Auszubildenden werden die Inhalte des Computerführerscheins ECDL an über 400 berufsbildenden Schulen vermittelt und abgeprüft.

Auszubildenden werden die Inhalte des Computerführerscheins ECDL an über 400 berufsbildenden Schulen vermittelt und abgeprüft. (Foto: © Katarzyna Białasiewicz/123RF.com)

Computerführerschein: vom ECDL zum ICDL

Der ECDL ist für Thomas Michel das "weltweite Zentralabitur für digitale Fertigkeiten". In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat sich der Computerführerschein zum weltweit anerkannten Standard entwickelt. Ab 2020 firmiert der ECDL unter einem neuen Namen.

Die Arbeitswelt wird immer stärker von der Informations- und Kommunikationstechnologie geprägt. Viele Arbeitgeber setzen deshalb voraus, dass Bewerber und Mitarbeiter sicher mit Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Präsentationen, E-Mail und Internet umgehen können. Am wenigsten scheinen diese Kenntnisse jedoch bei denjenigen vorhanden zu sein, von denen man es am ehesten erwartet: den Digital Natives. "Jugendliche texten zwar mit ihrem Smartphone, sie hören Musik oder drehen Videos, doch all das sind Lifestyle-, aber keine Workbase-Kompetenzen", erklärt Thomas Michel, Geschäftsführer der Dienstleistungsgesellschaft für Informatik. In Deutschland ist die DLGI die nationale Zertifizierungsorganisation des Europäischen Computerführerscheins (ECDL) – dem weltweit anerkannten Standard für digitale Kompetenzen.

Computerführerschein an den Berufsschulen

Thomas Michel, Geschäftsführer der DLGI, und Katrin Cürük, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit und digitale Bildung Foto: © DLGI
Thomas Michel, Geschäftsführer der DLGI, und Katrin Cürük, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit und digitale Bildung Foto: © DLGI

Viele Lehrlinge haben es gut. Sie können den Europäischen Computerführerschein als Zusatzangebot an ihrer Berufsschule machen. Die Inhalte werden im Rahmen des Unterrichts vermittelt. "Die Auszubildenden bleiben für den ECDL keine Sekunde länger in der Berufsschule", betont Thomas Michel. Der Führerschein umfasst verschiedene Module. Vier davon sind verbindlich: Computer- und Online-Grundlagen, Textverarbeitung sowie Tabellenkalkulation. Als Wahlmodule können etwa Präsentationen, Datenschutz, IT-Sicherheit oder Online-Zusammenarbeit dazu gewählt werden. Die Prüfungsinhalte sind international identisch. "Der ECDL ist quasi das weltweite Zentralabitur für digitale Fertigkeiten", so Thomas Michel. Lehrkräfte nehmen die Prüfung der einzelnen Module ab. Wer sie besteht, erhält ein Zertifikat.

"Die meisten Schülerinnen und Schüler motiviert es, dass sie etwas Verwertbares für ihr weiteres Berufsleben haben", hat Katrin Cürük, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit und digitale Bildung bei der DLGI, von einer Lehrkraft erfahren. Doch auch die Arbeitgeber profitieren, meint Thomas Michel: "Wer mit gängigen Anwendungen vertraut ist, arbeitet produktiver, geht sensibler mit IT-Sicherheit und Datenschutz um und kommt besser mit branchenspezifischen Software-Lösungen zurecht."

Optimal für mitarbeitende Partner im Handwerk

Doch nicht nur für Auszubildende sind grundlegende PC- und IT-Kenntnisse ein Muss. Vor allem in Handwerksbetrieben kümmern sich mitarbeitende Partner darum, dass Rechnungen geschrieben, Mahnungen verschickt, Stundenzettel verwaltet und per E-Mail mit Kunden und Lieferanten kommuniziert wird. "Meist sind es Frauen, die nach der Erziehung der Kinder wieder in den Beruf zurückkehren. Sie sind dann entweder nicht mehr auf dem neuesten Stand oder sie hatten beruflich noch nie etwas mit Computern zu tun", sagt Katrin Cürük. Für diese Zielgruppe sei der ECDL optimal. Die Arbeitsagenturen fördern den Lehrgang und die Prüfung etwa über das Qualifizierungschancengesetz. Thomas Michel führt einen weiteren Vorteil ins Feld: "Wer im Rahmen der ECDL-Schulung das Datenschutz-Zertifikat erhält, verfügt über die dringend benötigten Grundkenntnisse über die DSGVO, die im Unternehmen zwingend erforderlich sind."

