Die Stärkung der beruflichen Weiterbildung steht im Mittelpunkt der Nationalen Weiterbildungsstrategie.

Die Stärkung der beruflichen Weiterbildung steht im Mittelpunkt der Nationalen Weiterbildungsstrategie. (Foto: © kasto/123RF.com)

"Weiterbildung braucht noch mehr politischen Schwung"

Politik

Das Arbeitsministerium veröffentlicht einen ersten Umsetzungsbericht der Nationalen Weiterbildungsstrategie. Die Strategie setze die richtigen Impulse, sagt das Handwerk. Es bedarf aber noch mehr Anstrengung der Politik, um den Prozess zu beschleunigen.

Zwei Jahre nach Start der Nationalen Weiterbildungsstrategie (NWS) zieht das Bundesarbeitsministerium in einem Umsetzungsbericht eine erste Zwischenbilanz. Sie wurde Mitte 2019 verabschiedet und sollte zur Weiterentwicklung und Stärkung der beruflichen Weiterbildung dienen. Mit dem Bericht will das Ministerium sowohl das bisher Erreichte dokumentieren als auch auf die künftige Ausrichtung der Strategie blicken und Empfehlungen für zukünftige Maßnahmen geben.

Eine kontinuierliche Weiterqualifizierung sei die Basis für eine erfolgreiche Berufstätigkeit, betont Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) im Vorwort des Berichts. "Wir sind hervorragend aufgestellt, was die duale berufliche Ausbildung betrifft – sie bildet eine solide Grundlage für das weitere Erwerbsleben. Aber in aller Regel reicht es nicht, um bis zum Renteneintritt im Berufsalltag auf der Höhe der Zeit zu bleiben. Deshalb kommt es auf gute Weiterbildung an."

UmsetzungsberichtHier finden Sie den 80-seitigen Umsetzungsbericht des Arbeitsministeriums.Der Umsetzungsbericht dokumentiere auf der einen Seite drei Viertel der geplanten Maßnahmen bereits umgesetzt oder auf den Weg gebracht worden seien, so Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU). Andererseits zeige er Verbesserungsmöglichkeiten auf. "Vor allem die Digitalisierung bietet große Chancen, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer die Angebote zur Weiterbildung und Qualifikation stärker wahrnehmen." Die Rahmenbedingungen der Weiterbildung im digitalen Raum seien systematisch zu verbessern – von der Infrastruktur, digitalen Informationsangeboten, digitalen und hybriden Maßnahmen bis zu digital zertifizierten Abschlüssen, heißt es in den Empfehlungen des Berichts. Darüber hinaus soll die Weiterbildungsberatung verbessert und die Zusammenarbeit der beratenden Institutionen ausgebaut werden.

Öffentliche Förderung verbessern

Die öffentliche Förderung und die Rahmenbedingungen für die arbeitsorientierte Grundbildung Erwachsener sollen weiter gestärkt werden. Dabei sollen die Sozialpartner bei der Entwicklung entsprechender Fortbildungsprofile einbezogen werden. Um mit den Förderangeboten mehr Menschen zu erreichen, brauche es eine Steigerung ihrer Bekanntheit in der Öffentlichkeit. "Zudem gilt es vor dem Hintergrund des fortlaufenden digitalen und ökologischen Strukturwandels für alle Akteure der beruflichen Weiterbildung, den Bedarf einer Weiterentwicklung der Unterstützungs- und Förderinstrumente fortwährend zu überprüfen." Alle Partner seien hier gefordert. Deren Vernetzung soll mit einer Etablierung neuer regionaler Verbünde effizienter werden. Auch zwischen Betrieben soll es eine stärkere Verzahnung der Weiterbildungsangebote geben.

WeiterbildungsstrategieDie Nationale Weiterbildungsstrategie wurde im Juni 2019 durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales, das Bundesministerium für Bildung und Forschung, das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, die Bundesagentur für Arbeit, drei Fachministerkonferenzen der Länder (ASMK, KMK und WMK) sowie Gewerkschaften und Wirtschaftsverbände verabschiedet. Innerhalb von zehn definierten Handlungsfeldern haben sich die NWS-Partner auf Maßnahmen und Aktivitäten zur Fortentwicklung des Weiterbildungssystems sowie zur Stärkung der Weiterbildungskultur verständigt.
Quelle: Umsetzungsbericht NWS

Hans Peter Wollseifer Foto: © ZDH/SchueringHans Peter Wollseifer Foto: © ZDH/Schuering

"Der Umsetzungsbericht der Nationalen Weiterbildungsstrategie muss das Startsignal für noch mehr politischen Schwung beim Zukunftsthema Weiterbildung sein“, fordert Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer. Für die Betriebe des Handwerks spiele die Weiterqualifizierung ihrer eigenen Fachkräfte eine große Rolle. Denn nur mit Weiterbildung könnten sie den Wandel und die damit verbundenen neuen Anforderungen der Digitalisierung, der Energiewende oder des nachhaltigen Bauens bewältigen. "Es ist gut, dass die Bundesregierung mit der Nationalen Weiterbildungsstrategie jetzt auch in diesem Bereich die notwendigen und richtigen Impulse setzt." Positiv sei besonders, dass die Rolle der Sozialpartner bei der Entwicklung von Fortbildungsprofilen gestärkt und dass bestehende Förderlücken geschlossen werden sollen.

"Die berufliche Weiterbildung verdient hohen politischen Stellenwert und muss noch stärker in der öffentlichen Wahrnehmung verankert werden", betont auch Wollseifer. Dazu zähle, die Fortbildungsabschlüsse der höheren Berufsbildung nun zügig den Abschlussstufen Bachelor Professional und Master Professional des Berufsbildungsgesetzes beziehungsweise der Handwerksordnung zuzuordnen. "Zudem sollten Fortbildungsabsolventen von den Kurs- und Prüfungsgebühren im Aufstiegs-Bafög vollständig entlastet werden." Besonders bei Fachkräften im Handwerk, die sich bei der Weiterbildung oft bereits in der Familienphase befinden, könne damit die Fortbildungsbereitschaft positiv beeinflusst werden.

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Text: / handwerksblatt.de

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