Prof. Dr. Birgit Ester leitet das Institut für Technik der Betriebsführung (itb) seit 13 Jahren. Am 14. November feiert das itb sein 100-jähriges Jubiläum in Karlsruhe.

Prof. Dr. Birgit Ester leitet das Institut für Technik der Betriebsführung (itb) seit 13 Jahren. Am 14. November feiert das itb sein 100-jähriges Jubiläum in Karlsruhe. (Foto: © itb Karlsruhe)

Das itb forscht seit 100 Jahren für das Handwerk

In den Anfangsjahren des Instituts für Technik der Betriebsführung (itb) standen noch technologische Entwicklungen im Vordergrund. Inzwischen konzentriert sich die Forschung auf wirtschaftliche, technische und gesellschaftliche Fragen.

Zum Jubiläum schenkt sich das Institut selbst einen neuen Titel und ein neues Logo. Wir sprachen mit Prof. Dr. Birgit Ester, die das Institut für Technik der Betriebsführung seit 13 Jahren leitet. 

Handwerksblatt: Wie hat sich das itb in den vergangenen 100 Jahren entwickelt?
Ester: Unsere Gründung fand vor 100 Jahren vor dem Hintergrund technologischer Entwicklungen statt: Themen wie Mechanisierung, Rationalisierung und Werkstattplanung waren Schwerpunkte unserer Arbeit. Über diese Themen sind wir im Laufe der Zeit immer stärker auf die wirtschaftlichen Fragen der Betriebsführung eingegangen.

Heute sind die Themenstellungen unseres Institutes geprägt durch aktuelle wirtschaftliche, technische und gesellschaftliche Herausforderungen: beispielsweise der demographische Wandel, die digitale Transformation oder das Erneuerbare-Energien-Gesetz. Diese Themen setzen wir in unseren Forschungsvorhaben um, so etwa die Fragen der Fachkräftegewinnung und -bindung oder energetische Gebäudesanierung. Unsere Stärke liegt in der Optimierung organisatorischer und betriebswirtschaftlicher Abläufe.

Handwerksblatt: Welche Aufgaben hat das itb?
Ester: Im Wesentlichen besteht unser Tätigkeitsfeld aus drei Bereichen. Da sind zunächst unsere Grundaufgaben: Wir sind als eines von fünf Forschungsinstituten Teil des Deutschen Handwerksinstituts (DHI). In dieser Funktion übernehmen wir Forschungsfragen in Abstimmung mit der Handwerksorganisation, die in einem Forschungs- und Arbeitsprogramm definiert werden. Dazu gehören etwa Projekte für Kammern oder für die Weiterbildung der Handwerkskammerberater.

Den zweiten Bereich stellen bei uns die über Drittmittel geförderten Forschungsprojekte dar. Zu aktuellen Forschungsausschreibungen bewerben wir uns für Forschungsaufträge und bearbeiten diese – bei Erhalt des Auftrags. In der Regel arbeiten wir hier im Verbund mit Forschungspartnern.

Darüber hinaus sind wir aktiv in der Fortbildung zum Betriebswirt des Handwerks. Wir erstellen in enger Zusammenarbeit mit der Verlagsanstalt Handwerk Unterrichtsskripte für die Dozenten und die Teilnehmer und unterstützen die Kammern bei der Organisation und Durchführung der Veranstaltungen und Prüfungen.

Handwerksblatt: Wie schaffen Sie es, die wissenschaftlichen Erkenntnisse aus den Forschungsprojekten in die Praxis zu bringen?
Ester: Ein Bestandteil jedes Forschungsauftrages ist der Transfer der Ergebnisse in die Betriebe und die Handwerksorganisation. Dazu gehören zum Beispiel Seminare, Leitfäden, Schulungsunterlagen. Darüber hinaus veranstalten wir zusammen mit den Handwerkskammern auch Unternehmertage oder -abende.

Ein wichtiger Multiplikator sind für uns die Betriebsberater. Die fünf Forschungsinstitute des DHI stellen jährlich ein Seminarprogramm zu verschiedenen Themen zusammen. Damit erreichen wir über 1.000 Betriebsberater, die ihrerseits durchschnittlich 100 Betriebskontakte im Jahr haben. Zu speziellen Fragen kommen die Berater auch schon mal in kleinen Gruppen zu uns nach Karlsruhe.

Der Wissenstransfer aus der Forschung in die Praxis ist aber nur ein Teil unserer Arbeit. Unsere Aufgabe besteht ebenfalls darin, die in den Forschungsprojekten gesammelten Erkenntnisse aus der handwerklichen Praxis aufzuarbeiten und in handwerklichen sowie wissenschaftlichen Publikationen zu kommunizieren.

