Die Mitarbeiter des Elektroinstallationsbetriebs Jörg Bredow haben gut zu tun. Die Elektrotechnik ist eine Zukunftsbranche. Die beruflichen Perspektiven sind also sehr gut. Damit die Geschäfte weiter florieren, braucht die Firma aus Briesen hochqualifizierte Experten. Das Rezept gegen den Fachkräftemangel: ausbilden, ausbilden, ausbilden. Von 50 Lehrlingen ist knapp die Hälfte im Unternehmen geblieben. Zurzeit beschäftigt man acht Azubis, zwei davon stammen aus Kamerun. Um an guten Berufsnachwuchs zu kommen, arbeitet der Betrieb mit Schulen zusammen und nutzt viele Internetplattformen.

Die Mitarbeiter des Elektroinstallationsbetriebs Jörg Bredow haben gut zu tun. Die Elektrotechnik ist eine Zukunftsbranche. Die beruflichen Perspektiven sind also sehr gut. Damit die Geschäfte weiter florieren, braucht die Firma aus Briesen hochqualifizierte Experten. Das Rezept gegen den Fachkräftemangel: ausbilden, ausbilden, ausbilden. Von 50 Lehrlingen ist knapp die Hälfte im Unternehmen geblieben. Zurzeit beschäftigt man acht Azubis, zwei davon stammen aus Kamerun. Um an guten Berufsnachwuchs zu kommen, arbeitet der Betrieb mit Schulen zusammen und nutzt viele Internetplattformen. (Foto: © Constanze Arnold)

Fachkräfte verzweifelt gesucht!

Über eine Million offene Stellen soll es in Deutschland geben. Eine der Hauptursachen in den neuen Bundesländern ist die Überalterung. Ein Patentrezept gibt es nicht, wohl aber praktikable Strategien.

"Stahlharte Männer für einen stahlharten Job – die Werner Stahl GmbH in Leipzig sucht selbstständig arbeitende Schlosser". So klingt es bisweilen munter aus dem Radio. Der Werbespot ist eine Idee von Peter Werner – man muss sich im Kampf um die raren Fachkräfte etwas einfallen lassen. Der kurze Radiospot ist übrigens erfolgreich. "Ich bekomme darüber sehr qualifizierte Bewerbungen", erzählt der Geschäftsführer des Betriebs, der sich unter anderem auf Balkone spezialisiert hat und diese bundesweit verkauft.

Doch der Kampf um die hochqualifizierten Schlosser und Stahlbauer ist hart. "Wir sind vom Fachkräftemangel sehr gebeutelt", berichtet der Schlossermeister, "wir konkurrieren hier in Leipzig gegen große Industrieunternehmen wie BMW und Porsche, die können ganz andere Löhne zahlen als wir." Drei bis vier Mitarbeiter hat er so schon verloren, "das schmerzt unheimlich". Jammern hilft nicht, also wurde der Handwerksunternehmer aktiv: Er schaltet Stellenanzeigen in der Online-Börse der Handwerkskammer, der Arbeitsagentur und natürlich auf der eigenen Website. Er bildet jedes Jahr einen Lehrling aus, investiert viel Zeit in Teambuilding und Mitarbeitermotitvation, belohnt engagierte Mitarbeiter mit einem Tankgutschein.

Zahl der offenen Stellen nimmt rasant zu!

Soviel Einsatz muss wohl sein. Denn Fachkräfte sind begehrt – vor allem bei kleinen und mittleren Unternehmen. Die Zahl der offenen Stellen nimmt rasant zu, meldet das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Es hat eine repräsentative Betriebsbefragung gemacht und kommt dabei auf 1.064.000 offene Stellen, so viele soll es im ersten Quartal 2017 bundesweit gegeben haben. "Gerade kleine und mittlere Unternehmen suchen vor allem Fachkräfte mit einer Berufsausbildung", erklärte dazu der IAB-Arbeitsmarktforscher Alexander Kubis. Immerhin 64 Prozent der offenen Stellen richten sich an Bewerber mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung.

