Der PKV-Regionalatlas zeigt, wo Arztpraxen am besten laufen.

Der PKV-Regionalatlas zeigt, wo Arztpraxen am besten laufen. (Foto: © nito500/123RF.com)

Wo Ärzte gut verdienen - freut sich das Handwerk!

PKV-Regionalatlas: Ein hoher Anteil Privatversicherter unter den Patienten ist das A und O für eine gut gehende Praxis. Letztere sorgt wiederum bei so manchen Gewerken für eine gute Auftragslage, vom Augenoptiker bis zur Orthopädie- und Zahntechnik.

Rund um das Verhältnis von Privat- zu Kassenpatienten ranken sich etliche Vorurteile – nicht selten politisch gefärbt. Ein häufig vorgetragenes Argument: Ärzte wenden sich von ländlichen Regionen ab, weil sie in der Stadt mehr Privatpatienten haben.

Oder: Die Koexistenz von Kassen- und Privatsystem in einem Gesundheitsmarkt benachteiligt ländliche Regionen. Beide Argumente hat der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) nun in einer Studie widerlegt – zumindest für Bayern, Hessen, das Saarland und jetzt auch für NRW. Die anderen Bundesländer sollen sukzessive folgen.

Nach der PKV-Analyse schneidet das Ruhrgebiet besser ab als Düsseldorf, das Hochsauerland besser als der Großraum Köln oder Münster. Bundesweit beschert das private System den Praxen jährlich 13,2 Milliarden Euro Mehrumsatz. Eine Praxis in Düsseldorf hat Ende des Jahres im Schnitt 37.359 Euro mehr in der Kasse, weil ein Teil der Patienten privatversichert ist. In Gelsenkirchen sind es sogar 49.265 Euro. Und das, obwohl der Privatversichertenanteil in Gelsenkirchen mit 5,8 Prozent der niedrigste in ganz NRW ist.

Das Alter macht den Unterschied

Hintergrund: Die Einwohner am FC-Schalke-Standort sind im Schnitt mit 48,1 Jahren älter als in den rheinischen Metropolen, wo zum Beispiel Universitäten junge Studenten anlocken.

Regional verbleibende Mehrumsätze in NRW Foto: © PKV-Deutschlandatlas 07-2019
Regional verbleibende Mehrumsätze in NRW Foto: © PKV-Deutschlandatlas 07-2019
In Köln liegt der Altersschnitt bei nur 43,5 Jahren. Das macht viel aus. Da Ältere häufiger zum Arzt gehen als Jüngere, profitieren die Praxen im Ruhrgebiet und anderen strukturschwachen Regionen besonders von ihren Privatversicherten. Die abgebildete Landkarte zeigt die regionalen Unterschiede im Einzelnen.

Auch das Argument, dass die Ärzte den Privatpatienten in die Großstädte folgten, widerlegt die am 30. Januar 2020 in Düsseldorf unter anderem der Politik vorgestellten Studie. Denn, obwohl der Mehrumsatz in der eher strukturschwachen Region Gelsenkirchen, um beim Beispiel zu bleiben, um 11.906 Euro höher liegt als in der Landeshauptstadt, kommen in Düsseldorf 281 niedergelassene Ärzte auf 100.000 Einwohner.

In Gelsenkirchen ist der Wettbewerb unter den Praxen mit nur 164 pro 100.000 Einwohner deutlich entspannter. Fazit: Die Ärzte werden also nicht vom Mehrumsatz mit Privatversicherten angelockt. Sondern? Womöglich vom allgemeinen urbanen Trend, der besseren Infrastruktur und vielen anderen Dingen.

Politische Debatte versachlichen

Im Vergleich von Münster mit dem Hochsauerlandkreis verhält es sich ähnlich: In Münster kommen 291 niedergelassene Ärzte auf 100.000 Einwohner. Im Hochsauerlandkreis nur 151 Ärzte. Obwohl: Der Mehrumsatz schlägt im Hochsauerlandkreis mit 85.562 Euro deutlich stärker zu Buche als in Münster selbst, mit "nur" 73.516 Euro pro Jahr. Auch der Vergleich der grenznahen Stadtregion Aachen mit dem Ruhrgebiet liefert ein ähnliches Verhältnis: Aachen hat 221 Ärzte pro 100.000 Einwohner und einen Mehrumsatz durch Privatversicherte in Höhe von 44.833 Euro jährlich.

Im Ruhrgebiet ist die Ärztedichte mit 164 pro 100.000 Einwohner deutlich niedriger, obwohl dort ein PKV-Mehrumsatz von 66.502 Euro im Jahr erzielt wird. Es gibt noch zahlreiche Beispielpaare zwischen Stadt und Land und das Ergebnis bleibt ähnlich. Spitzenreiter mit den meisten Privatversicherten pro Einwohnerzahl ist übrigens Bonn, Schlusslicht Gelsenkirchen.

Mit der Studie möchte der PKV-Verband die politische Diskussion versachlichen, die aktuell wieder an Fahrt gewinnt, weil die Expertenkommission für ein modernes Vergütungssystem (KOMV) gerade ihren Ergebnisbericht an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn übergeben hat. "Wer die Mehrumsätze der Privatversicherten streicht, gefährdet die medizinische Versorgung durch niedergelassene Ärzte auf dem Land und in den strukturschwachen Teilen des Ruhrgebiets stärker als in den großen, wirtschaftsstarken Städten", warnt PKV-Verbandsdirektor Florian Reuther.

Text: / handwerksblatt.de

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