Die Handwerkskammer Düsseldorf hat 905 neuen Meisterinnen und Meistern eine große Bühne bereitet. Im PSD Bank Dome, wo sonst Konzerte und Sportereignisse stattfinden, wurde der neue Führungsnachwuchs des Handwerks gefeiert: Mit Politikprominenz - darunter die NRW-Wirtschaftsministerin und stellvertretende Ministerpräsidentin Mona Neubaur -, mit Pyrotechnik, Lasershow und 2.500 geladenen Gästen.
Die 77. Meisterfeier der Handwerkskammer sorgte für viele Gänsehautmomente, darunter eine Slideshow mit Bildern von vergangenen Meisterfeiern - von Konrad Adenauer bis heute -, und als Höhepunkt die Verleihung der Meisterbriefe an die 14 Jahrgangsbesten durch den Festredner, Bundesdigitalminister Dr. Karsten Wildberger, und den Präsidenten der Handwerkskammer Andreas Ehlert. Durch den Festakt führte WDR-Fernsehmoderatorin Catherine Vogel.
Was alle, die jetzt den Meisterbrief in der Hand halten dürfen, vereine, sei Stolz, betonte Handwerkspräsident Ehlert. "Stolz, dass er es geschafft hat, dass er Ausdauer bewiesen hat, Disziplin, Leistungsbereitschaft und den Willen, Verantwortung zu übernehmen." Das Handwerk sei kein Beruf wie jeder andere, betonte der Schornsteinfegermeister. "Handwerk ist Karriere mit Verantwortung und Karriere mit Gefühl."
Viele hätten tagsüber gearbeitet und abends die Meisterschule besucht. Andere hätten sich eine berufliche Auszeit genommen und tagsüber die Meisterschule besucht. Manche mussten Beruf, Kinder und Familie gleichzeitig organisieren. "Und viele warten bis heute darauf, dass ihr Meister-Bafög ausgezahlt wird", sagte Ehlert. Trotz aller Widrigkeiten hätten sie bis zum Ende durchgehalten und die Prüfungen bestanden.
Die Verfahren für Meister-Bafög ziehen sich über Monate
Das Meister-Bafög sei ein Paradebeispiel, wie langsam und kompliziert der Staat arbeitet. "Beim Meister-Bafög sind nicht die Regeln das Problem. Sondern zu komplizierte Verfahren, zersplitterte Zuständigkeiten und digitale Prozesse, die nicht zu Ende gedacht werden."
Das führe dazu, dass viele Meister auch nach der bestandenen Prüfung noch keinen Cent der staatlichen Förderung gesehen haben, weil sich das Verfahren monatelang hinzieht. Eine Förderung, mit der sie die Lehrgänge, die Prüfungskosten und das Material für ihr Meisterstück finanzieren. "Die jungen Menschen fragen sich, warum ausgerechnet diejenigen ausgebremst werden, die sich weiterqualifizieren und Verantwortung übernehmen wollen." Ehlert stellte die Frage in den Raum: "Ist der Staat Ermöglicher oder Verhinderer?"
Die Hälfte will gründen oder hat es schon getan: "Optimismus pur"
Die neuen Meisterinnen und Meister lassen sich ihren Zukunftsmut trotz der Bürokratie aber nicht nehmen. Rund die Hälfte von ihnen hat bereits gegründet oder plant es. Ehlert: "Fast alle wollen ausbilden und ihr Wissen weitergeben." Das sei angesichts der schwierigen Bedingungen "Optimismus pur", betonte der Kammerpräsident.
Staatsmodernisierung sei für das Handwerk kein abstraktes Berliner Projekt, sondern "eine konkrete Zukunftsfrage". Verfahren müssten schneller werden, Förderung müsse einfacher werden und der Staat müsse digital aus einem Guss funktionieren. "Entlasten ist sowieso besser als fördern", sagte Ehlert und erntete dafür viel Applaus im PSD Bank Dome.
In Nordrhein-Westfalen gelinge das bereits, würdigte Entbürokratisierungsanstrengungen des Landes - auch dank einer sehr guten Zusammenarbeit des Handwerks mit dem Wirtschaftsministerium. "Hier zeigt sich, dass vieles möglich ist, wenn Politik Modernisierung wirklich will. Schnellere digitale Kommunikation, weniger Bürokratielasten und mehr Spielräume für pragmatische Lösungen."
Ab 2027 sollen in NRW alle landesseitigen Berichts- und Dokumentationspflichten für die Wirtschaft entfallen, wenn sie nicht gut begründet neu festgelegt werden. "Das ist ein echter Paradigmenwechsel", sagte Ehlert. Nicht die Entlastung müsse dann begründet werden, sondern die Belastung.
