Heidi und Christian Schwarz führen gemeinsam einen erfolgreichen Malerbetrieb in Niederbayern. Sie tauschen sich oft mit anderen Unternehmern in einer Erfa-Gruppe aus, die von Handwerkstrainerin Andrea Eigel geleitet wird.

Heidi und Christian Schwarz führen gemeinsam einen erfolgreichen Malerbetrieb in Niederbayern. Sie tauschen sich oft mit anderen Unternehmern in einer Erfa-Gruppe aus, die von Handwerkstrainerin Andrea Eigel geleitet wird. (Foto: © Schwarz GmbH)

Mentale Stärke für Unternehmer: So bleiben Sie motiviert

Betriebsführung

Von Chefinnen und Chefs im Handwerk wird erwartet, dass sie immer wissen, wo es langgeht und Zuversicht ausstrahlen. Dafür braucht es mentale Stärke, und die kann man trainieren. Trainerin Andrea Eigel erklärt, worauf es ankommt.

Unternehmerinnen und Unternehmer sollen auch bei den größten Herausforderungen immer wissen, wo es langgeht und eine positive Ausstrahlung versprühen. Dass sie auch unter Druck die richtigen Entscheidungen treffen, ihr Team motivieren und Zuversicht ausstrahlen. Doch woher nehmen sie eigentlich selbst die Kraft für den Arbeitstag? Wie bleiben sie optimistisch, stark und selbstbewusst angesichts von Krisen, Lieferengpässen, Preisdruck, Fachkräftemangel und immer höheren Kundenanforderungen?

Andrea Eigel, Geschäftsführerin der Kaleidoskop Marketing-Service GmbH, kennt das Handwerk seit 25 Jahren, sie berät Betriebe an und leitet mehrere Erfahrungsaustausch-Gruppen (Erfa-Gruppen). Ihr ist aufgefallen, dass sich Unternehmerinnen und Unternehmer immer häufiger fragen, wie sie motiviert bleiben.

Viele Führungskräfte (nicht nur) im Handwerk sind inzwischen sehr angespannt

"Über viele Jahre hat sich alles um den Kunden gedreht. Auftragsgewinnung und Kundenbindung waren die zentralen Themen. Danach ist der Fachkräftemangel in den Fokus getreten. Man hat sich der Frage gewidmet, was man tun kann, damit sich Mitarbeiter im eigenen Betrieb wohlfühlen", sagt Eigel. Eine Person ist dabei in den Hintergrund getreten: Die Unternehmerin beziehungsweise der Unternehmer selbst.

"Durch die ganzen Herausforderungen sind viele Führungskräfte im Handwerk inzwischen sehr angespannt. Dem ein oder anderen ist über die Jahre die eigene Motivation verloren gegangen", beobachtet die Beraterin. Doch nur im Dreiklang Unternehmer, Mitarbeiter und Kunde könne ein Handwerksbetrieb auf Dauer funktionieren.

Andrea Eigel Foto: © Kaleidoskop Marketing-Service GmbH – Matthias EigelAndrea Eigel Foto: © Kaleidoskop Marketing-Service GmbH – Matthias Eigel

Besonders im Handwerk sind die Unternehmerinnen und Unternehmer Motor des Ganzen. Mit ihnen möchten sich die Kunden identifizieren, mit ihnen möchten sich aber auch die Mitarbeiter identifizieren, und es ist klar, dass die Stimmung, die im Betrieb herrscht, ganz maßgeblich von den Chefinnen und Chefs mitgetragen wird", sagt Eigel.

Die Unternehmermarke, über die heute viel gesprochen wird, bestehe eben nicht nur aus attraktiven Arbeitsbedingungen, sondern habe auch eine hohe emotionale Komponente. "Unternehmerinnen und Unternehmer brauchen also die nötige Energie, um das ganze Team mitzunehmen, mitzureißen und die richtigen Impulse zu setzen."

Beruf und Privatleben sind im Handwerk oft untrennbar verbunden

Christian und Heidi Schwarz führen ihren Malerbetrieb Schwarz GmbH in Arnstorf (Bayern) seit 2008 gemeinsam als Familienbetrieb in der zweiten Generation. Wie so oft im Handwerk, sind bei dem Paar Beruf und Privatleben untrennbar verbunden. Und das seit über 20 Jahren. "Meine Frau und ich stärken uns gegenseitig. Wir motivieren uns und bauen uns auf", erzählt Christian Schwarz.

