Ulrich Leitermann, Vorstandsvorsitzender der Signal Iduna Gruppe.

Ulrich Leitermann, Vorstandsvorsitzender der Signal Iduna Gruppe. (Foto: © Signal Iduna /Andreas Oertzen)

"Betrieben unbürokratisch helfen"

Die Pandemie hat die Wirtschaft voll erwischt. Jetzt kommt es darauf an, Betrieben unbürokratisch zu helfen, meint Ulrich Leitermann im Interview. Der Vorstandsvorsitzende der Signal Iduna-Gruppe über die Corona-Krise, deren Auswirkungen und die Signal Iduna als verlässlicher Partner.

Herr Leitermann, wie hat sich die Corona-Krise auf Ihr Unternehmen ausgewirkt, gab oder gibt es Betroffene?
Ulrich Leitermann: Bereits Ende Februar haben wir unseren Krisenstab aktiviert. Die Urlaubsrückkehrer waren die Ersten, die nur noch von zu Hause gearbeitet haben. Normalerweise arbeiten bei uns etwa 20 Prozent der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Homeoffice. Innerhalb von einer Woche haben wir dann die Voraussetzungen geschaffen, dass 80 Prozent der Mitarbeiter mobil arbeiten konnten. Das war nur möglich, weil wir bereits vor einigen Jahren unsere Arbeitsplätze quasi volldigital ausgestattet haben - zum Beispiel mit Skype for Business. Unser Krisenstab hat sehr schnell und konsequent die Hygienemaßnahmen in unseren Gebäuden an die neuen Anforderungen angepasst, interne und externe Veranstaltungen abgesagt, Dienstreisen – auch zwischen den Hauptverwaltungsstandorten – wurden komplett verschoben und auch unser Außendienst wurde innerhalb kürzester Zeit in die Lage versetzt, ohne persönlichen Kontakt unsere Kunden ohne Einschränkungen zu betreuen. Die Gesundheit unserer Mitarbeiter zu schützen und die Aufrechterhaltung des Betriebes sind unsere oberste Handlungsmaxime in dieser Krise. Die Maßnahmen haben gewirkt – wir haben bis heute bundesweit nur 12 Infizierte, die alle schon wieder genesen sind. Unsere Mitarbeiter können aktuell von frühmorgens bis spät abends flexibel arbeiten. Damit können sie die besondere familiäre Situation und die beruflichen Anforderungen bestmöglich bewältigen.

Wie erleben Sie persönlich die Corona-Krise?
Leitermann: Besonders beeindruckt hat mich die Solidarität und der wertschätzende Umgang unserer Mitarbeiter, Außendienstpartner und Betriebsräte mit dieser einmaligen Situation. Alle eint das Ziel, unsere Kunden bestmöglich zu betreuen und ihnen die Sicherheit zu geben, dass wir immer für sie da sind – unsere Kunden sich auf uns verlassen können. Persönlich empfinde ich aber dieses Leben auf Distanz zu Kollegen, zu Freunden und Familienangehörigen, die nicht im eigenen Haushalt leben, als zunehmend schwierig. Ich bin jeden Tag im Büro und wir halten sehr konsequent die Abstandsregeln ein – da fehlt dann einfach der persönliche Austausch in größeren Teams, das Gespräch auf dem Flur oder das gemeinsame Mittagessen in größeren Gruppen. Ich hätte nicht gedacht, dass ich sogar mal die vielen Dienstreisen vermissen werde.

Wie hat sich die Krise bislang auf Ihr Geschäft ausgewirkt?
Leitermann: Sicher, auch unser Vertrieb merkt natürlich stark die Auswirkungen der derzeitigen Situation. So wird jetzt in der Regel auf persönliche Beratungstermine verzichtet. Auf der anderen Seite sind wir schon seit längerem dabei, unsere Prozesse und Verfahren zu digitalisieren. Wir haben nicht nur die Arbeitsplätze digital ausgestattet, wir haben auch konsequent Dokumente digitalisiert. Das erweist sich jetzt als gut und richtig. Für unsere Kunden bedeutet das beispielsweise, dass sie viele Dinge digital erledigen können und für Beratungsgespräche gibt es Skype und Remoteberatungen. Im Neugeschäft merken wir zurzeit eine erste Verringerung der Antragseingänge, wobei man eine gewisse zeitliche Verschiebung mit einkalkulieren muss. Konkrete weitere Auswirkungen werden sich demnach erst später zeigen.

