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So schlagen Sie dem Pleitegeier ein Schnippchen

Die Konjunktur brummt. Trotzdem können Betriebe in Schwierigkeiten geraten. Wer die Warnsignale rechtzeitig beachtet, kann die Insolvenz oft verhindern! Auch die Handwerkskammern können helfen.

Dieser Artikel gehört zum Themen-Special So machen Sie offene Rechnungen sofort zu Geld!
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Eine Insolvenz ist das Schlimmste, was einem Betrieb passieren kann. Wer Warnsignale beachtet, kann diese Konsequenz jedoch verhindern. (Foto: © Andreas Buck)

Existenzangst? Für viele Betriebe ist sie in weite Ferne gerückt. Gerade das traditionell am stärksten von Pleiten geplagte Baugewerbe erlebt gegenwärtig eine Blütezeit: Wegen der niedrigen Zinsen stecken viele Bürger ihr Geld in den Hausbau oder Renovierungen und bescheren den Unternehmen damit volle Auftragsbücher. Doch auch wenn die Zahl der Insolvenzen sinkt, schlittern laut der Wirtschaftsauskunftei Creditreform Jahr für Jahr Tausende Betriebe in die Pleite. Ein Drama nicht nur für die Inhaber, sondern auch für ihre Mitarbeiter, Lieferanten und Kunden.

Dabei ließe sich so manche Insolvenz verhindern, wenn die Inhaber rechtzeitig auf Warnsignale reagierten. Doch viele holten zu spät Hilfe, bedauert Michael Burg, Abteilungsleiter für Betriebsberatung und Wirtschaftsförderung bei der Handwerkskammer Potsdam: "Wir erleben immer wieder, dass man uns erst kontaktiert, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist. Es lohnt sich im wahrsten Sinne des Wortes, rechtzeitig mit den Betriebsberatern der Handwerkskammern Kontakt aufzunehmen." Ganz ähnlich äußert sich sein Kollege Christian Likos, Hauptabteilungsleiter Wirtschaft und Recht der Handwerkskammer zu Leipzig. Seine Beobachtung: "Häufig werden Schwierigkeiten ausgeblendet, weil der Unternehmer sich denkt: 'Das kriege ich schon wieder hin!'. Dabei gilt: Je früher man kommt, desto eher lassen sich harte Einschnitte – wie die Schließung ganzer Unternehmensbestandteile – vermeiden."

Immer wachsam bleiben!

Selbst wenn augenscheinlich alles gut läuft, sollten Betriebsinhaber wachsam bleiben. Unternehmensberater Burg weiß von einem Dachdecker zu berichten, der beinahe Opfer seines eigenen Erfolgs geworden wäre: "Der Mann nahm so viele Aufträge an, dass er nach Erkrankung eines seiner drei Angestellten in Rückstand geriet und Vertragsstrafen aufgebrummt bekam." Die waren für das Unternehmen nicht tragbar.

Da der Betrieb aber grundsätzlich gut lief, empfahl der Insolvenzverwalter die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenregie. Das heißt: Der Inhaber konnte die Sanierung selbst in die Hand nehmen. "Das hat funktioniert, der kann jetzt nach sieben Jahren eine Entschuldung beantragen", sagt Burg. Ein Beispiel dafür, dass "eine Insolvenz auch eine Chance für einen Neuanfang sein kann. Manchmal muss der Knoten einfach platzen."

Achten Sie auf die Warnzeichen!

Besser ist gleichwohl, wenn es gar nicht erst so weit kommt. In Sicherheit wiegen sollte sich niemand, warnt der Leipziger HWK-Berater Likos. So sei Krisenanfälligkeit keine Frage der Größe: "Kleinere Unternehmen geraten zwar schneller an finanzielle Grenzen, dafür ist bei den größeren dann oft auch das Problem sehr groß." Jeder sollte deshalb auf Warnzeichen achten (s. Checkliste).

Statistisch gesehen treten Insolvenzen am häufigsten im Bauhauptgewerbe auf. Trotz der guten Auftragslage kommen in diesem Gewerk laut Creditreform 149 Pleitefälle auf 10000 Betriebe, im Schnitt liegt die Quote im Handwerk bei 83 Insolvenzen auf 10.000 Unternehmen.

Forderungsmanagement auf Zack bringen!

"Der Bau ist prädestiniert dafür, in Zahlungsschwierigkeiten zu geraten", sagt Berater Burg von der HWK Potsdam. "Wenn ein Großprojekt wie der Flughafen BER stockt, werden Rechnungen oft nicht mehr bezahlt. Da kann ein kleinerer Betrieb schon mal Schwierigkeiten bekommen." Burg empfiehlt deshalb, "das Forderungsmanagement auf Zack zu bringen. Das ist eine Trainingsaufgabe: Man muss ein Gespür für das Zahlungsverhalten der Kunden bekommen und ein richtiges Formularwesen einführen. Für Bauhandwerke ist es unentbehrlich, unverzüglich mit dem richtigen Schreiben reagieren zu können."

Grundsätzlich gilt dies für alle Gewerke, in denen nicht sofort bar abgerechnet wird. "Auch wenn der Umsatz auf dem Papier vorhanden ist, lässt er in der Kasse und auf dem Konto manchmal auf sich warten", warnt der Leipziger Berater Likos. "Wenn man seine Zahlungsströme nicht im Blick hat, kann das sehr schnell zu Schwierigkeiten führen."

Foto: © Andreas Buck

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