Schlafen auf dem Dach, hier von 3DOG camping: Ohne Leiter geht es nicht. (Foto: © 3DOG Camping)

Neuheiten 2020: DACHZELTE

Mit dem eigenen Fahrzeug reist man individuell. In Kombination mit einem Dachzelt kann man sogar in der freien Natur übernachten. Eine kleine Einführung.

Dachzelt ja oder nein? Wer nicht weiß, ob das etwas für sein Fahrzeug ist, hat eine ganz einfache Faustformel: Ein Dachzelt lässt sich auf jedem Fahrzeug montieren, das mit einem Dachträger ausgestattet werden kann. Allerdings gibt es – wie bei fast allem – auch bei Dachzelten unterschiedliche Formen und Aufbauten. Auf Fachmessen lassen sich verschiedene Modelle vergleichen.

Foto: © 3DOG CampingAuto-Dachzelte müssen einiges aushalten. 3DOG camping fertigt alles in der eigenen Werkstatt.

 Wer im Zweifel ist, welches das richtige für die eigenen Ansprüche ist, mietet (s)ein Dachzelt zur Probe. So kann eine teure Fehlinvestition vermieden werden und der Mietpreis wird oft bei einem späteren Kauf angerechnet.

Grundsätzlich unterscheidet man Klapp und Hartschalen-Dachzelte. Ein Klapp-Dachzelt ist konstruktiv mit einem Bodenzelt verwandt. Die Seitenwände und das Dach bestehen in der Regel aus Stoff
oder Textilgewebe. Als Bodenplatte kommt Holz oder eine Alu-Sandwich-Konstruktion zum Einsatz. Der Boden besteht aus zwei Teilen, Zeltstoff und Gestänge liegen während der Fahrt zwischen den Bodenplatten. Im Stand wird das Dachzelt mit seinem stützenden Gestänge einfach aufgeklappt.

Foto: © AirpassJe nach Bauart wird das Dachzelt seitlich, nach vorne oder hinten entfaltet. Eine Leiter gestattet den Zugang zum Schlafgemach und stützt die Liegefläche zum Boden ab.  Der Einstieg geschieht dann von vorne, hinten oder von der Seite aus. Durch die Verdopplung der Grundfläche bieten Klapp-Dachzelte relativ vielPlatz, teils für bis zu vier Personen. Je nach Größe des verwendeten Zeltes – und der Dachfläche des Wagens – bleibt auf dem Dach noch Stauraum. 

Foto: © AirpassPlatz ist auf engstem Raum, wie Airpass zeigt. Zu viert wird es allerdings schon sehr kuschelig.  

Ob dieser voll genutzt werden kann, hängt vom Gewicht des Dachzelts und der zulässigen Dachlast des Fahrzeugs ab. Man sollte die zulässige Dachlast – speziell bei Geländefahrt – nicht bis zum Anschlag ausreizen. Denn die im Offroad-Einsatz auftretenden hohen Kräfte sind nicht zu unterschätzen.

Der Vorteil

Ein Vorteil der Klapp-Dachzelte sind die optional erhältlichen Vorzelte. Sie schaffen zusätzlichen Lebensraum, so kann man sich ungestört umziehen, Regenschauer abwarten oder geschützt Mahlzeiten zubereiten. Zelte dieser Bauart brauchen relativ wenig Platz auf dem Dach und sind mit Stoffdach und -wänden vergleichsweise leicht. Der Aufwand beim Auf- und Abbau und der Pflege ist höher als bei einem Hartschalenzelt und beim Zusammenlegen nach verregneter Nacht kann die Matratze feucht werden.

Foto: © XP-EditionDas elektromechanische Dachzelt von XP-edition, auf einer G-Klasse von Mercedes.  Hartschalenzelte, auch als Keil- oder Kurbelzelte bezeichnet, lassen sich relativ rasch öffnen oder schließen. Sie bestehen aus Kunststoff- oder Aluschalen, die Dach und Boden bilden. Bei einem einseitig angeschlagenen Dach entsteht geöffnet ein liegendes "V". Andere Zelte stellen das Dach auf ganzer Länge parallel zur Bodenschale auf und bieten damit mehr Lebensraum. Einseitig angeschlagene Dächer bieten eine Höhe von bis zu etwa 140 cm, allerdings eben nicht durchgängig. Das Aufstellen wird üblicherweise per Kurbel erledigt, der Einstieg erfolgt in der Regel von der Seite aus.

Ein Plus der Hartschalenzelte ist der geringere Kraftstoffverbrauch gegenüber den größer aufbauenden Klappzelten. Und geräuschempfindliche Naturen behaupten, fallender Regen sei weniger störend als bei Klappzelten. Hier spielt die bessere Isolierung der Hartschalen ihre Stärken aus. Obendrein lässt sich ein Fahrzeug mit aufgestelltem Hartschalen-Dachzelt rangieren, falls der Nachbar auf dem Campingplatz schnarcht.

Der Nachteil

Ein Hartschalenzelt nimmt die komplette Dachfläche ein, da die Grundfläche nicht durch Aufklappen vergrößert wird. Das ist das Aus für Stauboxen auf dem Dachgepäckträger. Außerdem ist der Anbau von Vorzelten oder Sonnendächern oft etwas schwieriger als bei Klappzelten. Unabhängig von der Bauart des Dachzelts sind grundsätzlich einige Punkte zu beachten: 

  • Die Matratze besteht meist aus Schaumstoff mit einem Bezug. Sie sollte etwa sechs bis acht Zentimeter stark sein und eine angenehme Härte besitzen.
  • Ein Überzug lässt sich leichter reinigen und ist hygienischer als feste Bezüge.
  • Eine Unterlage für die Matratze oder eine Unterlüftung beugen Schimmel vor und verbessern den Schlafkomfort.
  • Eine Länge von 200 cm ist für groß gewachsene Menschen knapp bemessen, bei 220 bis 240 cm bleibt am Fuß- oder Kopfende auch noch Platz für Bekleidung oder Nachtlektüre. Sinnvoll ist es, wenn Schlafsäcke oder Kissen in fahrbereitem – geschlossenen – Zustand im Dachzelt bleiben können.
  • Für gute Belüftung sind zwei zu öffnende Fenster an gegenüber liegenden Seiten hilfreich, am besten mit verschließbaren Moskitonetzen.
  • Der verwendete Zeltstoff oder das Textilgewebe sollte wasserdicht – und dennoch atmungsaktiv – sein, UV-beständig und hochreißfest. Ein "schwerer" Zeltstoff lässt bei Nacht und beleuchtetem Zelt
    keine Einblicke zu, außerdem wird man am Morgen nicht (zu) früh von Sonnenstrahlen geweckt. An Kederleisten befestigter Zeltstoff lässt sich einfacher austauschen als festgetackerter Stoff.
  • Je nach Hersteller, Größe und Zelttyp wiegt ein Dachzelt etwa 40 bis 100 Kilogramm. Preiswerte Klapp-Dachzelte gibt es bereits für unter 1.000 Euro, ein Top-Modell kann über 4.000 Euro kosten. Ein Hartschalen-Dachzelt liegt zwischen 1.200 und rund 4.000 Euro.

 

Text: / handwerksblatt.de

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