Der Umgang mit digitalen Medien muss auch Teil der Ausbildung sein. Doch nur ein Drittel der im Rahmen des DGB-Ausbildungsreports 2019 befragten Auszubildenden beurteilt die digitale Ausstattung ihrer Berufsschule als sehr gut oder gut.

Der Umgang mit digitalen Medien muss auch Teil der Ausbildung sein. Doch nur ein Drittel der im Rahmen des DGB-Ausbildungsreports 2019 befragten Auszubildenden beurteilt die digitale Ausstattung ihrer Berufsschule als sehr gut oder gut. (Foto: © Tyler Olsen/123RF.com)

Ausbildung 4.0: Mangelwirtschaft statt Digitalkompetenz

Mit Blick auf den aktuellen Ausbildungsreport des DGB fordert der Berufsschullehrerverband BvLB: Berufliche Schulen müssen Kompetenzzentren für berufliche Bildung in der digitalen Transformation werden.

Um bei der dynamisierten Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft Schritt halten zu können, muss die berufliche Bildung "Jenseits des Kabels" auf allen Feldern revolutioniert und intelligente Konzepte entwickelt werden. Das fordere der Bundesverband der Lehrkräfte für Berufsbildung (BvLB) schon lange und habe gesetzte Standards bei der Digitalisierung des schulischen Alltags definiert: Gigabit für alle, leistungsstarkes W-LAN in allen Klassenräumen, "Bring your own device" und Cloudtechnologie. Nur fehle vielfach noch die technische Ausstattung, ebenso wie der Breitbandanschluss und qualifizierte Lehrkräfte. Das offenbare auch der Ausbildungsreport des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), für den über 16.000 Auszubildende befragt worden seien.  

Ausbilden für eine unbekannte Zukunft

"Die Ausbildung 4.0 kämpft mit einer Mangelwirtschaft anstatt mit Digitalkompetenz zu trumpfen", sagt Joachim Maiß, einer von zwei Bundesvorsitzenden des BvLB. Die beruflichen Schulen seien das Bindeglied zur Wirtschaft. Die Anforderungen der Betriebe seien maßgeblich für das, was die Lehrkräfte vermitteln. "Dabei haben wir im Zuge der Digitalisierung die schwierige Aufgabe, für eine Zukunft auszubilden, von der man nicht weiß, wie sie aussieht", so Maiß und manifestiert: "Berufliche Schulen müssen Kompetenzzentren für berufliche Bildung in der digitalen Transformation werden."

Learn-Labs und digitale Klassenräume

Um hier erfolgreich sein zu können, müssten Technik und Didaktik zusammengeführt werden. Die berufliche Bildung brauche Learn-Labs, wo die Transformation gelebt werde, sowie digitale Klassenräume, die über Schulgrenzen hinweg untereinander vernetzt seien und einen Wissenstransfer ermöglichen. "Die Politik muss die entsprechenden Rahmenbedingungen schaffen und das notwendige Geld zur Verfügung stellen, um die technisch notwendige Ausstattung flächendeckend zu gewährleisten und entsprechende Aus- und Fortbildungsangebote für Lehrkräfte aufsetzen zu können", fordert der zweite BvLB-Bundesvorsitzende, Eugen Straubinger.

Azubis bemängeln schlechte Ausstattung

Um digitale Kompetenzen gut zu vermitteln, muss auch das Lehrpersonal besser qualifiziert werden. Foto: © goodluz/123RF.comUm digitale Kompetenzen gut zu vermitteln, muss auch das Lehrpersonal besser qualifiziert werden. Foto: © goodluz/123RF.com

Zu diesem Schluss komme auch die DGB-Bundesjugendsekretärin Manuela Conte und habe bei der Präsentation des Ausbildungsreports 2019 gesagt: "Zu einer guten Ausbildung gehören eine bessere technische Ausstattung und die Vermittlung von digitalen Kompetenzen ebenso dazu, wie besser qualifiziertes Lehrpersonal und Breitbandanschlüsse für die beruflichen Schulen." Nur ein Drittel (34,9 Prozent) der befragten Auszubildenden beurteile die digitale Ausstattung ihrer Berufsschule als sehr gut oder gut. Ebenfalls ein Drittel (32,7 Prozent) sehe sich durch den Berufsschulunterricht nur ausreichend oder mangelhaft auf den Umgang mit digitalen Medien und Technologien gerüstet. 

Nur 54 Prozent der befragten Jugendlichen sehen sich während ihrer Ausbildung gezielt darauf vorbereitet, digitale Technologien auch zu nutzen. Mit der Dauer der Ausbildung sinken diese Werte sogar noch. Während im ersten Lehrjahr noch mehr als drei Viertel (75,3 Prozent) der Auszubildenden optimistisch seien, was ihre Vorbereitung auf die digitale Arbeitswelt angeht, seien es kurz vor der Abschlussprüfung nur noch 60 Prozent (60,4 Prozent). "Diese Zahlen machen uns Sorge", zitiert der Berufsschullehrerverband die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack.   

Betriebliche Ausbilder besser qualifizieren

Der BvLB unterstütze ausdrücklich die Forderung des DGB, dass die Mittel aus dem Digital-Pakt von Bund und Ländern schnell und unbürokratisch an den beruflichen Schulen ankommen müssen. Überdies gelte es, das betriebliche Ausbildungspersonal besser zu qualifizieren. Dafür sollte die Ausbildereignungsverordnung dringend modernisiert werden. Denn nicht nur die beruflichen Schulen müssen bei der Digitalisierung besser werden, sondern auch die Unternehmen, die das Thema viel stärker im Arbeitsalltag verzahnen müssen.

Text: / handwerksblatt.de

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