Foto: © Daniel Kaesler/123RF.com

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Nachfolger in der Familie gesucht!?

Theorie und Praxis haben sich verbündet: Herausgekommen ist ein Buch, dass sich als Nachschlagewerk für Familienbetriebe eignet, für die ein Nachfolger gesucht wird.

Viele tausend Handwerksunternehmer suchen derzeit einen Nachfolger für ihren Betrieb – am liebsten aus der eigenen Familie. Und der ein oder andere frisch gebackene Meister-Nachwuchs wäre durchaus bereit, den elterlichen Betrieb zu übernehmen. Doch in der Realität scheitert die Betriebsübergabe häufig: Manchmal fehlt es an Wissen über die harten Fakten, manchmal an der Psychologie. Abhilfe soll das Buch "Nachfolgemanagement in Familienunternehmen" schaffen. Das Deutsche Handwerksblatt (DHB) hat dazu Prof. Martin Kaschny und Hubert Kersting befragt. Kaschny ist Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre an der Hochschule Koblenz, Kersting arbeitet als Berater bei der Handwerkskammer Düsseldorf.

DHB: Wie ist dieses Buch entstanden? Was war denn Ihr Part dabei?
Kersting: Das Buch kam auf die Anregung von Herrn Prof. Dr. Kaschny zustande. Das Thema Unternehmensnachfolge ist ein Teilbereich der Unternehmensgründung und Gründung ist ein Schwerpunkt von Herr Prof. Dr. Kaschny an seinem Lehrstuhl im Fachbereich Betriebswirtschaft bei der Hochschule Koblenz. Seit langen Jahren bin ich in der Unternehmensberatung der Handwerkskammer Düsseldorf tätig und befasse mich dort mit allen vor allem praktischen Fragen der Nachfolge (Konzeptionierung, Bewertung, Begleitung, Finanzierung).

Buchtipp:
Hubert Kersting, Sven Bitzer, Raphael Dupierry:
Nachfolgemanagement in Familienunternehmen
Bewertung – Due Diligence – Finanzierung
Erich Schmidt-Verlag 2014, 49,95 Euro
Zu bestellen im VH-Buchshop bei Bärbel Nass, Tel.: 0211/3 90 98-64 oder per E-Mail: nass@verlagsanstalt-handwerk.de

DHB: Die Autoren kommen aus der Wissenschaft, dem Gründungsbüro Koblenz und der Praxis – wie kam es denn zu dieser besonderen Kombination?
Kersting: Herr Prof. Dr. Kaschny ist ein ehemaliger Kollege aus der Unternehmensberatung der Handwerkskammer Düsseldorf. Er sprach mich an, ob ich nicht mein Erfahrungswissen in ein solches Projekt einbringen könnte. Mich reizte die Möglichkeit, methodisch und wissenschaftlich an das Thema heranzugehen.
Kaschny: Ich bin einer der wenigen Professoren in Deutschland, die im Bereich Unternehmensnachfolge praktische Erfahrung vorweisen können. Daher sollte ein Buch verfasst werden, das die praktische Erfahrung als Handwerkskammerberater und aktuelle theoretische Erkenntnisse kombiniert. Dadurch dass wir wichtige betriebswirtschaftliche, steuerliche, rechtliche und auch psychologische Themen anhand des Prozesses der Unternehmensnachfolge geordnet haben, können Praktiker nun gezielt im Buch nachschauen, wo sie gerade in einem Nachfolgeprozess stehen und was nun zu beachten ist. Damit das schnell geschehen kann, haben wir zahlreiche Checklisten eingefügt.

