Simone, Renate und Friederike Strate (v. l.) sind die Gesch√§ftsf√ľhrerinnen der Brauerei Strate in Detmold.

Simone, Renate und Friederike Strate (v. l.) sind die Gesch√§ftsf√ľhrerinnen der Brauerei Strate in Detmold. (Foto: ¬© Wilfried Hiegemann - fotoideen.com)

"Wir sind jedes Jahr auch ein Start-up"

Nachfolge: Die Privatbrauerei Strate in Detmold gibt es inzwischen in f√ľnfter Generation, die meiste Zeit unter weiblicher Leitung. Das Unternehmen erfindet sich immer wieder neu.

"Es ist die Liebe zum Handwerk, die uns antreibt." Was wie ein Werbespruch klingt, meint Friederike Strate von ganzem Herzen. Die Braumeisterin führt mit ihrer Schwester Simone und ihrer Mutter Renate die Privatbrauerei Strate in Detmold. Das 1863 gegründete Familienunternehmen ging bereits in der zweiten Generation in Frauenhand über.

Kleines Universum weit weg von Industriebrauereien

"Unser Vater war der einzige männliche Nachfolger in der Firmengeschichte", erzählt Friederike Strate. Zum 18. Geburtstag schenkte Friedrich Strate seiner Tochter ein reetgedecktes "Hopfenblütenteehaus" im Park der schlossartigen Brauerei. Heute ist es ein Verkaufsraum. "Mit 19 war ich die jüngste Braumeisterin Deutschlands", berichtet sie bei der Veranstaltung "Unternehmerinnen in Westfalen". Das war 1983. Seit dem Tod von Friedrich Strate 1995 leiten Friederike Strate, ihre Schwester Simone Strate als kaufmännische Leiterin und Mutter Renate, die für das strategische Management zuständig ist, den Betrieb mit 30 Mitarbeitern gemeinsam.

Die Brauerei ist in fünfter Generation so erfolgreich, dass sie heute zu den 32 größten Privat-Brauereien in Deutschland zählt. Der Jahressausstoss hat sich seit dem Generationswechsel verfünfzehnfacht. Das zieht auch den Nachwuchs an: Die fünf Auszubildenden aus dem Hause Strate stellen zehn Prozent aller Schüler in der Berufsschulklasse in Dortmund. "Wir sind ein kleines Universum weit weg von Industriebrauereien", meint Braumeisterin und Biersommelière Friederike Strate. In einem ruinösen Markt behauptet sich die Brauerei, indem sie immer wieder neue Wege einschlägt und auf sich wandelnde Märkte schnell reagiert.

Nachhaltigkeit und Regionalität spielen eine zentrale Rolle

Den Grundstein dafür legte Friedrich Strate schon 1979, als er auf die umweltfreundliche Bügelverschlussflasche umstieg. "Tonnenweise Kronkorken haben wir seitdem vermieden", meint Simone Strate. Bis heute spielen Nachhaltigkeit und Regionalität eine zentrale Rolle. So sind die Flaschenetiketten aus Altpapier, und seit 2021 sind zwei zertifizierte Bioprodukte im Sortiment.

Es gibt Gerstenanbauprojekte mit Landwirtinnen und Landwirten aus der Region, und auch bei ihren Hopfenlieferanten sind die Strates wählerisch. Das hat sich rumgesprochen in der Branche. "Wir werden oft angesprochen, ob wir Bock auf seltene Rohstoffe haben", lacht Friederike Strate. Natürlich haben sie und brauen neben ihren Klassikern wie dem Detmolder Pilsener oder Landbier etliche Spezialitätenbiere wie das mit Chardonnay Hopfen (prämiert mit dem "World Beer Award") oder das mit Himalaya-Hopfen, ein Thusnelda-Bier oder einen Honig-Bock. Dafür wurden extra Bienenvölker im Park der Brauerei angesiedelt.

"Der Markt verändert sich, und wir ziehen daraus unsere Lehren. Wir sind zwar ein traditionelles Familienunternehmen, aber wir sind jedes Jahr auch ein Start-up. Wir entwickeln uns und finden neue Wege", beschreiben die Unternehmerinnen ihr Erfolgsrezept. Sie hätten in den Jahren der Selbstständigkeit gelernt, dass sich immer eine Tür auftut, wenn sich eine andere Tür schließt. Dazu gehören auch Kreativität und Mut zu Zukunftsinvestitionen, etwa in eine neue Kälteanlage, in einen "Craft-Bier-Keller" oder in den Veranstaltungsraum Stratosphäre. Dort kann jeder Gast durch einen gläsernen Boden die Produktion sehen. 

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Text: / handwerksblatt.de

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