Stellten das Projekt "Craft Forward" auf der Fachmesse "Light + Building" vor (v. l.): Andreas Habermehl (ZVEH), Thomas Bürkle (Bürkle + Schöck), Stefan Ehinger (ZVEH), Paul Seifert (ZVEH), Katerina Michalec (ZVEH), Dominik Knies (KSB SE & Co. KGaA), Dirk Buße (Budatec GmbH) und Deike Magret Ihnen (Fraunhofer IPK). (Foto: © ZVEH)

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Keine Daten, keine Nachhaltigkeit

Im Forschungsprojekt "CraftForward" entwickelt das Fraunhofer IPK mit vier Partnern einen digitalen Produktpass, der zirkuläre Geschäftsmodelle in Servicebetrieben unterstützt.

Handwerksbetriebe treffen täglich Entscheidungen über die Instandsetzung, den Austausch oder die Weiterverwendung von Produkten und Bauteilen, allerdings oft, ohne alle notwendigen Daten zu den betreffenden Objekten zu kennen. Dabei sind diese ein wichtiges Entscheidungskriterium, so der Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH) in einer Pressemitteilung.

Forscher des Fraunhofer-Instituts für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik IPK wollen diese Lücke schließen, indem sie im Rahmen des vom Bundesforschungsministerium geförderten Projekts "CraftForward" Hersteller- und Servicedaten systematisch zusammenführen und sowohl für das Handwerk als auch für produzierende Unternehmen nutzbar machen. Im Ergebnis sollen zirkuläre Service- und Geschäftsmodelle erstmals wirtschaftlich bewertbar und praktisch umsetzbar werden.

An dem Projekt sind neben dem Fraunhofer IPK und dem ZVEH die budatec GmbH, ein Anlagenhersteller für die Halbleiter- und Solarindustrie, das e-handwerkliche Unternehmen Bürkle + Schöck Transformatoren GmbH und der Pumpen- und Armaturen-Hersteller KSB SE & Co. KGaA beteiligt.

Keine Daten, keine Nachhaltigkeit

Die Ausgangssituation: Wird ein Produkt erstmals verkauft, gehen während seiner Nutzung viele produkt- und chargenspezifischen Informationen verloren. Servicebetriebe erhalten bei einem Reparatur- oder Wartungsauftrag meist nur die Typbezeichnung und das Baujahr des betreffenden Geräts oder Bauteils, aber keine verlässlichen Daten – so etwa über dessen Materialzusammensetzung. Auch die Servicehistorie wird selten zentral dokumentiert.

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Außerdem ist der aktuelle Zustand eines Produkts oft nicht bekannt, denn die tatsächlichen Verschleiß-, Betriebs- und Umgebungsdaten werden kaum sensorisch erfasst oder strukturiert bereitgestellt. Zustandsermittlungen erfolgen daher oft manuell, durch Sicht- oder Demontageprüfung. Darüber hinaus zwingen uneinheitliche Identifikationssysteme, herstellerspezifische Ersatzteilkataloge und Medienbrüche Servicebetriebe dazu, Informationen aus mehreren Portalen zusammenzusuchen. "Das kostet die Betriebe wertvolle Zeit und Geld, führt zu Fehl- oder Doppelbestellungen, Mehrfachfahrten und langen Stillstandzeiten", so der ZVEH. Werden wertstoffhaltige Komponenten ausgebaut, fehlen darüber hinaus standardisierte Angaben zu Materialzusammensetzung und Demontagefolge. Dadurch werden diese Bauteile oft entsorgt, statt wiederverwertet zu werden.

Projektpartner verfolgen zwei Ansätze

Foto: © Fraunhofer IPKFoto: © Fraunhofer IPK

Hier setzt das Projekt "CraftForward" an. Dessen Ziel es ist, Reparatur-, Upgrade- und Rückführungsprozesse mithilfe digitaler Technologien, Geschäftsmodell-Methoden und Datenraum-Standards technisch handhabbar, wirtschaftlich attraktiv und regulatorisch anschlussfähig zu gestalten. Die Projektpartner verfolgen dabei zwei Ansätze.

Entwicklung eines digitalen Produktpasses

Zum einen entwickeln sie einen erweiterten digitalen Produktpass (DPP), der sowohl Produkt- als auch Serviceinformationen integriert und damit für alle Beteiligten über alle Phasen des Produktlebenszyklus eine ganzheitliche Informationsbasis schafft. Im Fokus stehen dabei insbesondere die Schnittstellen zwischen industriellen Herstellern und Handwerksbetrieben, etwa bei Wartung, Reparatur oder Rücknahme von Geräten und Komponenten. Hierzu wird ein konfigurierbares DPP-System aufgesetzt, das über einen digitalen Produkt- und Service-Zwilling Informationen zu Material, Bauteilen, Laufzeiten und Nutzung sammelt.

Beschreibung und Bewertung zirkulärer Strategien

Zum anderen werden zirkuläre Strategien, zum Beispiel anhand der R-Strategien der Kreislaufwirtschaft – Repair, Refurbish, Remanufacture, Reuse – definiert und auf ihre Umsetzbarkeit in individuellen Geschäftsmodellen hin analysiert, strukturiert und so aufbereitet, dass sie mit realen Betriebsdaten ökonomisch bewertet werden können.

Zentrale Prämisse ist dabei, dass für jede Strategie die relevanten Informationen, zum Beispiel zu Material, Alter oder Zustand des Bauteils vorliegen. "Denn nur so können die Betriebe entscheiden, ob die jeweilige Strategie umsetzbar ist", hebt der ZVEH hervor. Für die wirtschaftliche Bewertung der Strategien werden außerdem Key Performance Indicators (KPIs) der Kreislaufwirtschaft verwendet und auf spezifische Anwendungsszenarien bezogen.

Lückenschluss zwischen Handwerk und Industrie

"Wir wollen zirkuläre Strategien nicht nur beschreiben, sondern orientiert an Standards wie der ISO 59020/59040 über ein Kennzahlensystem bewerten", sagt Deike Magret Ihnen, Projektleiterin am Fraunhofer IPK. "Auf diese Weise sollen Geschäftsmodelle und ihre ökologische Wirkung nachvollziehbar werden und Unternehmen darauf basierend fundierte Serviceentscheidungen treffen können."

Damit werden Handwerksbetriebe perspektivisch nicht nur "Ausführende", sondern daten- und prozessseitig eingebundene Partner in zirkulären Produkt-Service-Systemen, inklusive Rückmeldeschleifen in Richtung Hersteller, weil zum Beispiel Service- und Zustandsdaten strukturiert nutzbar werden. "Indem wir die Daten zwischen Service und Produkt integrieren, schließen wir die Lücke zwischen Handwerk und Industrie", so Ihnen.

Zeit- und Kostenersparnis im Service

Der Nutzen sowohl für Handwerksbetriebe als auch produzierende Unternehmen liegt laut der Pressemitteilung auf der Hand: Kleine und mittelständische Unternehmen, bei denen Service zum Geschäftsmodell gehört, könnten durch den Zugriff auf produkt- und servicebezogene Informationen nicht abrechenbare Such- beziehungsweise Klärzeiten reduzieren und die Aufwände für Reparaturen und Upgrades besser kalkulieren.

Quelle: Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke

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Text: / handwerksblatt.de

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