Das Handwerk kennt das Problem nur zu gut. Handwerks-Präsident Hans Peter Wollseifer warnte kürzlich: "Fachkräftemangel wird zur Wachstumsbremse." Die Betriebe suchen händeringend nach neuen und qualifizierten Mitarbeitern. "Viele Handwerksbetriebe können freie Stellen nicht mehr besetzen. Mit Blick auf die demografische Entwicklung wird das noch schwieriger", betonte vor einiger Zeit auch ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke.

Überalterung in neuen Ländern

Zwar ist die Lage in den neuen Bundesländern nach den Ergebnissen der IAB-Befragung noch nicht so dramatisch wie im Westen. Denn von den 1.064.000 bundesweit offenen Stellen entfallen 824.000 auf Westdeutschland und nur 240.000 auf Ostdeutschland. Also Entwarnung für die neuen Bundesländer? Mitnichten! Denn obwohl die alten Bundesländer durch die gute Wirtschaftsentwicklung vom Fachkräftemangel noch viel stärker betroffen sind, holen die neuen Bundesländer kräftig auf. Hauptursache ist die Überalterung, betont Arbeitsmarktforscher Alexander Burstedde vom Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA): "Sie hat ihren Ursprung in der starken Abwanderung von jungen Leuten nach der Wende. Heute fehlen nicht nur sie als Fachkräfte, sondern auch ihre Kinder."

In Westdeutschland geht voraussichtlich rund jeder dritte Arbeitnehmer in den kommenden 15 Jahren in Rente. In Ostdeutschland sind es in manchen Regionen sogar bis zu 42 Prozent – besonders die ländlichen Gebiete sind stark betroffen. Und im Osten wird sich die Lage zudem noch schneller zuspitzen, denn dort können die Unternehmen auch überdurchschnittlich viele Ausbildungsplätze nicht besetzen. In manchen Regionen blieben 2016 bis zu 25 Prozent aller Lehrstellen unbesetzt.

Hoffnungsvolle Trends 

Das sind die Ergebnisse der aktuellen KOFA-Studie "Fachkräfteengpässe in Unternehmen", Alexander Burstedde und Paula Risius sind die Autoren. Für das Deutsche Handwerksblatt haben sie eine Sonderauswertung gemacht. Und diese Daten sind ebenfalls alarmierend: In der Gesamtwirtschaft ist jede zweite Stellen schwer zu besetzen, im Handwerk sind es sogar zwei von drei Stellen. Natürlich sind nicht alle Berufe und Regionen gleichmäßig betroffen (siehe Kasten). Anders als in den meisten anderen Berufen mangelt es an qualifizierten Handwerkern besonders in den Städten, sagt die KOFA-Studie.

Doch es gibt auch Trends, die hoffen lassen. "Die meisten Menschen wollen heutzutage eine sinnstiftende Arbeit. Im Handwerk weiß man am Ende des Tages eher was man geleistet hat, als in vielen Büroberufen", sagt Arbeitsmarktexperte Burstedde. Und zum anderen gibt es durch den Fachkräftemangel immer weniger Handwerker – und der Mangel wird Gehälter und Gewinne steigen lassen. "Viele Meister verdienen schon heute mehr als der durchschnittliche Akademiker – und das unabhängig vom Schulabschluss. Nicht jeder muss an die Uni. Wir brauchen Praktiker!"

Ursachen: Warum haben die Betriebe Schwierigkeiten, ihre Stellen zu besetzen? Die IAB-Studie nennt vier Hauptgründe. 
1. Eine unzureichende berufliche Qualifikation der Bewerber,
2. zu hohe Lohn-/Gehaltsforderungen,
3. eine fehlende Bereitschaft der Arbeitssuchenden, die Arbeitsbedingungen zu erfüllen und 
4. eine zu geringe Bewerberzahl.

Mangel: Das sind nach der KOFA-Studie die fünf Handwerksberufe, die am stärksten vom Fachkräftemangel betroffen sind.
1. Kältetechniker,
2. Hörakustiker,
3. Bauelektriker,
4. Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik und
5. Elektroniker für Betriebstechnik.

