Auch Handwerksunternehmen müssen sich auf die digitale Zukunft einstellen. (Foto: 123rf) (Foto: © GHM)

Das sind die Zukunftstrends im Handwerk!

Die Gewerke im Handwerk müssen sich für die Zukunft intelligent vernetzen, sagt Zukunftslotse Thomas Strobel.

Die Digitalisierung ist nicht die einzige Herausforderung, vor der das Handwerk bei der Zukunftssicherung steht. Nach Auffassung des Münchner Zukunftslotsen Thomas Strobel werden sich traditionell autarke Gewerke für neuen Kundennutzen intelligent verknüpfen müssen. Nach einer Nutzenanalyse von bundesweit acht regionalen Handwerker-Netzwerken erwartet der Experte folgende Trends:

Lösungsanbieter: Handwerker, die weiter erfolgreich sein wollen, stellen sich als kompetente Lösungsanbieter auf. Ihre Chancen liegen oft in regionalen Lösungsangeboten und enger Zusammenarbeit mit Planern vor Ort. "Das erfordert auch neue Ausbildungskonzepte", meint der 53-jährige Experte.

Beispiel: Ein Kunde will sein Dach sanieren. Er wird sich Partner-Betriebe vor Ort suchen, die die Lösung aus einer Hand anbieten. Zu den klassischen Arbeiten an Dachstuhl, Isolierung und Belag kommen möglicherweise Dachflächenfenster mit Hagelschutz, die künftig so nachgerüstet werden können, dass sie sich bei Unwetterwarnung automatisch schließen. Zusätzlich werden vielleicht Photovoltaik-Anlage und Sonnenkollektor gewünscht, möchte der Auftraggeber eventuell auch Regenwasser sammeln oder eine Wasserzisterne mit einer Wärmepumpe koppeln.

Mitgestalter der digitalen Welt

Mitgestalter der digitalen Welt: Handwerksbetriebe und ihre Organisationen sollten sich intensiv mit Auswirkungen und Chancen von Digitalisierung und Internet der Dinge beschäftigen. Ziel ist ein Überblick, wie die Digitalisierung Denkweise, Informationsstand und Wunsch-Lösungen ihrer Kunden verändern wird. Parallel ist zu planen, wie durch Digitalisierung die eigenen betrieblichen Prozesse verbessert, beschleunigt und kostensparender gestaltet werden können – etwa indem Monteure ihre Aufträge auf Tablets verwalten und Material sowie Arbeitsstunden beleglos abrechnen können. Für all das wird der Blick auf die eigene Branche von außen benötigt – aus einer Kundensicht, die auf bestehende handwerkliche Strukturen keine Rücksicht nimmt. Strobel empfiehlt die Erarbeitung einer Zukunftslandkarte "Handwerk 2030 – Lösungspartner für mehr Lebensqualität".

Beispiel Gebäudeservice: Handwerkerleistungen werden künftig vielfach in langlebigeren Gebäuden erbracht. Folglich müssen die Betriebe ein Konzept entwickeln, wie sie mit Infrastrukturen umgehen, die in Planung, Bau und Betrieb solcher Gebäude eingesetzt werden. Ein wesentliches Element ist Building Information Modeling (BIM), das im Baugewerbe Einzug hält. Die Betriebe müssen Wege finden, ihre Leistungen im Kontext eines solchen Datenmodells anzubieten, zu realisieren und in einem solchen virtuellen Gebäudemodell zu dokumentieren, das als digitaler Zwilling über die gesamte Lebensdauer des Bauwerks aktuell zu halten ist. Bei Ausschreibungen des Bundes ist BIM schon ab 2020 Pflicht.

Offen für Digitalisierung

Offen für Internet der Dinge: Handwerker sollten dann auch zunehmend das Internet der Dinge kundennah betreuen, neue Tools einbinden und so Smart-Home-Fortschritte ermöglichen können. Wer beispielsweise eine per App steuerbare Heizungsanlage einbaut, muss diese Funktion auch für den Kunden einrichten können. "Es reicht dann nicht mehr, ihm das vom Heizungshersteller gelieferte Internet-Modul originalverpackt in die Hand zu drücken", betont Strobel. Auch die Entschuldigung, für den im Keller noch fehlenden LAN-Anschluss müsse erst ein Elektriker kommen, greife nicht mehr, wenn dafür heute schon preiswerte Powerline-Lösungen verfügbar sind.

Affin für Plattformen und Netze: Genau wie die Industrie werden Handwerksbetriebe gezwungen sein, in kundenorientierten Wertschöpfungsketten und -netzwerken zu denken, wollen sie perspektivisch nicht nur als "Notfall-Reparaturbetriebe" überleben. Zur Zukunftssicherung sollten sie überlegen, welche Voraussetzungen sie für ihre künftige Geschäftsstrategie selbst schaffen wollen, beziehungsweise ob und welche Partner sie dafür benötigen. Diese Partner müssen auf lokalen Plattformen als sichtbare Lösungsanbieter zusammenfinden, um ihre Leistungen aus einer Hand anzubieten. Anderenfalls werden sie als traditionelle Betriebe mit eng gefassten Kompetenzen auf Online-Portalen verramscht und müssen dort mit Billigpreisen um Aufträge von Privatkunden konkurrieren.

 

Zur Person: Thomas Strobel

Der 53-jährige Diplom-Ingenieur und Zukunftslotse Thomas Strobel ist Geschäftsführer der Fenwis GmbH. Sie hat sich auf den Bedarf mittelständischer Unternehmen und kompletter Branchen sowie methodisch auf die teamorientierte, systematische Ausarbeitung von Zukunftsszenarien spezialisiert.

Text: / handwerksblatt.de

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