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Mittelstand: Frühjahrsaufschwung bleibt aus

Inflation, hohe Zinsen und Fachkräftemangel setzen kleinen und mittleren Betrieben zu. Laut einer Umfrage der Creditreform rechnet jedes sechste Unternehmen mit sinkenden Umsätzen. Knapp ein Drittel hofft auf ein Umsatzplus.

Die Energiepreiskrise hat Spuren im Mittelstand hinterlassen. Auftragseingänge, Umsätze und Erträge der Unternehmen entwickelten sich in den letzten Monaten häufig rückläufig. Das geht aus der Frühjahrsstudie der Creditreform Wirtschaftsforschung hervor. Auch die Geschäftserwartungen der insgesamt 1.300 befragten kleinen und mittleren Unternehmen sind sehr zurückhaltend. Das Winterhalbjahr 2022/2023 war für viele mittelständische Unternehmen eine schwierige Zeit.

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"Hohe Energiepreise, steigende Kosten und allgemeine Unsicherheit haben die Unternehmen erheblich belastet", sagt Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung.

Gleichzeitig sei der Absatz weggebrochen. Die Baukonjunktur hat sich stark eingetrübt und der Handel hat unter einer schlechten Geschäftslage gelitten. Insgesamt hätten die Inflation und deren Folgen die Geschäftsentwicklung im Mittelstand stark gebremst, so Hantzsch.

Zurückhaltende Geschäftserwartungen

Creditreform geht davon aus, dass die deutsche Wirtschaft im laufenden Jahr bestenfalls stagnieren und der Mittelstand sich diesem Negativtrend nicht entziehen kann. Die Geschäftserwartungen der Unternehmen seien laut der Umfrage sehr zurückhaltend.

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Jeder sechste Befragte (16,0 Prozent) rechnet mit sinkenden Umsätzen im weiteren Jahresverlauf. In der Vorjahresbefragung waren es noch 13,5 Prozent. 31,7 Prozent der Befragten erwarten ein Umsatzplus. "Der Frühjahrsaufschwung dürfte damit in diesem Jahr schwach ausfallen", sagt Hantzsch.

Auftragslage Die Konjunkturschwäche der letzten Monate zeigt laut Creditreform Wirkung - die Auftragseingänge waren bei fast 30 Prozent der befragen Mittelständler per Saldo rückläufig. Die Befragung  fand im März 2023 statt. Eine deutlich schlechtere Auftragslage verzeichnet demnach der Handel. 40,8 Prozent der Befragten meldeten Rückgänge – ein fast doppelt so hoher Anteil wie im letzten Frühjahr (21,3 Prozent). Gestiegene Aufträge verbuchten nur wenige Händler (13,1 Prozent der Befragten). Aber auch im Baugewerbe meldeten 28,1 Prozent der Befragten einen Rückgang. Im Vorjahr waren das noch 14,8 Prozent. Im  Dienstleistungsgewerbe meldeten 26,2 Prozent  eine rückgängige Auftragslage (Vorjahr: 14,6 Prozent).

Die Investitionsbereitschaft der mittelständischen Unternehmen bleibe durch Unsicherheit und steigende Finanzierungskosten gedämpft. 52,8 Prozent der Befragten planen laut Creditreform ein Investitionsvorhaben (Vorjahr: 52,6 Prozent). Vorrangig sind hier Ersatzinvestitionen vorgesehen (58,2 Prozent).

Ertragslage angespannt

Fast besorgniserregend sei die Ertragslage im Mittelstand. Der Anteil der Befragten, die Ertragseinbußen verzeichneten, ist mit 35,5 Prozent unverändert hoch (Vorjahr: 32,3 Prozent).

Hantzsch: "Auf breiter Front massiv gestiegene Kosten ließen kaum Ertragssteigerungen zu."Nur 15,5 Prozent der Befragten meldeten ein Ertragsplus. "Die Ertragslage der mittelständischen Unternehmen hat sich seit dem Corona-Einbruch 2020 noch nicht wieder erholt", berichtet der Creditreform-Sprecher.Auch in den nächsten Monaten sei keine Verbesserung absehbar. Die angespannte Ertragslage sei für immer mehr Unternehmen eine Gefahr für die finanzielle Stabilität.

Der Corona-Bumerang

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Vor allem die Energiepreisexplosion hätte die Erholung nach der Corona-Krise gebremst. Ein Teil des Mittelstandes habe die Eigenkapitalquoten zuletzt aber wieder verbessern können. Gut jeder dritte Befragte hatte eine Eigenkapitalquote von über 30 Prozent gemeldet und gilt damit als eigenkapitalstark.

30,7 Prozent der befragten Unternehmen leiden aber weiterhin unter einer niedrigen Eigenkapitalquote von unter zehn Prozent. "Die mit der Gießkanne ausgeschütteten staatlichen Hilfen werden für viele Betriebe jetzt zum Corona-Bumerang, der sie in einem extrem ungünstigen Marktumfeld trifft", sagt Hantzsch.

Die Zinswende habe die Finanzierungsbedingungen für den Mittelstand zudem massiv verändert. Die Nachfrage nach Bankkrediten ging spürbar zurück. Weniger als ein Viertel der Befragten (23,8 Prozent) hat in den letzten Monaten ein Darlehen beantragt. Vor zwei Jahren lag dieser Wert noch bei 32,4 Prozent. Bislang befürchten aber nur 8,4 Prozent der Unternehmen, den Zinsverpflichtungen nicht mehr nachkommen zu können.

Quelle: Creditreform

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Text: / handwerksblatt.de

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