"Auch in Corona-Zeiten haben wir versucht, immer mit einer positiven Ausstrahlung in den Betrieb zu gehen, denn schlechte Laune überträgt sich. Wir als Unternehmer müssen doch Visionen aufzeigen und immer das Positive herausheben."

Viel Kraft dafür ziehen sie aus ihrer sehr guten privaten Beziehung. Aber auch der Austausch mit anderen Unternehmen hilft. "Nach den Treffen mit der Erfa-Gruppe, die sich unter der Leitung von Andrea Eigel zweimal im Jahr trifft oder den gemeinsamen Videokonferenzen mit der Trainerin haben wir immer ein gutes Gefühl und wissen, dass wir nicht alleine sind mit unseren Themen."

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Sich bewusst auf die eigenen Stärken besinnen - und sich für alles andere Unterstützung holen

Natürlich ist es auch eine Typ-Frage, wie man schwierige Situationen meistert und ob man es schafft, mit Stress gelassen umzugehen. Man kann sich mentale Stärke aber auch ein Stück weit aneignen (siehe unten). "Eine wichtige Rolle dabei spielt, dass man sich mit seinen eigenen Stärken auseinandersetzt", sagt Andrea Eigel.

Unsere Gesellschaft sei viel stärker geübt darin, Schwächen zu sehen. Eben alles das, was nicht so gut funktioniert. "Wer herausfindet, wo seine Stärken liegen, wer weiß, was er leicht kann und was ihm mit Freude bereitet, der hat auch eher Erfolgserlebnisse." Denn es liegt auf der Hand: Wer seine Stärken kennt, der kann sie auch leichter einsetzen.

"Natürlich können Unternehmerinnen und Unternehmer nicht nur das machen, worauf sie Lust haben", sagt Eigel. Aber wer weiß, an welchen Aufgaben er Freude hat, der kann sich eben für alle anderen Aufgaben Unterstützung holen.

Tipps für mentale Stärke

Erfolgserlebnisse festhalten

Erfolgserlebnisse geraten gerne mal aus dem Fokus. Handwerkstrainerin Andrea Eigel rät, sich am Ende jedes Arbeitstags ein positives Erlebnis im Kalender zu notieren. Man gehe ganz anders durch den Tag, wenn man sich darauf besinnt, was gerade gut läuft. Sei es, dass ein Kunde ein unerwartet positives Feedback gab, das Mitarbeitergespräch besser verlief als erwartet, oder dass man eine Aufgabe angegangen ist, die man schon lange vor sich hergeschoben hat. So führt man sich vor Augen, was man alles bewegt hat. Das stärkt das Selbstbewusstsein.

Auf seine Visionen besinnen

Unternehmerinnen und Unternehmer sollten sich öfter auf ihren Antrieb, auf ihre Vision, besinnen. Das geht oft über die Jahre "verschütt", wird von der Alltagsroutine verdeckt. "Handwerker, die ihrer Idee folgen und eine Perspektive haben, stehen stärker da", betont Andrea Eigel. "Dann kann man auch mit Schwierigkeiten und Rückschlägen besser umgehen." Menschen, die keine Perspektive mehr hätten für sich und den Betrieb, würden viel schneller ihre Motivation verlieren, ist die Beraterin überzeugt. Das gelte zum Beispiel dann, wenn kein Nachfolger oder keine Nachfolgerin für den Betrieb in Aussicht ist.

Die Dinge selbst in die Hand nehmen

Auf äußere Einflüsse wie Pandemie, Krieg oder Lieferengpässe hat man keinen Einfluss. Um nicht das Gefühl von Kontrollverlust zu bekommen, kann man sich in solchen Situationen fragen, was man persönlich und im eigenen Einflussbereich tun kann. Wie man vielleicht mit dem Unternehmen oder privat helfen kann. Eigel: "Wenn man selbst etwas bewegen kann, hat man wieder dieses positive Gefühl von Stärke und Einfluss."

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Text: / handwerksblatt.de

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