensibilisieren.

ProsperkollegDas Projekt Prosperkolleg hat bis Ende März 2023 die Aufgabe, die Transformation hin zur zirkulären Wertschöpfung in der Region zu erforschen und parallel zur Umsetzung anzuregen. Die Hochschule Ruhr West und die WiN Emscher-Lippe GmbH haben sich mit der Stadt Bottrop, der Effizienz-Agentur NRW und dem Verein Prosperkolleg zusammengeschlossen, damit gemeinsam mit Unternehmen in der Region Produktentwicklungen und innovativen Geschäftsmodellen einer zirkulären Wertschöpfung der Weg geebnet werden kann. So werden Synergieeffekte zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Kommunen geschaffen.
Quelle: Prosperkolleg

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Text: / handwerksblatt.de

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