Andreas Ehlert, Henriette Reker, Lars Feld, Hans Peter Wollseifer und Nathanael Liminski (v. l.)

Andreas Ehlert, Henriette Reker, Lars Feld, Hans Peter Wollseifer und Nathanael Liminski (v. l.) (Foto: © Wilfried Meyer / Handwerk.NRW)

Ordnungsökonom Lars Feld erhält Europäischen Handwerkspreis

Politik

Der Direktor des Walter Eucken Instituts und ehemalige Vorsitzende des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, Lars Feld, wurde vom NRW-Handwerk ausgezeichnet.

Alle zwei Jahre zeichnet das nordrhein-westfälische Handwerk herausragende Persönlichkeiten des internationalen öffentlichen Lebens aus, die sich besonders um Handwerk und Mittelstand verdient gemacht haben. In diesem Jahr heißt der Preisträger Lars Feld. Er ist Ordnungsökonom und Direktor des Walter Eucken Instituts in Freiburg. Die Auszeichnung erhielt er in Anerkennung seiner "herausragenden Rolle als Wissenschaftler und Politikberater in der Tradition der für die soziale Marktwirtschaft konstitutiven Freiburger Schule". Bei der Preisverleihung im Kölner Rathaus nannte die Oberbürgermeisterin Henriette Reker, ihn eine "Stimme der Expertise" und als "Streiter für das Vertrauen in die demokratische Wirtschaftsordnung und in die Kräfte des Marktes in fairer und freier Ordnung".

Hans Peter Wollseifer, Präsident der Handwerkskammer zu Köln, lobte Felds Engagement für die Digitalisierung der Wirtschaft. Er begreife die Digitalisierung als große Chance. Gerade jetzt angesichts der aktuell "unzähligen Herausforderungen" sei es wichtig, alle Chancen zu erkennen und zu nutzen. Feld sehe trotz aller Widrigkeiten die Chancen und ermutige Unternehmen, den Übergang in digitalisierte Strukturen zu wagen. "In einer Zeit, in der wir uns als Politik mit einer Gleichzeitigkeit verschiedener Krisen konfrontiert sehen, brauchen wir Experten mit einem klaren ordnungspolitischen Kompass", sagte NRW-Europaminister Nathanael Liminski (CDU). Genau dafür stehe Lars Feld. Handwerk und Mittelstand seien Grundpfeiler des Wohlstands und der sozialen Marktwirtschaft. Und Feld sei ein Vordenker der Zukunft der sozialen Marktwirtschaft.

Orientierung für Politik und Wirtschaft

In seiner Laudatio würdigte der Präsident von Handwerk.NRW, Andreas Ehlert, Feld als jemanden, der das marktwirtschaftliche Ordnungsdenken "wie kaum ein anderer" verkörpere. Er habe diesem Denken eine "neue Bedeutsamkeit und Relevanz" verliehen. Er habe nicht nur der Politik als Wirtschaftsweiser im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung Orientierung geboten, sondern auch den Vertretern der Wirtschaft. Er gelte als einer der geistigen Väter der "Schuldenbremse", die 2009 im Grundgesetz verankert wurde. Er habe dabei immer wieder die Frage gestellt, wie gesichert werden könne, dass Demokratie nicht auf Kosten künftiger Generationen wirtschaftet. Es brauche Regeln, die immer wieder auf den Pfad der Konsolidierung zurückzwingen. "Sie haben wiederholt angemahnt, dass die Verantwortung der politischen Ebenen geklärt sein muss. Andernfalls erodierten Vertrauen in Personen, Parteien und womöglich in die politische und wirtschaftliche Ordnung an sich."

Der Preisträger betonte in seiner Dankesrede, dass Krisen immer wieder auftreten würden. Deswegen sei es wichtig, darauf vorbereitet zu sein mit Strukturen, die damit rechnen, dass plötzlich ein Notstand auftreten kann. "Krisen müssen auftreten. Es kann nicht immer nur eine Weiterentwicklung in eine bestimmte Richtung geben, sondern es gibt einfach Situationen, die schockhaft eintreten müssen." Es müsse darüber nachgedacht werden, was in Krisenzeiten helfen könne, wieder zu einem Normalzustand zu kommen. Die Ordnungspolitik setze auf eine regelorientierte Wirtschaftspolitik und Rahmenbedingungen, damit Unternehmen frei wirtschaften können. In der Krise würden Regeln außer Kraft gesetzt. "Das heißt, wir müssen uns Gedanken darüber machen, wie sollten den Regeln aussehen, damit flexibel genug sind, um auf die Herausforderungen zu reagieren, und uns dann wieder zurück bringen in die ordnungspolitischen Rahmenbedingungen, die wir zuvor hatten."

Klare Zuordnung von Verantwortung

Krisen transformierten Volkswirtschaften, Gesellschaften und ganze Länder. Mit Blick auf die europäische Einigung sei eine "klare Zuordnung von Verantwortung" essenziell. Besonders die Architektur der europäischen Währungsunion müsse darauf ausgerichtet sein. Diese sieht zu Recht die Verantwortung der Mitgliedstaaten für ihre Finanz-, Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik vor," sagte Feld, und zog eine konkrete Schlussfolgerung für das "in der Not der Corona-Pandemie entstandene" Programm Next Generation EU: Es "sollte temporär bleiben und nicht dauerhaft eingerichtet werden".

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Text: / handwerksblatt.de

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