Checkliste: Zehn Tipps für die Mitarbeitersuche

Arbeitsmarktexperte Alexander Burstedde. (Foto: © Handwerkskammer zu Leipzig) Arbeitsmarktexperte Alexander Burstedde. (Foto: © Handwerkskammer zu Leipzig)

"Wenn ich keine Mitarbeiter finde, muss ich etwas ändern." Arbeitsmarktexperte Alexander Burstedde nimmt kein Blatt vor den Mund. Aber er hat auch Tipps für Handwerksunternehmer parat.

  1. Kleinbetriebe haben wenig Zeit für Personalsicherung und Personalentwicklung. Sie sollten deshalb die Hilfe der Handwerkskammern in Anspruch nehmen. "Damit sind Sie den anderen Firmen einen Schritt
    voraus."
  2. Nutzen Sie den Trend, dass Menschen wieder mehr Sehnsucht haben, mit ihren Händen zu arbeiten und das Ergebnis ihrer Arbeit sehen wollen. Werben Sie damit, dass die Arbeit im Handwerk sehr vielfältig ist und Sie ein sehr persönliches Arbeitsumfeld bieten.
  3. Gute Bewerber wollen eine Perspektive. Sie können zum Beispiel in der Stellenanzeige darauf hinweisen, dass Sie in den nächsten Jahren einen Nachfolger suchen – das ist wichtig, wenn Sie Mitarbeiter mit Abitur suchen.
  4. Alle wollen den jungen, begabten Mann, der wenig kostet. Wenn Sie keinen solchen Mitarbeiter finden, sollten Sie alle Vorurteile beiseiteschiebe und sich auch für andere Bewerber öffnen: Ältere, Bewerber mit schlechten Zeugnissen oder Lücken im Lebenslauf, Ausländer, Flüchtlinge.
  5. Auch das Potenzial von Frauen muss noch erschlossen werden, sagt Heidi Kluth, Bundesvorsitzende der Unternehmerfrauen im Handwerk. In den männerdominierten Gewerken des Handwerks liege der Frauenanteil gerade einmal bei 4,7 Prozent. Das Rezept dagegen? "Eine junge Frau wird dahin gehen, wo sie die beste Perspektive hat – und da ist im Handwerk noch Luft nach oben", betont Kluth: "Wenn sie sich nur als Notnagel fühlt, wird sie nicht kommen. "
  6. Eine gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf – zum Beispiel durch flexible Arbeitszeiten – ist ein wichtiges Argument für potenzielle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, betont Arbeitsmarktexperte Burstedde. Natürlich sei das für größere Unternehmen leichter, aber auch in vielen Kleinstbetrieben des Handwerks möglich. Wer solche Angebote macht, sollte damit unbedingt in seinen Stellenanzeigen werben.
  7. Vergessen Sie nicht, Ihre Mitarbeiter an Ihren Betrieb zu binden! Das KOFA hat auf seiner Website nicht nur viele praktische Tipps für die Fachkräftebindung, sondern auch einen Selbsttest: Damit können Betriebe einschätzen, wie gut sie hier aufgestellt sind.
  8. Wichtig ist auch ein professionelles Gesundheitsmanagement – vor allem in Betrieben mit vielen älteren Mitarbeitern wie in den Handwerksbetrieben der neuen Bundesländer. Unterstützung dafür bieten viele Krankenkassen.
  9. Je größer ein Problem, desto wahrscheinlicher ist es, dass es Fördermittel dafür gibt, sagt der Arbeitsmarktexperte. Eine erste gute Übersicht bietet die Website foerderdatenbank.de, auch die Arbeitsagentur informiert und natürlich die Betriebsberater der Handwerkskammern. Wenn Sie zum Beispiel einen geringqualifizierten oder älteren Mitarbeiter weiterbilden wollen, gibt es dafür Fördermittel im Programm WeGeBau der Arbeitsagenturen.
  10. Im Handwerk fehlt es bundesweit an Fachkräften, weshalb die Rekrutierung im Ausland sinnvoll sein kann. Wer etwa überlegt, seinen Fachkräftebedarf jenseits der polnischen Grenze zu decken, kann sich an die Handwerkskammer Frankfurt (Oder) wenden, sie ist Leitkammer für die Anerkennung von polnischen Fachkräften.
Text: / handwerksblatt.de

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