DHB: Das Buch ist eine Mischung aus wissenschaftlichem Werk und praktischer Anleitung. An wen richtet es sich denn nun?
Kersting: Das Buch richtet sich an diejenigen, die im Nachfolgeprozess nicht ständig zu Hause sind. Damit ist die Übergeber- und die Übernehmerseite gemeint. Gleichzeitig sollen sich Praktiker wie Steuerberater und Unternehmensberater, die Nachfolgeprozesse begleiten oder begleiten wollen, angesprochen fühlen. Es wird schon ein betriebswirtschaftliches und rechtliches Grundverständnis vorausgesetzt. Neben dem praktischen Ansatz als Ratgeber mit vielen Checklisten werden die aktuelle wissenschaftliche Diskussion und die gesetzgeberischen Vorgaben aufgezeigt.
Ziel ist es, im Nachfolgeprozess Orientierung zu geben. Vom der gesamtwirtschaftlichen Betrachtung ausgehend werden wegen der Komplexheit die einzelnen Ebenen und die Aufgabenfeldern im Management einer Nachfolge systematisiert. Die Kernfragen werden angesprochen und erläutert. Auf grundlegende rechtliche und steuerrechtliche Problemfelder wird hingewiesen und es werden Lösungsoptionen aufgezeigt.
Kaschny: Der wissenschaftliche Bezug dient unter anderem dazu, die vielen Themen zu ordnen und den Inhalt zu untermauern. Letztendlich entscheidend ist immer die Umsetzung. Diese wird stärker als in anderen Büchern im Auge behalten.

HandwerkDHB: Warum ist die Betriebsübergabe im Handwerk ein eigenes Buch wert? Was unterscheidet es von anderen Ratgebern zum Thema?
Kersting: Der Schwerpunkt des Buches ist die Gestaltung der Nachfolge in kleineren und mittleren inhabergeführten Unternehmen, also auch außerhalb des Handwerks. Es gibt zu diesem Thema mehr oder weniger umfangreiche Informationen. Das zeigt allein die umfangreiche Literaturliste des Buches. In den letzten Jahren gibt eine rege Forschung zum Thema Mittelstand. Wir haben den aktuellen Stand zur Nachfolge im Mittelstand im Buch berücksichtigen. Nehmen wir das Kapitel Unternehmensbewertung. Wir stellen die verschiedenen aktuell verwendeten Verfahren für kleinere und mittlere Unternehmen wie zum Beispiel der AWH-Standard im Handwerk oder das CAPM-Verfahren dar.
Kaschny: Der Unterschied zu anderen Büchern besteht vor allem darin, dass wir vor dem Hintergrund unserer praktischen Erfahrung als Handwerkskammerberater jene Themen aufgenommen haben, die wichtig sind. Dadurch entstand ein Buch, das relativ "rund" ist, weil unterschiedlichste fachliche Sichtweisen eingeflossen sind. Durch die zahlreichen Checklisten ist viel Wissen in komprimierter Form eingeflossen.

DHB: Befürchten Sie nicht, dass Begriffe wie "Due Dillegence" im Untertitel des Buches, der Umfang von über 400 Seiten und die wissenschaftliche Optik des Buches den ganz normalen Handwerksunternehmer eher abschrecken?
Kersting: Die Abschreckung ist nicht die Absicht, aber das Aufschließen für Fachbegriffe und die umfassende Erläuterung gerade am Beispiel Due-Diligence. Die Due Diligence wird gerade im Handwerk immer wichtiger. Er bedeutet "sorgfältige Prüfung" und ist ein gängiger Fachbegriff im Zusammenhang mit der Übertragung von Unternehmen. Davon sind Einzelunternehmer, als wichtigster Rechtsform für kleine Handwerksbetriebe weniger betroffen. Aber je größer der Handwerksbetrieb desto geringer ist der Anteil von Einzelunternehmen. Die GmbH oder die GmbH & Co KG dominieren hier. Geht eine GmbH durch Kauf der Anteile über, gehen alle Rechte und Pflichten zunächst grundsätzlich mit über. So ist die "sorgfältige Prüfung" im Vorfeld durch den Käufer angebracht. Der Begriff wird nicht nur erläutert, sondern die einzelnen Bereiche einer Prüfung und die praktische Vorgehensweise werden in einem eigenen umfangreichen Kapitel ausführlich mit zahlreichen Checklisten dargestellt.
Kaschny: Das Buch soll den vielschichtigen Erfordernissen in kleinen und in mittleren Betrieben gerecht werden. Wenn ein Kapitel wie beispielsweise "Übergabe innerhalb der Familie" kein Thema ist, kann das Kapitel einfach übersprungen werden, ohne dass man den roten Faden verliert.


