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Geben Sie sich selbst Kredit!

Jeder Handwerksbetrieb sollte sich eingehend mit der Innenfinanzierung befassen – das schafft Liquidität, schont das Eigenkapital und stärkt die Unabhängigkeit. Wir zeigen Ihnen, welche Möglichkeiten Sie haben.

Wenn Investitionen anstehen oder dringend Geld benötigt wird, denken viele Unternehmer häufig sofort an Kredite. Aber: Bankkredite sind nicht immer einfach zu bekommen. Und wenn die Bank einen Kredit gibt, werden darauf Zinsen fällig, und die binden und belasten die Kasse. Außerdem verschlechtern Kredite die Eigenkapitalquote, die laut Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) in Kleinstunternehmen in den letzten Jahren dramatisch gesunken ist. Eine zu geringe Eigenkapitalquote wiederum macht neue Kredite teurer oder sogar unmöglich.

Innen- oder Selbstfinanzierung als Alternative

Die Alternative zu Krediten bietet die Innen- oder Selbstfinanzierung. Hier wird anders als bei Krediten kein Geld von außen zugeführt. Man spricht auch von der Nutzung der eigenen Finanzkraft des Betriebs. Dazu gehört die Einbehaltung der Gewinne oder Gewinnthesaurierung. "Die Thesaurierungsrücklage zur Bildung von Eigenkapital für Personengesellschaften war prinzipiell eine gute Idee. Allerdings hat der Gesetzgeber sie nicht praktikabel ausgestaltet. Wird sie genutzt, ist eine Verwendungsreihenfolge zu beachten, die in schwierigen Zeiten die Liquidotät sogar belasten kann", erklärt Karl-Sebastian Schulte, Geschäftsführer des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), und fordert Berlin zu einer Nachbesserung dieser Rücklage auf.

Schreiben Sie zügig Ihre Rechnungen!

Andreas Kasper, kaufmännischer Unternehmensberater der Handwerkskammer zu Köln, rät Betrieben, ihr Anlage- und Umlaufvermögen zu überprüfen. An erster Stelle steht hier, die Wartezeit auf Kundenzahlungen zu verkürzen, also eine Optimierung des Forderungsmanagements: "Der Zeitraum zwischen Leistungserbringung und Zahlung muss verkürzt werden. Was im Anlagenbau üblich ist – nämlich Anzahlungen bei Auftragsbeginn zu leisten –, setzt sich im Handwerk nur langsam durch. Es entlastet die Betriebe allerdings enorm, mit Kunden Anzahlungen, zum Beispiel als Gegenleistung für eingeforderte Preisnachlässe, zu vereinbaren."

Kasper regt an, zügig Rechnungen zu schreiben und im Verlauf von größeren Projekten die Anzahl der Rechnungen zu erhöhen, um so schneller Geld in die Kasse zu spülen. Wenn Auftraggeber die ihnen gestellten Zahlungsfristen überschreiten, sollten die Betriebsinhaber Skontoabzüge nicht akzeptieren. Und: Wird dringend Liquidität benötigt, bietet es sich an, Forderungen zu verkaufen (Factoring).

Brachliegendes Geld

Was für Forderungen gegenüber Kunden gilt, gilt auch für Zahlungen an Lieferanten: Es sollte genau geprüft werden, zu welchem Zeitpunkt Material bestellt wird, wohin es geliefert werden soll und ob die Fälligkeiten von Zahlungen mit Lieferanten verhandelt werden können, wenn es einmal eng wird.

Im Anlage- und Umlaufvermögen verbergen sich oft Positionen mit einem einmaligen Effekt für die Kasse: So ist es naheliegend, Betriebsvermögen wie Fahrzeuge oder Maschinen zu veräußern, wenn sie nicht genutzt werden. Maschinen, die noch gebraucht werden, können verkauft und zurückgeleast werden (Sale-and-lease-back-Verfahren). Kautionen, wie Mietkautionen oder Hinterlegungen bei Bürgschaftsversicherungen sind brachliegendes Geld. Hier bieten sich Verhandlungen über Alternativen an.

Auch das Lager des Handwerksbetriebs kann zu einer Art Geldquelle werden: Denn hier befindet sich oftmals Material, das nicht mehr gebraucht wird und unter Umständen verkauft werden kann. Und auch mit Lieferanten Rückgabemöglichkeiten zu vereinbaren hält die Liquidität aufrecht. Eine andere Möglichkeit ist die Finanzierung über Abschreibungen: Denn jeder Betrieb muss bei der Kalkulation seiner Preise auch das berücksichtigen, was Maschinen oder Werkzeuge gekostet haben. Werden diese Preise im Markt verdient, fließt das Geld für den Verschleiß oder die Abschreibung der Betriebsanlagen in die Kasse. Diese Rückflüsse können dann investiert werden.

Rückstellungen werden für Betriebspensionen oder andere Zahlungsverpflichtungen wie beispielsweise Prozesskosten oder Gewährleistungen gebildet. Sie mindern den Gewinn und damit die Steuern und können investiert werden. Aber Vorsicht! Ist das Geld nicht vorhanden, wenn es fällig wird, müssen die Zahlungen aus den Umsätzen finanziert werden.

Befassen Sie sich mit der Innenfinanzierung!

"Die Innenfinanzierung hat für Handwerksbetriebe aller Größenklassen größte Bedeutung und ist Beleg für solides Wirtschaften", so Schulte. Diese Aussage unterstützt auch die letzte Verbändeumfrage der KfW zur Unternehmensfinanzierung, die der ZDH eigens für die Handwerksbetriebe ausgewertet hat. "Sich eingehend mit der Innenfinanzierung zu befassen, lohnt sich", betont der ZDH-Geschäftsführer: "Das schafft Liquidität, schont das Eigenkapital und stärkt die Unabhängigkeit."

Möglichkeiten der Innenfinanzierung

  • Einbehaltung der Gewinne / Gewinnthesaurierung
  • Positionen im Anlage- und Umlaufvermögen
  • Forderungsmanagement
  • Finanzierung aus Abschreibungen
  • Finanzierung aus Rückstellungen

Pro und Contra

Vorteile der Innenfinanzierung:

  • keine Abhängigkeit von Kreditgebern
  • keine Zinsen, Provisionen oder Gebühren
  • Verbesserung der Kreditwürdigkeit
  • keine Sicherheiten notwendig
  • positiver Steuereffekt

Nachteil der Innenfinanzierung:

  • Fehlinvestitionen sind möglich (keine Bindung an konkreten Mitteleinsatz, Entscheidung daher subjektiv)
Text: / handwerksblatt.de

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