Ein Zertifikat, aber viele Wege, es zu erlangen. Den einfachsten Zugang dürften Auszubildende haben. An über 400 berufsbildenden Schulen in Deutschland gehört der ECDL zum Standard. Weniger stark präsent ist er dagegen noch an den allgemeinbildenden Schulen und an den Hochschulen. Die Prüfungen können an über 1.500 autorisierten Prüfungszentren bundesweit abgelegt werden. Viele von ihnen bieten auch Vorbereitungskurse an. Doch es geht auch ohne Lehrgang. Man kann sich die Kenntnisse etwa über die Lernplattform Moodle oder im Selbststudium aneignen. Mehrere Lernmittelverlage bieten dafür entsprechende Unterlagen an. Wer meint, ausreichend Vorkenntnisse zu besitzen, meldet sich direkt zur Prüfung an.

Der ECDL geht auf ein europäisches Projekt zurück. Vor über zwei Jahrzehnten haben verschiedene Informatikgesellschaften zusammengetragen, welche Grundkenntnisse man für die Arbeit am Computer benötigt und damit einen Standard gesetzt. Die Inhalte wurden laufend angepasst. "Der ECDL ist immer mitgewachsen, weil sich die Welt der Hard- und Software sehr schnell dreht", verdeutlicht DLGI-Geschäftsführer Thomas Michel. Doch auch die Zahl der Nutzer hat sich mit der Zeit erhöht. Inzwischen setzen weltweit über 100 Länder auf den einheitlichen Ausbildungsstandard. Die wachsende Internationalität macht sich außerhalb von Europa auch am Namen fest. Dort läuft der Computerführerschein unter dem Etikett ICDL. Dieser Entwicklung wird nun auch im Ursprungsgebiet Rechnung getragen.

Aus ECDL wird ICDL

"Formatieren bleibt formatieren – ganz egal, ob in Schweden, Singapur oder Südafrika", bringt es Thomas Michel auf den Punkt. Ein inhaltlich gleiches Produkt unter zwei Namen laufen zu lassen, sei nicht zeitgemäß. Der ECDL geht deshalb in der prägenderen Marke ICDL auf. "Die alten Zertifikate behalten nach der Umbenennung aber ihre Gültigkeit", versichert der DLGI-Geschäftsführer. Neues Flaggschiff wird künftig der ICDL Workforce. "Er umfasst die wichtigsten Anwendungsprodukte sowie IT-Sicherheit und Datenschutz und enthält damit die unabdingbaren Kenntnisse für die Arbeitswelt", beschreibt Michel den Inhalt.

2020 wird der ICDL auch in Deutschland eingeführt: Aus "ECDL Standard" wird "ICDL Workforce". Im Rahmen der Auftaktveranstaltung zum "ICDL-Launch" in Bonn werden am 10. Oktober 2019 von 10 bis 12:30 Uhr zentrale Fragen und kritische Herausforderungen an die Beschäftigten im Zusammenhang der Digitalisierung der Arbeitswelt fokussiert und zur Diskussion gestellt. Referenten werden unter anderem sein: Prof. Dr. Friedrich Hubert Esser (Präsident des Bundesinstitut für Berufsbildung), Tony Franke (Vorsitz ICDL Foundation), Frederick Richter (Vorstand Stiftung Datenschutz), Prof. Barbara Schwarze (Initiative D21), Dr. Regina Flake (Institut der deutschen Wirtschaft Köln). Kurze Statements der Referenten hat die DLGI in einem YouTube-Video zusammengetragen.

Text: / handwerksblatt.de

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