So halten Sie gute Mitarbeiter in Ihrem Betrieb

Gute Leute sind schwer zu bekommen – und als Mitarbeiter zu halten. Handwerksbetriebe können zwar mit ihrem familiären Betriebsklima punkten. Aber es gibt Strategien, die noch mehr Erfolg versprechen.

Dieser Artikel gehört zum Themen-Special So finden Sie gute Leute für Ihren Betrieb!
Handwerk
Foto: © auremar/123rf.com

Bis zu 18.500 Euro kann es einen Handwerksbetrieb kosten, einen bewährten Mitarbeiter gegen eine neue Kraft austauschen zu müssen. Auf diese Summe kommt das Bundesfamilienministerium in einer Broschüre. Zu Buche schlagen nicht nur Kosten für das Einstellungsverfahren, sondern auch für das Anlernen, eventuelle Fortbildungen oder Fehleinstellungen. Selbst wenn man Glück mit dem neuen Mitarbeiter hat, bringt er im ersten Jahr nur etwa 80 Prozent der Leistung eines "alten Hasen".

Da Fachkräfte zudem immer schwerer zu finden sind, ist es umso wichtiger, an guten Mitarbeitern festzuhalten. Das Unternehmen Tenbrink Ladeneinrichtung GmbH aus Stadtlohn hat in eine Unternehmensberatung beim SchmidColleg investiert, um bei steigender Mitarbeiterzahl weiterhin die Zufriedenheit des Einzelnen zu sichern. Seitdem werden die Führungskräfte regelmäßig in Seminaren für ihre Aufgabe gestärkt. Schließlich sind sie das Bindeglied zwischen Geschäftsleitung und Belegschaft.

Vertrauen schenken und loben können ...
Tenbrink Foto Peter LessmannDas Unternehmen investiert viel in die Zufriedenheit seiner 110 Mitarbeiter. "Wir räumen unseren Beschäftigten Freiräume ein, innerhalb derer sie ihre Arbeit frei organisieren können. Vertrauen schenken und loben können ist die Grundlage für unsere gute Zusammenarbeit", erklärt Annabell Tenbrink den Führungsstil de Firma.

Zusammen mit dem SchmidColleg und der Sporthochschule Köln hat Tenbrink außerdem vor einiger Zeit ein Gesundheitskonzept eingeführt. Ein Sportstudent aus Köln hat es federführend umgesetzt und seine Diplomarbeit darüber geschrieben. Anhand der Ergebnisse von Gesundheitschecks hat er für jeden Mitarbeiter einen individuellen Trainingsplan entwickelt – auch für die Geschäftsführer. "Das ist gleichzeitig ein tolles Kommunikationsprojekt", sagt Tenbrink. "Denn beim Badminton tauscht sich der Tischler-Azubi mit dem Technikleiter aus." Seminare zur gesunden Ernährung und ergonomische Arbeitsplätze runden das Konzept ab, das 2011 vom Fachverband des Tischlerhandwerks NRW mit dem Alfred-Jacobi-Preis ausgezeichnet wurde.

Einmal jährlich gibt es eine Mitarbeiterbefragung
Die Fluktuation ist gering. Allein im letzten Jahr gab es 13 Jubilare, die seit über 20 Jahren im Unternehmen tätig sind. Das liegt sicher auch an der familiären Atmosphäre: Jubilare werden gemeinsam gefeiert, alle zwei Jahre gibt es ein großes Familienfest. Einmal im Jahr können die Mitarbeiter in einer Umfrage angeben, wie zufrieden sie sind. Die Ergebnisse nutzen Team- und Geschäftsleitung, um die Ziele für das kommende Geschäftsjahr festzulegen. In regelmäßigen Gesprächen mit der Teamleitung kann jeder Mitarbeiter zudem seine Ziele im Unternehmen vereinbaren, über Weiterbildungen, Gehalt oder mögliche Verbesserungen reden.

Auf solche Mitarbeitergespräche setzt auch die Firma aus Recke. Bei ihrem Vater habe es die noch nicht gegeben, erzählt Susanne Lührmann. Ihr Mann hat den Bereich Haustechnik 1989 von ihren Eltern übernommen. Die Jahresgespräche haben sie eingeführt, um die Mitarbeiter stärker ins Boot zu holen, sie in Entscheidungen, die sie selbst betreffen, mehr einzubeziehen.

Wer gut arbeitet, muss auch gut bezahlt werden
Luehrmann Foto Peter LessmannÜberhaupt setzen die Lührmanns auf Kommunikation. Sie gehen individuell auf Bedürfnisse der Mitarbeiter ein, leistungsgerechte Entlohnung ist ein Muss. "Wer gute Arbeit leistet, muss auch gut bezahlt werden", sagt Lührmann. Besonderes Engagement der Mitarbeiter wird darüber hinaus mit Tank- oder Essensgutscheinen honoriert.

Viel Wert legt der Betrieb auf interne und externe Schulungen für die Mitarbeiter. Lührmann hat vor fünf Jahren die Ausbildung zur Kommunikationstrainerin abgeschlossen und übernimmt die internen Schulungen zum Konfliktmanagement, Telefontraining oder Handwerker-Knigge selbst. Dafür sucht sie besondere Schulungsräume in schöner Umgebung aus. Der Tag beginnt mit einem gemeinsamen Frühstück, bei dem man sich austauschen kann, bevor es an die Themen und Übungen geht.

Die Seminare kommen bei den Mitarbeitern ebenso gut an wie die Betriebsausflüge, zu denen stets die gesamte Belegschaft von 22 Leuten mitkommt. Es ist keine Seltenheit, dass Mitarbeiter über 40 Jahre bei Busemeier beschäftigt sind. Drei Angestellte, die gewechselt haben, sind mittlerweile zurückgekommen. Das stimmt die Lührmanns zuversichtlich, dass sie im Umgang mit ihren Leuten einiges richtig machen.
Text: Melanie Dorda
Foto: © auremar/123rf.com/ Peter Leßmann

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