Thomas Bischzur, Geschäftsführer der Bäckerei Evertzberg, mit den beiden Pflege-Guides: Feelgood-Managerin Claudia Prinz (l.) und Yvonne Ende  aus der Personalverwaltung.

Thomas Bischzur, Geschäftsführer der Bäckerei Evertzberg, mit den beiden Pflege-Guides: Feelgood-Managerin Claudia Prinz (l.) und Yvonne Ende aus der Personalverwaltung. (Foto: © Bäckerei Evertzberg)

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Bäckerei Evertzberg: Zwei Pflege-Guides für das Team

In der Bäckerei Evertzberg haben sich zwei Mitarbeiterinnen zu betrieblichen Pflege-Guides weitergebildet. Geschäftsführer Thomas Bischzur erklärt, warum ihm das Thema Pflege so wichtig ist.

Thomas Bischzur ist Geschäftsführer der Bäckerei Evertzberg, ein fast 80 Jahre altes Familienunternehmen mit über 40 Filialen im Bergischen Land, einer großen Produktion in Remscheid und insgesamt 480 Beschäftigten. Das Motto "Der Mensch steht im Mittelpunkt" ist ihm eine Herzensangelegenheit. Die innovative Bäckerei war eines der ersten Unternehmen im Landesprogramm "Vereinbarkeit von Beruf &  Pflege NRW" – ein Netzwerk für Unternehmen und Institutionen. Nur in Hessen gibt es bislang ein ähnliches Angebot für Arbeitgeber.

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DHB: Herr Bischzur, in Ihrer Bäckerei haben gleich zwei Kolleginnen den Kurs zum betrieblichen Pflege-Guide absolviert. Wie kam es dazu? 
Bischzur:
Ich bin angetreten mit dem Ziel, bester Arbeitgeber in der Region zu sein, der für die Mitar-beiter da ist und dabei alle Facetten abdeckt. Bei der Umsetzung dieses Ziels und bei der Einführung eines betrieblichen Gesundheitsmanagements hat uns 2018 die AOK Rheinland/Hamburg sehr unterstützt. Wir haben zum Beispiel eine Mitarbeiterin als 'Feelgood Managerin' freigestellt, die für alle Sorgen und Probleme der Mitarbeiter da ist. Als vor zwei Jahren das Landesprogramm 'Beruf & Plege NRW'  ins Leben gerufen wurde, war das sozusagen das fehlende Puzzleteil, um unseren Mitarbeitern ganzheitlich zur Seite zu stehen. Zwei Kolleginnen – die 'Feelgood-Managerin' und eine Mitarbeiterin aus dem Personalbüro – haben sich bereiterklärt, einen Pflege-Guide-Kurs zu belegen.  

Thomas Bischzur bei der Übergabe der Charta mit Staatssekretär Edmund Heller. Foto: © Bäckerei EvertzbergThomas Bischzur bei der Übergabe der Charta mit Staatssekretär Edmund Heller. Foto: © Bäckerei Evertzberg

DHB: Haben Sie geahnt, wie viele Ihrer Mitarbeiter Angehörige pflegen, und wie haben Sie das überhaupt erfahren?
Bischzur:
Wir haben zunächst anhand einer anonymen Umfrage versucht herauszufinden, wo die Mitarbeiter bei dem Thema überhaupt stehen, also ob sie Angehörige pflegen oder das in naher Zukunft auf sich zukommen sehen. Danach haben wir mit einem zweiten Aufruf die Betroffenen ausfindig gemacht. Bei dem einen oder anderen hat man es gewusst, aber dass 25 Mitarbeiter Angehörige pflegen, das hätten wir nicht gedacht. Wie sind dann auf sie zugegangen und bieten unter anderem flexible Arbeitszeitmodelle oder ermöglichen Arztbesuche, indem wir die Dienstpläne entsprechend gestalten.  

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DHB: Sie unterstützen Ihre Mitarbeiter auch, wenn sie Materialien für die Pflege brauchen ... 
Bischzur:
Ja, wir haben eine Kooperation mit einem großen Sanitätshaus gestartet, um Mitarbeiter schnell mit Materialien wie beispielsweise einem Pflegebett oder anderen Hilfsmitteln versorgen zu können. Ein solches Netzwerk aufzubauen, ist natürlich erst einmal mit viel Arbeit und Energie verbunden, aber wenn man es geschafft hat, ist der Weg danach leicht, weil alle das gleiche Ziel vor Augen haben, nämlich etwas Gutes zu tun. 

DHB: Was war die Herausforderung bei der Umsetzung?
Bischzur:
Bei uns war es zum Beispiel die starke Filialisierung. Außerdem haben wir Mitarbeiter aus 21 verschiedenen Nationen. Bei solchen Herausforderungen werden wir von dem Netzwerk sehr gut unterstützt. Wir waren 2022 eines der ersten 17 Unternehmen, die die Charta unterzeichnet haben und haben die Urkunde von Arbeitsminister Karl-Josef Laumann persönlich überreicht bekommen. Heute sind es schon über 300 Firmen und Institutionen, darunter sehr viele Handwerksbetriebe. Das zeigt, wie groß das Thema ist.

Das Interview führte Kirsten Freund

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Text: / handwerksblatt.de

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