Ein weiteres wichtiges Zukunftsprojekt sei "Gründen in 24 Stunden". Alle an einer Gründung Beteiligten wollen parallel und medienbruchfrei zusammenarbeiten, damit das Projekt gelingt und alle künftigen Gründer schnell und bürokratiearm loslegen können.
Erste fälschungssichere Meisterbriefe
Ebenfalls ein Meilenstein bei der Digitalisierung sind der digitale Meisterbrief und die digitalen Zeugnisse, die die Handwerkskammer Düsseldorf als erste HWK Düsseldorf mit modernster Blockchain-Technologie an den neuen Meisterjahrgang ausgibt. Die Dokumente sind fälschungssicher und jederzeit verifizierbar. ➡️Mehr dazu hier. Hintergrund: Der Meisterbrief (aber auch andere Zeugnisse im Handwerk) hat einen so einen hohen Wert, dass er heute vielfach gefälscht wird.
Festredner Dr. Karsten Wildberger, Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung übermittelte den Meisterinnen und Meistern die Glückwünsche von Bundeskanzler Friedrich Merz, der nicht wie zunächst angekündigt zur Meisterfeier kommen konnte. Dessen Botschaft laute: Deutschland sei stolz auf sie und brauche sie.
Wildberger würdigte das Handwerk als tragende Säule des Mittelstands, als Wohlstandsgarant, Konjunkturmotor und Fundament regionaler Versorgung. Allein in Nordrhein-Westfalen würden rund 1,3 Millionen Menschen in etwa 110.000 Handwerksbetrieben arbeiten. Ohne sie, so der Minister, funktioniere der Alltag nicht.
KI als Werkzeug nutzen
Der Meisterbrief markiere für die Absolventinnen und Absolventen den Eintritt in eine neue Rolle: Sie seien nun Führungsnachwuchs, könnten Betriebe übernehmen oder gründen, Teams leiten und vor allem ausbilden. Damit trügen sie Wissen, Haltung und Verantwortung an die nächste Generation weiter. "Handwerk bedeutet mehr als Herstellung; es verwandelt Material in etwas Bleibendes und gibt der Welt Gestalt."
Angesichts wirtschaftlicher Herausforderungen wie Fachkräftemangel, hoher Kosten, zurückhaltender Kunden und wachsender Bürokratie versprach der Minister politische Unterstützung. Der Staat würde künftig ermöglichen statt bremsen. Als Bürokratieabbau geplant seien weniger Berichtspflichten, schnellere Genehmigungen, eine Umkehr der Beweislast zugunsten der Betriebe, digitale Gründungsverfahren und der Grundsatz, dass Daten dem Staat nur einmal vorgelegt werden müssen. Wildberger sagte unter Applaus zu, das Tempo beim Bürokratieabbau "noch weiter zu steigern."
Ein Schwerpunkt seiner Rede lag auf Digitalisierung und künstlicher Intelligenz. "KI ersetzt nicht das Handwerk und nicht den Meister", sagte der Minister. KI habe weder Fingerspitzengefühl noch Erfahrung oder menschliches Urteil. Sie könne aber helfen, Angebote vorzubereiten, Anträge zu erleichtern, Termine zu organisieren und Bürokratie abzubauen. Entscheidend sei die kluge Kombination von Mensch und Maschine. Betriebe, die KI sinnvoll nutzten, hätten künftig Vorteile.
Dafür sei schnelles Internet wichtig. "Glasfaser muss in die Werkstatt, auf die Baustelle und ins Haus", so der Minister, der neben einer Deutschland-App eine souveräne KI- und Cloud-Infrastruktur aus Deutschland ankündigte.
(Das Handwerk setzt darauf, dass der digitale Meisterbrief in die Deutschland-App integriert werden kann.)
Wildberger lobt die neuen Meisterinnen und Meister für ihr Durchhaltevermögen und appellierte an sie, weiter mutig zu bleiben, zu gründen, auszubilden, Verantwortung zu übernehmen und "die Dinge besser zu hinterlassen, als sie sie vorgefunden haben".
Die Düsseldorfer Meisterfeier zog mehrere Hundert Persönlichkeiten des Öffentlichen Lebens an, neben Landeswirtschaftsministerin Mona Neubaur unter anderen die Staatssekretäre Thomas Jarzombek MdB und Matthias Heidmeier (NRW) sowie mehr als ein Dutzend weitere Abgeordnete aus Bundes- und Landesparlament, Regierungspräsident Thomas Schürmann, Düsseldorfs Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller und zahlreiche weitere Spitzen aus Kommunalpolitik, Wirtschaft und dem Berufsbildungswesen, wie der Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) Prof. Dr. Hubert Esser.
Portraits der Jahrgangsbesten Die Handwerkskammer Düsseldorf hat die Jahrgangsbesten portraitiert. Hier finden Sie die spannenden Geschichten hinter den Gesichtern.
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Text:
Kirsten Freund /
handwerksblatt.de
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