Fachkräfte umgarnen – aber wie?

Um gute Fachkräfte zu bekommen, müssen sich Unternehmen einiges einfallen lassen. Vor allem bei jungen Menschen steht ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Arbeit und Freizeit ganz oben auf der Wunschliste.

Dieser Artikel gehört zum Themen-Special So finden Sie gute Leute für Ihren Betrieb!
Handwerk
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Heute wechselt mehr als jeder vierte Arbeitnehmer weltweit seinen Arbeitsplatz, wenn er mit der Work-Life-Balance nicht zufrieden ist. Das sind Ergebnisse einer aktuellen Studie der internationalen Unternehmensberatung Hay Group. Dass ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Arbeit und Freizeit ein Anreiz für qualifizierte Arbeit sein kann, erkennen immer mehr Unternehmen.

Entscheidend sind Kriterien, die gerade das Handwerk bieten kann: Flexibilität, akzeptable Arbeitsbedingungen, berufliche Entwicklungsmöglichkeiten, Familienfreundlichkeit und Verständnis für außerberufliche Verpflichtungen.


Vereinbarkeit von Familie und Beruf
Peter Clos, Geschäftsführer des Sanitärbetriebs Tuskulum GmbH in Berlin mit 20 Mitarbeitern, führte die Work-Life-Balance ein, um fitte Mitarbeiter zu bekommen. Die Firma Tuskulum ist eine von vierzehn Handwerksbetrieben, die mit LIFE e.V. im Rahmen der Bundesinitiative "Gleichstellen von Frauen in der Wirtschaft" mit dem Projekt "Work-Life Balance im Handwerk" an Maßnahmen einer besseren Vereinbarkeit von Privat- und Berufsleben zusammenarbeitet.

"Grundsätzlich ist es ja so, dass wir uns heute bewerben müssen bei den Mitarbeitern, bei Männern und bei Frauen. Wir übernehmen Kinderbetreuungskosten, damit die Mitarbeiter wissen, dass die Kinder gut untergebracht sind und sie dann frei und locker sind für die Arbeit. Ein anderer Mitarbeiter, der seine Tochter regelmäßig freitags abholen muss, wird ab Mittag ganz klar nicht mehr eingeplant. So fühlt sich der Mitarbeiter wohl und ist sich sicher, dass er seine privaten Aufgaben in Einklang bringen kann mit der Arbeit. Ich bin mir ganz sicher, dass wir diese Mitarbeiter halten können über dieses gute Betriebsklima. Letztlich müssten wir sonst sehr viel Geld in die Hand nehmen", sagt Peter Clos in einem Interview mit Regina Gillner vom Verein LIFE.

Schranken im Kopf abbauen
Es gehe darum, die Schranke im Kopf abzubauen, so der Betriebsinhaber weiter: "Gerade im Handwerksbereich fangen alle morgens so um sieben Uhr an und arbeiten bis 16 Uhr. Wir arbeiten viel mit Privatkunden und bei den meisten Privatkunden muss vor acht kein Handwerker kommen. Also beginnt unsere Kernarbeitszeit erst um acht Uhr. Und wenn ein Mitarbeiter nur versetzt kann, dann wird er eben erst um neun Uhr eingesetzt. Und wenn ich einen richtig guten Mann habe, der nur 20 Stunden arbeiten kann, dann würde ich mich hinsetzen und überlegen, wie ich das hinkriege. Das hat sich von Anfang an bewährt."

Fachkraefte gesucht 123rfEin weiteres Projekt, das kleine und mittlere Unternehmen dabei unterstützt, eine passende Work-Life-Balance zu realisieren, bietet der Münchner Verbund Strukturwandel (VSW) mit dem Titel "Work-Life-Balance als Chance zur Fachkräftesicherung". Die Handwerkskammer für München und Oberbayern ist ein Kooperationspartner. Angeboten werden Coaching und Beratung bei der Umsetzung innovativer Konzepte, wunschweise als externe Betriebsberatung sowie in Gruppen, Seminaren und Workshops. Kernstück der Work-Life-Balance sind fünf Handlungsfelder, die sich an den Lebensphasen der Mitarbeiter orientieren. Die Teilnehmer, bislang 105 Männer und 55 Frauen, kommen aus allen Gewerken, wobei das Bau- und Ausbaugewerbe stark vertreten ist. Das Feedback der Teilnehmenden ist ausgesprochen positiv. Am besten werden Gruppenberatungen angenommen, die Mischung unterschiedlicher Gewerke wird als Bereicherung gesehen. Da in der Regel keine Mitbewerber in den Gruppen sind, ist mehr Offenheit möglich.

Katherine Kaindl, kaufmännische Leiterin in der Kaindl GmbH in Herrsching mit 30 Beschäftigen erläutert: "Wir haben im Betrieb Mitarbeiter gesucht und auf eine Zeitungsanzeige hin keine einzige Bewerbung erhalten. Die Workshops des Projekts mit Einladung über die Handwerkskammer fand ich daher einen interessanten neuen Ansatz. In den Veranstaltungen wurde mir klar, dass nicht einzelne Maßnahmen etwas bringen, sondern dass ein Mix aus dem Kreis der Handlungsfelder nötig ist, denn jeder Betrieb und jeder Mitarbeiterin ist anders. Das wird nun umgesetzt, und bei Bedarf hole ich mir weitere Unterstützung im Rahmen des Projekts."

Von Bärbel Daiber

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