Wie schätzen Sie die Auswirkungen auf das Handwerk ein? Es zeigt sich eine schöne Solidarität unter dem Handwerk, inklusive Ihrer Versicherung mit seinen handwerklichen Wurzeln. Sehen Sie darin eine besondere Verpflichtung, schnell und unbürokratisch zu helfen?
Leitermann: Wir sind vor über 110 Jahren vom Handwerk gegründet worden. Wir stehen zu unseren Wurzeln und leben den Gedanken eines Versicherungsvereins auf Gegenseitigkeit. Hilfe zur Selbsthilfe war das Motto unserer Gründerväter – das haben wir immer zurückgegeben – jetzt müssen wir alle zusammenstehen, jetzt leisten wir Hilfe in dieser akuten Notlage – das ist für uns selbstverständlich. Wir sehen, dass die Betroffenheit je nach Gewerk sehr unterschiedlich ist – deshalb unterstützen wir individuell und weit über die gesetzgeberischen Maßnahmen hinaus. Sollte eine finanzielle Notlage eintreten, bieten wir als SIGNAL IDUNA beispielsweise befristete Lösungen an wie z. B. Beitragsfreistellungen, Beitragsstundungen, Ratenzahlungen und temporäre Reduzierungen oder bedarfsgerechte Anpassungen des Versicherungsschutzes – aber auch Liquiditätshilfen und vor allem eine schnelle Regulierung im Schadenfall. Das Handwerk wird ganz sicher diese Krise meistern – wir wollen dazu unseren Beitrag leisten.

Viele Ihrer Unternehmenskunden dürften eine Betriebsschließungsversicherung haben. Doch die greift nur bei Einzelschließungen, etwa wenn eine Eisdiele wegen Salmonellen schließen muss, aber nicht bei einer Pandemie. Wie viele Ihrer Kunden haben einen Baustein gegen eine Pandemie eingeschlossen?
Leitermann: Die Betriebsschließungsversicherung war eigentlich genau für den Fall gedacht, dass ein Betrieb aufgrund einer Einzelverfügung schließen muss. Diese Versicherung ist deshalb auch nur ein Baustein in vielen gewerblichen Sachversicherungen – einige Tausend Betriebe haben diese Versicherung bei uns. Genau jetzt kommt es aber darauf an, den Betrieben unbürokratisch zu helfen. Deshalb prüfen wir die Deckung in jedem Einzelfall, haben schon viele Schäden reguliert und uns zusätzlich der Initiative beispielsweise des Bayrischen Wirtschaftsministeriums und der DEHOGA Bayern angeschlossen. Damit bekommen Betriebe zusätzlich Erstattungen und die so wichtige Liquidität, um durch diese Krise zu kommen. Das ist auch für uns ein Kraftakt, wir haben uns aber auch hier von Anfang an entschieden, ohne Wenn und Aber für unsere Kunden da zu sein.

Welche Folgen hat die Corona-Krise für die Signal Iduna wie auch die Versicherungsbranche mit Blick auf

  • interne Abläufe (Homeoffice, Videokonferenzen)?
  • externe Abläufe (z. B. Kundenkommunikation via Skype oder Zoom etc.)?
  • Policen (Neufassung von Bedingungen, neue Policen)?

Leitermann: Ich kann und möchte an dieser Stelle nicht für die Branche sprechen. Für uns bedeutet die aktuelle Lage eine deutliche Umstellung, was die Arbeitsprozesse angeht. Das haben wir sehr konsequent und schnell umgesetzt. Dabei kommt uns zugute, dass wir bereits seit längerem und erfolgreich an der Digitalisierung arbeiten. Wir haben in neue Hard- und Software investiert, Prozesse digitalisiert und angepasst. Kunden können uns auf allen Kanälen erreichen, Schäden melden oder Bescheinigungen anfordern: online, per Mail, über Apps auf ihren Mobilgeräten, Skype, telefonisch und natürlich auch per Brief. Wir sind also trotz der ungewohnten Situation voll handlungsfähig und wie gewohnt für unsere Kunden da und an ihrer Seite – als verlässlicher Partner!

Text: / handwerksblatt.de

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