HandwerkDHB: Bereits zu Beginn ist von den spezifischen Problemen der im Handwerk häufigen familieninternen Betriebsübergabe die Rede. Konflikte zwischen Junior und Senior könnten die Belegschaften spalten, verletzte Gefühle würden ein großes Konfliktpotenzial bergen. Wie kann der Leitfaden dabei helfen?
Kersting: In Ihrer Frage steckt ein wichtiger Teilaspekt der komplexen Fragestellung im Nachfolgeprozess: die Psychologie. Über den grundsätzlichen systematischen Ansatz, der im Buch aufgezeigt wird, können Lösungsoptionen wie z.B. Erstellung eines Fahrplan, eine Trennung von Eigentum von Geschäftsführung oder die Neuordnung der Betriebsorganisation die Beteiligten sich selbst erarbeiten oder von Beratern ausgearbeitet und vorschlagen werden.
Kaschny: Das Buch soll zunächst zeigen, was wichtig ist. Wenn das erreicht wurde, ist der Leser offener für die Lösungsmöglichkeiten, die wir aufzeigen. Wenn z. B: ein Bewusstsein dafür besteht, dass in mittelständischen Betrieben die Familie nicht nur die größte Stärke darstellt, sondern auch eine Schwachstelle sein kann, sind gute Voraussetzungen dafür gegeben, dass an dieser Schnittstelle umsichtig und nachhaltig gemanagt wird. Aber sicherlich kann das Buch nicht auf alle Fragen eine Antwort liefern.

DHB: Was sind die wichtigsten drei Ratschläge, die Sie inzwischen Betriebsübergebern und Nachfolgern geben?
Kersting:

  1. Ein Betriebsübergeber sollte in Nachfolgegespräche, ob mit einem Familienmitglied oder einen Familienfremden, mit einem durchdachten und abgestimmten Konzept gehen. (Ausgangsposition, Zeitplan, Vorstellungen)
  2. Keine Scheu haben, externe Berater schon frühzeitig hinzubeziehen.
  3. Ein Nachfolger sollte sich über seine persönlichen Kompetenzen und Fähigkeiten im Klaren sein. Neben der Motivation und der fachlichen Qualifizierung sollten tiefere Branchenerfahrung und Führungskompetenz vorhanden sein.

DHB: Wie ist denn die erste Resonanz auf das Buch gewesen? Haben Sie schon Rückmeldungen von Unternehmern, Betriebsberatern der Kammern oder anderen Beratern bekommen?
Kersting: Gerade jüngere, weniger erfahrene Beraterkollegen teilten mir mit, dass ihnen der grundsätzliche Ansatz des Buches weiterhilft. Die vielen Checklisten sind in der praktischen Arbeit dabei eine große Hilfe.

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Hubert Kersting ist seit 1984 Unternehmensberater bei der Handwerkammer Düsseldorf Handwerkszentrum Ruhr Oberhausen. Er hat jährlich über 100 Unternehmen in der Nachfolgeberatung. Weitere Schwerpunkte seiner Arbeit sind Krisenberatung, Finanzierung und Controlling. Der Diplom-Volkswirt ist Mitglied bei der beim ZDH angesiedelten Arbeitsgemeinschaft der Wert ermittelnden Betriebsberater im Handwerk (AWH). Er hat seit 2012 einen Lehrauftrag bei der Hochschule Koblenz Gründungs- und Nachfolgemanagement.Martin Kaschny ist seit 2002 an der Hochschule Koblenz Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre mit den Schwerpunkten Mittelstandsmanagement und Unternehmertum. Auf ein Studium an den Universitäten Bamberg, Montréal (Kanada) und Köln mit Abschluss als Diplom-Kaufmann im Jahr 1992 folgte ein Promotionsstudium an der Universität zu Köln. Von 1999 bis 2002 war Martin Kaschny als Unternehmensberater bei der Handwerkskammer Düsseldorf tätig. Der Schwerpunkt seiner Arbeit liegt beim Ideen-, Gründungs- und Innovationsmanagement.

Text: / handwerksblatt.de