Handwerksblatt: Welchen Themen werden das itb in nächster Zeit beschäftigen?
Ester: Digitalisierung ist und bleibt ein großes Thema. Die Arbeit in Kooperationen und Netzwerken hat eine hohe Bedeutung, auch im Zusammenhang mit der Digitalisierung. Wir arbeiten zurzeit an einem Projekt, bei dem von Lieferanten bis zum Endkunden alle Partner in Wertschöpfungskette digital vernetzt werden. Oder etwa das Building Information Modeling (BIM). Gesellschaftliche Themen wie demografischer Wandel, Fachkräftemangel oder Flüchtlinge sind weiterhin relevant. Umweltfragen werden verstärkt auf uns zukommen. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz spielt ja jetzt schon eine wichtige Rolle. Zukünftige Projektthemen hängen auch davon ab, welche Schwerpunkte von den Projektträgern ausgeschrieben werden.

Handwerksblatt: Welche Projekte stehen denn in Zukunft an?
Ester: Vor allem das Thema Fachkräftesicherung wird uns noch lange beschäftigen. Der demographische Wandel führt zu einer drastischen Senkung der Erwerbsbevölkerung. Hier werden wir weiter an Empfehlungen für die Betriebe und die Politik arbeiten. Auch das Thema Digitalisierung wird ein Schwerpunkt bleiben. Digitale Technologien ermöglichen völlig neue Geschäftsmodelle und gewinnen zusätzlich an Bedeutung bei der Gestaltung von Netzwerken und Kooperationen. Die veränderten Prozesse und Technologien erfordern auch eine permanente Fortbildung der Mitarbeiter und Führungskräfte in den Betrieben. Aktuell haben wir auch das Thema Regionalität im Fokus: Für das Bundeslandwirtschaftsministerium erforschen wir, wie man es schaffen kann, dass wieder mehr Menschen in die neuen Bundesländer ziehen und welche Rolle Handwerksbetriebe dabei spielen können.

Letztendlich hängen unsere Forschungsthemen davon ab, was die Handwerksorganisation, die Politik und Verbände interessiert und wofür Forschungsmittel zur Verfügung gestellt werden. Unser Vorteil ist, dass wir aus unserer umfangreichen Erfahrung die spezifischen Bedürfnisse und Rahmenbedingungen der Handwerksbetriebe verstehen und damit passgenaue Lösungen entwickeln können.

Als Leiterin des itb weiß Prof. Dr. Birgit Ester ein gutes Team hinter sich. Zurzeit sind 20 Mitarbeitende am Karlsruher Forschungsinstitut beschäftigt. Foto: © itb Karlsruhe
Als Leiterin des itb weiß Prof. Dr. Birgit Ester ein gutes Team hinter sich. Zurzeit sind 20 Mitarbeitende am Karlsruher Forschungsinstitut beschäftigt. Foto: © itb Karlsruhe
Handwerksblatt: Sie leiten das itb seit 13 Jahren. Wie fällt das Fazit Ihrer Arbeit aus?
Ester: Als ich angefangen habe, drehte sich noch vieles um eher technische Themen und Weiterbildungsangebote. Die Einrichtung von Werkstätten, technische Themen in der Beraterweiterbildung und der Betriebswirt des Handwerks nahmen einen größeren Raum ein. Inzwischen haben wir uns stärker zu den Bereichen der Betriebsführung entwickelt. Und wir haben den Anteil der Drittmittelförderung deutlich erhöht. Diese Entwicklung war nicht immer einfach, aber mit etwas Geduld und viel Engagement der Mitarbeitenden ist uns die Umgestaltung gelungen. Wir sind aktuell 20 Mitarbeitende am itb und versuchen, für alle den größtmöglichen Freiraum bei der Wahl ihres Arbeitsgebietes zu schaffen. Damit können wir eine hohe Identifikation mit den Projektinhalten fördern. Auch zukünftig werden hoffentlich viele neue Themen und Herausforderungen für das itb aufkommen, die wir mit engagierten Kolleginnen und Kollegen in einer flexiblen Organisation erfolgreich bearbeiten können.

Handwerksblatt: Der Name Ihres Hauses klingt ein bisschen sperrig: Institut für Technik der Betriebsführung. Wäre das Jubiläum nicht eine gute Gelegenheit, den Titel etwas klarer zu formulieren?
Ester: Das stimmt. Unter dieser Bezeichnung kann sich heute niemand mehr etwas vorstellen. Deshalb werden wir den Titel und das Logo leicht verändern. Wir wissen, dass eine Änderung von Logos und Namen immer eine Herausforderung für die Wahrnehmung und Wiedererkennung des Institutes sind und gehen da erstmal vorsichtig ran.

Handwerksblatt: Wie heißen Sie denn dann?
Ester: Das verraten wir noch nicht. Der neue Titel und das neue Logo werden erst am 14. November bei der 100-Jahr-Feier in Karlsruhe enthüllt.

Das Interview führte Bernd Lorenz.

Text: / handwerksblatt.de

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